Drehtech AG lernt mit einer Studer S33 das Schleifen

Kann eine Dreherei Schleifen lernen?

| Autor / Redakteur: Matthias Böhm / Anne Richter

Blick in den Schleifprozess: Gut zu erkennen sind Werkstück, Schleifscheibe und Messtaster für Inprozessmessung.
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Blick in den Schleifprozess: Gut zu erkennen sind Werkstück, Schleifscheibe und Messtaster für Inprozessmessung. (Bild: Matthias Böhm, SMM)

Bei der Drehtech AG wurden Schleifprozesse immer nach auswärts vergeben, bis zum 15. Januar 2015. Das Unternehmen investierte in eine Studer S33, um Schleifkosten zu reduzieren. Dass die Wahl auf eine Studer-Schleifmaschine fiel, liegt vor allem an der extrem einfachen Bedienungssoftware.

Seit 13 Jahren ist Michael Jauer Geschäftsführer bei der Drehtech AG. Auf die Frage des SMM, warum sein Unternehmen in eine Schleifmaschine investierte, antwortet Michael Jauer: «Mir war 13 Jahre klar, wir werden niemals schleifen. Heute weiss ich, ich habe mich über ein Jahrzehnt lang geirrt. Denn heute schleifen wir. Wir kamen sozusagen zum Schleifen wie die Jungfrau zum Kind. Und das klappt richtig gut.» Damit ist die im Titel gestellte Frage bereits beantwortet. Wie es dazu kam, lesen Sie im Folgenden.

Eine Studer-Schleifmaschine ergänzt sieben Traub-Dreh-Fräszentren

Mit insgesamt sieben Traub-Maschinen, einer Studer S33 und sechs Mitarbeitern produziert das Unternehmen Drehtech AG in 1,5 Schichten Rund- als auch kubische Teile ab Stange – Schleifprozesse inklusive. Da das Unternehmen im Schweizer Mekka der Medizintechnik zu Hause ist, kommen entsprechend häufig anspruchsvolle Materialien auf die Maschinen. Darüber hinaus wird das komplette Materialspektrum bearbeitet. Angefangen bei Aluminium, über Buntmetalle bis hin zu Titanlegierungen und «Sonderwerkstoffen» wie Wolfram. Das Grössenspektrum liegt zwischen 3 bis 65 mm ab Stange und bei Futterteilen bis zirka 150 mm Durchmesser.

Die Seriengrösse liegt typischerweise zwischen 20 und 10 000 Teilen. Zirka ein Viertel aller rotationssymmetrischen Teile müssen einem Schleifprozess unterzogen werden. Etwas Spezielles: Die Kunden werden bei der Entwicklung ihrer Bauteile begleitet, um produktionsgerechte Konstruktionen zu gewährleisten.

Zeitgleich: neue Studer S33 und neuer Produktionsleiter

Marcel Wagner, Produktionsleiter der Drehtech AG, ist praktisch zeitgleich mit der Studer S33 in das Unternehmen eingetreten. M. Jauer: «Mir war bewusst, wenn ich eine neue Fertigungstechnologie in unser Unternehmen integriere, dann muss ich auch in Personal investieren. Deshalb haben wir Herrn Wagner als Produktionsleiter eingestellt. Er hat die anspruchsvolle Aufgabe bekommen, das Rundschleifverfahren reibungslos in unsere Dreh-Prozesse einzubinden.»

Philippe Schmider (Gebietsverkaufsleiter bei Studer): «Bei der Studer S33 handelt es sich um einen unserer Bestseller. Die Maschine ist über 1000-mal im Markt verkauft worden. Die Studer S33 beherrscht sowohl Aussenrundschleifen, Einstechschleifen als auch Innenrundschleifen. Die Drehtech AG hat die S33 so ausgewählt, dass ab 5 mm und grösser Innendurchmesser geschliffen werden können.»

15. Januar 2015 war der Tag der Entscheidung

Der 15. Januar 2015 war, als der Schweizer Franken freigegeben wurde, ein einschneidender Tag für die Drehtech AG. M. Jauer: «Wir mussten von einem Tag auf den anderen wirtschaftlicher werden. In den 30 Jahren, die ich bei dem Unternehmen gearbeitet habe, haben wir immer nur gedreht, respektive drehgefräst. Bis zum 15. Januar 2015 war unsere Strategie, uns auf die Kernkompetenzen zu konzentrieren. Schleifprozesse haben wir immer nach aus­sen gegeben. Doch plötzlich mussten wir neu rechnen, wir haben den wirtschaftlichen Druck gespürt. Wenn auf einem Werkstück 7.50 CHF Fertigungskosten liegen, dann fallen z. B. 5.00 CHF bei uns und 2.50 CHF beim Schleifen an. Die 5.00 CHF intern konnten wir beeinflussen, indem wir unsere Prozesse weiter optimiert haben. Die 2.50 CHF für externes Schleifen mussten wir zahlen, hier hatten wir keine Einflussmöglichkeiten. Also haben wir unsere Strategie geändert und beschlossen, in eine Rundschleifmaschine zu investieren, damit wir den Schleif-Prozess selbst in der Hand haben. Entscheidend dabei war, dass die Schleifmaschine ausgelastet sein würde, aber davon konnten wir relativ sicher ausgehen, bei unserem Teilespektrum. Die Maschine läuft jetzt seit einem Jahr und wir haben zirka 60 000 Teile geschliffen, zirka 20 Prozent aller Werkstücke.»

M. Jauer betonte gegenüber dem SMM, dass der eigentliche Grund der wirtschaftliche Aspekt war, die Schleifprozesse zu integrieren: «Wir wollten und wollen keine Schleifspezialisten werden. Aber wir können jetzt die Schleifkosten beeinflussen, indem wir die Prozesse optimieren. Das geht nur, wenn wir den Prozess inhouse haben. Allerdings ist es so, das Schleifen ein komplett anderer Fertigungsprozess ist als Drehen.»

«Die beste Entscheidung, die wir getroffen haben»

Marcel Wagner: «Dreh-Fräsprozesse haben bestimmte Schneiden. Das ist beim Schleifen etwas ganz anderes mit den unbestimmten Schneiden. Man nähert sich den Sollmassen sozusagen in mehreren Schleifschritten an, bis hin zu Ausfunken. Erschwerend kommt hinzu, dass wir ständig wechselnde Werkstoffe schleifen müssen. Das sind selbst für eingefleischte Schleifexperten echte Herausforderungen. Das trauten wir uns als Dreher bisher nicht zu, wenn wir ehrlich sind. Das ist einfach so.» M. Jauer ergänzt: «Gleichwohl haben wir diesen Schritt gewagt und können heute sagen, das war die beste Entscheidung, die wir getroffen haben.»

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