Internationalisierung

International einheitliche Datenbasis geschafft

| Redakteur: Luca Meister

Vielseitig: Die Schnittstellen von «Simus Classmate».
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Vielseitig: Die Schnittstellen von «Simus Classmate». (Bild: Simus Systems)

Mit «Simus Classmate» schafft die Ammann Group eine konsistente, durchgängig strukturierte Datenbasis für das ERP-System von SAP. Die klare Daten­struktur aller Materialien soll eine automatische Übersetzung der Artikeltexte in 12 Sprachen erlauben. Damit erreicht man Effizienzgewinne.

Jakob Ammann eröffnete seine Mühlenbau-Werkstatt 1869 zu Beginn der Industria­lisierung – heute ergreift das Familien­unternehmen in der sechsten Generation erfolgreich die Chancen der Digitalisierung. Rund 3700 Mitarbeiter konzentrieren sich weltweit auf ökologisch und ökonomisch effiziente Baumaschinen: Mobile und stationäre Asphalt-Mischanlagen bringen Dauerleistungen von 80 bis 400 Tonnen pro Stunde. Ein komplettes Sortiment an Verdichtungsmaschinen – von Stampfern über Rüttelplatten bis hin zu Tandemwalzen erledigt u. a. die Vorarbeiten für leistungsstarke Strassenfertiger in Rad- oder Raupenausführung. Sie ermöglichen eine optimale Asphaltierung bei ausgezeichneter Manövrierfähigkeit. Daneben entstehen modernste Beton-Zwangsmischer sowie komplette Misch­anlagen zur wirtschaftlichen Herstellung von Qualitätsbeton, in allen wesentlichen Grössen und für die unterschiedlichsten stationären und mobilen Anwendungsfälle.

Niederlassungen und Vertretungen auf der ganzen Welt sichern die Nähe zum Kunden. Neben dem Hauptsitz in Langenthal befinden sich weitere Produktionsstätten in Deutschland, Italien, Tschechien, China, Brasilien und Indien.

Globale Zusammenarbeit ermöglichen

Um eine echte internationale Zusammenarbeit in Entwicklung und Produktion zu ermöglichen und die eigenen Prozesse zu optimieren, arbeitet ein zentrales Team um Daniel Schneider, Head of Master Data Management, an der Verbesserung, Vereinheitlichung und Überwachung der Materialstammdaten in einem zentralen SAP-System. Damit nun die Daten aus Niederlassungen in Tschechien, Italien und Indien in einer globalen SAP-Umgebung verwendet werden können, muss eine einheitliche Klassenstruktur vorgegeben werden: «Durch eine vorgegebene Struktur wollten wir zukünftige Daten­migrationen vorbereiten und später die automatische Übersetzung der neuen Materialdaten in alle erforderlichen Sprachen erleichtern», berichtet Daniel Schneider. Die meisten Spezifikationen der Maschinen und Anlagen lagen bisher nur in Deutsch vor, lediglich Angebote, Betriebsanleitungen und ähnliche Dokumente waren übersetzt. In der SAP-Terminologie versteht man unter Materialien einzelne Kaufteile wie Schrauben ebenso wie eigen­entwickelte Unterbaugruppen oder komplette Baumaschinen. «Rund eine Million Materialien befinden sich in unserem System», sagt Daniel Schneider. «Die notwendige Klassifizierung bekommt man allein mit den Standardwerkzeugen von SAP nicht in den Griff.»

Zur Unterstützung nahm er Kontakt zu Simus Systems auf. Der Spezialist aus Karlsruhe bietet mit «Simus Classmate» eine intelligente Software-­Familie für die Strukturierung, automatische Klassifizierung und Suche von Geometrie- wie Textdaten an. Weitere Module übernehmen die automatische Textgenerierung aufgrund der Klassifizierung oder die Kostenkalkulationen anhand von CAD-Modellen. In Projekten unterstützt das Unternehmen seine Kunden aus der Industrie in Projekten zur Daten­strukturierung und Klassifikation. Anschliessend werden durch die Implementierung der Software-Module Daten schneller aufgefunden, das Anlegen von Dubletten vermieden und verschiede Prozesse wie die Materialstamm-Anlage automatisiert.

