Ein Blick hinter die Kulissen von Igus

Weg mit den Chefs - her mit den Kunden

| Autor / Redakteur: Frank Jablonski / Frank Jablonski

Betriebsleiter Igor Iraeta erklärt die „Folterkammer“: Im Testlabor wird die Lebensdauer der Lager ermittelt.
Betriebsleiter Igor Iraeta erklärt die „Folterkammer“: Im Testlabor wird die Lebensdauer der Lager ermittelt. (Bilder: Jablonski)

Bekannt für Energieketten oder Gleitlager, hat sich das Unternehmen Igus als Kunststofftechnik-Experte einen Namen gemacht. Doch wie sieht es in der Produktion aus? Mit welchen Herausforderungen kämpfen die Kölner? Der Deutsche MM hat hinter die Kulissen geschaut.

Energiewürfel auf Stelzen wie aus einem Science-Fiction-Film blasen lange Dampffahnen in den blauen Himmel und künden genauso von Betriebsamkeit wie der geschäftige Lieferwagen-Verkehr rund um die markanten Stahlblechhallen. Als weithin sichtbares Wahrzeichen des Industriebaus der britischen Architekten Grimshaw und Wood strecken sich 40 Meter hohe, gelbe Pylone in den Himmel, die an langen Stahlseilen die modular aufgebaute Konstruktion festhalten.

Das von aussen optisch bestimmende Element setzt sich auch im Inneren des kombinierten Produktions- und Bürogebäudes fort. Zwischen diesen Säulen sind fast alle Abteilungen des Kunststofftechnik-Experten Igus im Kölner Stadtteil Porz-Lind untergebracht. Hier dreht sich alles darum, mit Kunststoffen Funktionsbauteile in (neue) Bewegungsanwendungen zu bringen.

Auch der Weg zum Inhaber und Geschäftsführer Frank Blase führt durch das Geflecht von Büroinseln in der Halle. Die Arbeitsplätze ordnen sich wie ein Leitfaden der wichtigen Abnehmerbranchen an. Auf Offshore folgt Ship-to-Shore, Kranwesen als zweitwichtigste Branche, hier Schiffbau, dort Werkzeugmaschinen und etwas weiter Arbeitsinseln für die vielen individuellen Grossprojekte.

Konzept der gemeinsamen Augenhöhe

Noch eine Biegung weiter sitzen Konstruktion und Entwicklung beieinander. Grosse Energieketten mit Stahlstreben liegen neben den Schreibtischen. Plötzlich, mittendrin der Platz von Chef Frank Blase. Das „Büro“ des Geschäftsführers besitzt keine erkennbaren Insignien einer Macht, weder trennende Wände noch grosszügige Flächen.

Was nach einem Konzept der gemeinsamen Augenhöhe aussieht, wird (Kleidungs-) optisch bestätigt: Statt Anzugjacke hängt der leicht ergraute Blase seine blaue Monteursweste mit grossem Firmenschriftzug, Stiften in der Brusttasche und einem Plastik-Namensschild an den Kleiderhaken. „Es tut mir leid, dass es ein wenig später geworden ist, doch ich wollte das Vertriebsmeeting nicht mittendrin verlassen“, entschuldigt sich Blase und verliert kein Wort darüber, dass er durch den Besucher gerade im Begriff ist, seine Mittagspause zu opfern.

Blase ist ein ruhiger Zeitgenosse, kein Aufbrauser. Ein weicher, fester Händedruck wird begleitet von freundlichen, begrüssenden Worten. Dass diese ruhige Stimme noch leiser werden kann, zeigt sich nach der ersten Frage, was ihn derzeit am meisten beschäftige: „Trump.“

Das klingt sorgenvoll und die folgende Erläuterung fällt entsprechend der Stimmlage wenig optimistisch aus. „Seit dem vergangenen Sommer beschäftigt mich die Situation in den USA sehr. Das ist schon, ...“, bricht er mitten im Satz ab, um nach einer kurzen Pause neu anzusetzen: „Ich stelle mir die Frage, ob ich mein Weltbild, in dem Amerika ganz oben ist, ändern muss. Die entscheidende Frage jedoch lautet: Wie stabil sind die Institutionen, wie stabil sind die Rechte in den USA?“

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