Interview mit Rolf Sonderegger, Kistler

«Unser technologisches Know-how werden wir nie nach China geben»

| Autor: Silvano Böni

Rolf Sonderegger, CEO der Kistler Gruppe.
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Rolf Sonderegger, CEO der Kistler Gruppe. (Bild: Tanya Hasler)

Wenn es um dynamische Messtechnik geht, kommt man um Kistler nicht herum. Wir sprachen mit dem Geschäftsführer Rolf Sonderegger unter anderem über die Stärken des Unternehmens, die hauseigene Kristallzüchtung sowie den Werkplatz Schweiz.

SMM: Das Unternehmen Kistler wurde durch Ihren Vater gegründet. Erklären Sie uns kurz, wie die Firma entstanden ist?

Rolf Sonderegger: Angefangen hat alles bei der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik SLM hier in Winterthur. Die späteren Gründer von Kistler, Walter P. Kistler und mein Vater Hans Conrad Sonderegger, arbeiteten als junge Ingenieure bei der SLM und tüftelten bereits dazumals an Motoren und Messsystemen. Durch die Erfindung des Ladungsverstärkers durch Herrn Kistler, welche eine technische Notwendigkeit ist, um überhaupt den piezoelektrischen Effekt nutzen zu können, wurde dann der Grundstein gelegt für das Unternehmen. Dieses gründeten sie aber nicht hier in Winterthur, sondern versuchten ihr Glück in den USA.

Wie kam das Unternehmen dann wieder zurück nach Winterthur?

R. Sonderegger: 1959 wurde eine Schwestergesellschaft in der Schweiz gegründet. Nach einem weiteren Wachstum liess sich das Unternehmen 1966 hier am Standort Winterthur in einem Neubau nieder. Der Plan war es, in den USA Elektronik zu fertigen, und hier in der Schweiz, wo die mechanische Fertigung dank der Nähe zur Uhrenindustrie ihre Stärken hat, die Sensorik zu produzieren. 1969 wurde die amerikanische Firma aber verkauft und es begann eine turbulente Zeit, in der man sich eigenständig über Wasser halten musste. Schritt für Schritt und mit Geduld wurde diese Zeitspanne überstanden und ein gesundes Wachstum konnte sich einstellen.

2001 haben Sie das Unternehmen übernommen. Im Gegensatz zu Ihrem Vater kommen Sie aber ursprünglich nicht aus der Technik …

R. Sonderegger: Das ist so, hatte aber auch ganz klare Vorteile. Dazumals war das Unternehmen extrem technologieorientiert aufgestellt. Als Ökonom hat man aber einen anderen Blick auf die Dinge als ein Techniker. So konnten wir den globalen Ausbau voranbringen und das Unternehmen mehr in Richtung Kundenanwendungen und Prozesse ausrichten.

Sie sind mit Ihrer Sensorik stark im Automotivebereich und insbesondere in der Motorenentwicklung vertreten. Dort kommt man am Thema Elektromobilität momentan nicht vorbei. Glauben Sie, dass diese bald ihren Durchbruch haben wird?

R. Sonderegger: Wir machen uns natürlich Gedanken darüber und haben verschiedenste Szenarien im Kopf. Wir sind davon überzeugt, dass für die nächsten 25 Jahre der Verbrennungsmotor nach wie vor der Schrittmacher sein und das führende und meistbenutzte Aggregat im Individualverkehr darstellen wird. Falls aber ein grosser und wichtiger Markt wie China entscheiden würde, dass beispielsweise aufgrund von Emissionsbelastungen ein Elektroantrieb Pflicht werden würde, würde das dem Thema einen unvorhersehbaren Schub verleihen. China ist der grösste Absatzmarkt und Automobilherstellermarkt und hat dadurch einen dominierenden Einfluss. Abzusehen ist das aber momentan nicht.

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