Kaufteile klassifizieren

Im Frühsommer 2015 startete Ammann die erste Phase eines gemeinsamen Projektes, in dessen Rahmen die gesamten Norm- und Kaufteile des Unternehmens geordnet werden sollten. «Sehr hilfreich war, dass Simus Systems dazu bereits einen vorgefertigten Katalog und eine Klassenstruktur mitgebracht hat», sagt Daniel Schneider. «Diese wurden dann gemeinsam an unsere Bedürfnisse angepasst.» Dazu werden die Daten der unterschiedlichsten Kaufteilgruppen – von der Schraube über die Fluidtechnik bis zu Elektromotoren – in die Software Simus Classmate geladen und nach vordefinierten Regeln in Klassen abgefüllt. Das Ergebnis wird dann in gemeinsamen Workshops mit den Fachleuten bei Ammann vorgestellt und diskutiert, um Problemfälle zu lösen, das Regelwerk zu ergänzen und anstehende Entscheidungen zu treffen.

Die relativ grosse Datenmenge umfasst hunderte von Dubletten, jeder der beteiligten Bereiche und jede der Firmen verfügte über eigene Ausprägungen. Wohl auch deshalb wurde das ursprüngliche Ziel, rund 85 Prozent der Daten rein maschinell zu bereinigen, nicht ganz erreicht. «Ein eigenes Projektteam muss in einzelnen Bereichen manuell nachbearbeiten», sagt Daniel Schneider, denn «es lassen sich nur dann sinnvoll Regeln definieren, wenn darunter auch ausreichend viele Materialien fallen». Obwohl die Bearbeitung der Materialien noch nicht ganz geschafft war, wurden die Daten Anfang 2016 in SAP übernommen. Die Ergebnisse lassen sich sehen: «Früher haben wir nach Kaufteilen gesucht – heute finden wir sie», beschreibt Daniel Schneider den wichtigsten Erfolg. Konkret konnten früher nur die 40 Zeichen umfassenden Materialkurztexte durchsucht werden, um Datensätze mit bestimmten Merkmalen zu finden. Heute wird nach allen angelegten Eigenschaften gefiltert, so dass z. B. alle Motoren mit einer Leistung zwischen fünf und sechs Kilowatt angezeigt werden.

Eigene Designs systematisch strukturieren

Mit der Schubkraft dieser Erfolge im Rücken wurde Anfang 2016 die zweite Phase des Projektes begonnen, die sich auf die eigenkonstruierten Produktbestandteile und Produkte bezieht. Das Spektrum dieser Materialien reicht von eigenkonstruierten Bauteilen über Unterbaugruppen bis zu fertigen Maschinen und Anlagen. Den Anfang machte die Division, welche stationäre Asphalt- und Betonmischanlagen erstellt, oft in kundenspezifischen Ausprägungen. «Trotz aller modularen Gliederung liegt eine grosse Herausforderung darin, dieses umfangreiche Portfolio zu klassifizieren», berichtet Schneider. Mehrere Konstruktionsabteilungen wurden in die Workshops mit Simus Systems einbezogen. Ausgehend von Modulen und Strukturschemata der Zusammensetzung wird jeweils eine Klassifikation erarbeitet und vorgestellt. Schliesslich soll sie unternehmensweit verbindlich festgehalten und durchgesetzt werden. Es ist geplant, die fertige Struktur zum Jahresende 2016 in SAP zu übertragen. Bis dahin nutzt Schneider die im Bereich der Kaufteile erreichten Fortschritte zur Motivation derjenigen Mitarbeiter, die bisher ohne feste Struktur ausgekommen sind: «Wir haben uns das Vorhaben einfacher vorgestellt», sagt der Leiter Stamm­daten-­Management. «Doch die Vorteile aus der ersten Projektphase zeigen bereits, dass sich auch ein weiterer Weg lohnt.»

Internationale Zusammenarbeit ermöglicht

Die Spezifikation neuer Materialien wird nun an allen Stellen durch das System unterstützt: Mitarbeiter werden durch das Anlegen eines Artikels geleitet und müssen alle vorgefertigten Felder plausibel ausfüllen. Dadurch werden sämtliche Merkmale abgebildet und insgesamt eine wesentlich höhere Datenqualität erzeugt. Neue Sprachen können einfach und schnell implementiert werden. Dadurch lassen sich neue Märkte leichter erschliessen und neue Werke, die zur Gruppe hinzukommen, werden einfacher integriert. «Früher hatten wir keine Chance, um festzustellen, ob es ein bestimmtes Bauteil schon gibt», sagt Daniel Schneider. «Heute verfügen wir über mehrsprachige Suchfunktionen, mit welchen wir jeden Artikel aller Standorte schnell identifizieren.» Die Standardisierung wird gefördert und das Anlegen von Dubletten vermieden.

Dieser Nutzen wird sich nochmals deutlich steigern, wenn alle Produkte vollständig in der neuen Struktur enthalten sind. «In der Zwischenzeit müssen neue Daten auf unterschiedliche Weise eingepflegt werden», sagt Daniel Schneider. «Das wollen wir so schnell wie möglich ändern.» -mei- SMM

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