Biegetechnologie

Live-Monitoring für alle

| Autor / Redakteur: Oliver Hergt / Luca Meister

Grüne Balken bedeuten, die Maschinen produzieren. Die Sunburst-Ansicht ist einer von mehreren Statusberichten im ByCockpit. Das Kreisdiagramm präsentiert den Zustand der gesamten Fertigung auf einen Blick.
Grüne Balken bedeuten, die Maschinen produzieren. Die Sunburst-Ansicht ist einer von mehreren Statusberichten im ByCockpit. Das Kreisdiagramm präsentiert den Zustand der gesamten Fertigung auf einen Blick. (Bild: Manuel Stettler)

Jeder Schritt in der Blechfertigung lässt sich heute mit Sensoren messen. Aber was machen Anwender aus der Flut von Daten? Mit dem ByCockpit hat Bystronic eine neue App entwickelt, die Prozessdaten zusammenführt, auswertet und visualisiert. Qualität, Zeit und Kosten einer Produktion werden damit transparent und optimierbar.

Markus Flury und Thomas Salzmann stehen im Democenter der Bystronic und halten ein Tablet in den Händen. Die beiden IT-Spezialisten sind die führenden Köpfe hinter der Entwicklung einer neuen App. Auf dem Bildschirm ihres Tablets leuchten grüne, rote und blaue Balken, die im Kreis angeordnet sind. «Diese Ansicht nennen wir das Sunburst», sagt Markus Flury.

Neben Markus Flury steht eine ByStar-Fiber-Laser­schneidanlage und trennt Teile aus einer Blechtafel. Ein angeschlossenes Handlingsystem mit Hochregallager räumt die geschnittenen Teile ab und legt neue Rohbleche auf. Etwas weiter hinten biegt ein Maschinenbediener Teile auf einer Xpert-Abkantpresse. Und in der linken Ecke des Demo­centers zischt eine ByJet-Flex-Wasserstrahlschneidanlage. Hier werden gerade 25 Millimeter starke Titanteile geschnitten. Die beiden Entwickler befinden sich mitten in einer blechverarbeitenden Produktion, die so auch bei Kunden von Bystronic aussehen könnte.

Die neue App auf dem Tablet der IT-Spezialisten heisst ByCockpit. Sie erfasst alle Prozesse der umstehenden Maschinen, wertet sie aus und liefert Statusberichte. All das geschieht in Echtzeit. Also unverzüglich, noch während die Systeme schneiden und biegen. Einer von mehreren Statusberichten im ByCockpit ist die Sunburst-Ansicht. Ein Kreisdiagramm, das den Zustand der gesamten Fertigung auf einen Blick präsentiert. Markus Flury zeigt auf den Bildschirm: «Grüner Balken bedeutet, die Maschinen produzieren. Roter Balken heisst Stillstand. Der blaue Balken markiert alle Maschinen, die in einer Fertigungslinie vernetzt sind.»

Was brauchen Anwender?

Für die Entwicklung des ByCockpit haben sich die IT-Spezialisten bei Blechfertigern genau umgeschaut. Die wichtigste Frage dabei war: Wie holen Anwender Informationen aus ihren Maschinen, um ihre Produktion zu analysieren und zu verbessern? Das Ergebnis: Für viele Blechfertiger ist es sehr umständlich, Daten aus ihrem Maschinensystem zu bekommen und diese anschliessend in brauchbare Informationen zu übersetzen. «Oft erhalten Anwender diese Informationen zeitverzögert. Vielleicht am Ende des Monats oder einmal pro Quartal», sagt Markus Flury. Dann sei es bereits zu spät für Optimierungen.

Preisdruck, kurze Lieferzeiten und steigende Ansprüche an Qualität zwingen Blechfertiger heute dazu, schnell zu reagieren und ihre Produktion ständig zu verbessern. Immer mehr ihrer Mitbewerber am Markt sind technologisch gut ausgerüstet. Erfolgreiche Blechfertiger bearbeiten heute mehr Aufträge in kürzerer Zeit mit zunehmend variierenden Teilen. Produktionsschritte, die nicht rund laufen, haben da keinen Platz mehr, denn sie kosten Zeit und Geld. Monitoring hilft hier, um die Schwachstellen der Fertigung aufzudecken. «Anwender erwarten jedoch Monitoring-Lösungen, die so einfach sind wie ihre Wetter-App auf dem Smartphone», sagt Markus Flury.

Widgets auf dem Screen

Genau das setzt das ByCockpit um. Mit einem Klick auf dem Bildschirm wechselt Thomas Salzmann von der Sunburst-Ansicht in die Übersicht «Schneiden» zur ByStar Fiber. Auf dem Tablet öffnen sich jetzt sechs Widgets, in denen verschiedene Informationen zum Prozessschritt Laserschneiden sichtbar sind. Das erste Widget «Status» zeigt an, mit wie viel Kilowatt der Faserlaser aktuell schneidet – 6 Kilowatt –, wie lange die Maschine insgesamt läuft – 14 250 Stunden – und ob ein Service ansteht oder bereits überfällig ist.

Das Widget daneben liefert den OEE-Wert. Diese Kennzahl beschreibt, wie effizient das Fertigungspotential der ByStar Fiber ausgeschöpft wird. Aktuell liegt der OEE-Wert bei 82 Prozent. Alles im grünen Bereich. Fällt dieser Wert ab, weiss Thomas Salzmann: Die Produktion läuft nicht rund. Möglicherweise gab es Stillstände, in der geplanten Fertigungszeit wurde nicht die definierte Anzahl von Teilen produziert oder die Qualität der produzierten Teile stimmt nicht. In diesem Fall würden die übrigen Widgets genau anzeigen, wo das Problem liegt.

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