Interview mit Pirmin Zehnder

Werkplatz Schweiz nimmt Herausforderung an

| Autor: Anne Richter

Vorbereitung der Hausausstellung bei Newemag, auf der dann die neue Acura 65 von Hedelius präsentiert wird. Im Bild Geschäftsführer ist Pirmin Zehnder (links) mit einem Mitarbeiter an der Hedelius RS 505 Magnum.
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Vorbereitung der Hausausstellung bei Newemag, auf der dann die neue Acura 65 von Hedelius präsentiert wird. Im Bild Geschäftsführer ist Pirmin Zehnder (links) mit einem Mitarbeiter an der Hedelius RS 505 Magnum. (Bild: Anne Richter, SMM)

Werkzeugmaschinenhändler wandeln sich zum Partner für ganzheitliche Lösungen. SMM hat mit Pirmin Zehnder, Geschäftsführer der Newemag AG und Präsident von Tecnoswiss, Gruppe Metall, über die Zukunft des Werkplatzes Schweiz und des Werkzeugmaschinenhandels gesprochen.

SMM: Wie schätzen Sie die aktuelle Lage für den Werkplatz Schweiz ein?

Pirmin Zehnder: Grundsätzlich wirkt der Januar 2015 bis heute mit einem signifikanten Margenverlust nach. Unsere Kunden sind in Bezug auf Konkurrenzfähigkeit unter Druck. Für dieses Jahr erwarten wir allerdings eine stetige Erholung, da die Märkte der wichtigsten Schweizer Handelspartner robust aufgestellt sind. Ausserdem konnten wir uns inzwischen besser auf die Situation einstellen.

Wie haben sich die Unternehmen auf die Situation eingestellt? Was sind die Massnahmen?

P. Zehnder: Die Kunden haben Möglichkeiten gesucht, dem Margendruck und den Termin- und Qualitätserwartungen zu begegnen – sowohl auf der Einkaufsseite, aber auch auf der Prozessseite. Es wurden Analysen durchgeführt, welche Gebiete das beste Marktpotential und die besten Chancen bieten, um erfolgreich und konkurrenzfähig zu sein. Auf diese Bereiche hat man sich dann konzentriert. Von weniger aussichtsreichen Bereichen hat man sich dagegen getrennt. Wichtig ist also eine Analyse, in welche Richtung sich eine Firma als Fertigungsunternehmen entwickeln will, welche Nischen am erfolgversprechendsten sind, auf welchen Gebieten Kompetenzen bestehen und ein konkurrenzfähiges Produkt hergestellt werden kann. Ausserdem muss nachhaltig die gesamte Prozesskette analysiert werden und die richtigen Schlüsse daraus gezogen werden. Das können Investitionen sein oder auch Umstrukturierungen, um schlanker zu werden.

Wo sehen Sie hier die Aufgabe von Newemag?

Ergänzendes zum Thema
 
Newemag-Hausausstellung

P. Zehnder: Wir als Newemag sehen uns als Sparringpartner, der den Kunden dabei unterstützt, produktiver, effizienter und flexibler zu werden. Unser Interesse ist es, dass unsere Kunden erfolgreich und konkurrenzfähig produzieren und schlussendlich Geld verdienen. Wir unterstützen die Kunden bei der Analyse und bringen Lösungsvorschläge. Wichtig dabei ist, wirklich zuhören zu können, um die wirklichen Kundenbedürfnisse herauszufinden. Der Kunde soll bestmöglich beraten werden, dass er eine Entscheidungsgrundlage hat, um fundierte Investitionsentscheidungen treffen zu können. Das kann unter Umständen auch eine negative Entscheidung sein, wenn das Erfolgspotential eines bestimmten Bereiches zu gering ist. Wir verkaufen heute nicht mehr nur Maschinen, sondern ganze Lösungen und komplette Analysen. Und wir sehen uns natürlich nicht nur als Berater, sondern auch als diejenigen, die die ausgewählten Lösungen umsetzen.

Was ist hier der Unterschied zu früher?

P. Zehnder: Wir haben natürlich früher auch schon so gearbeitet. Aber der Druck ist grösser geworden. Durch den Druck ist der Kunde eher bereit, harte Entscheidungen zu treffen und umzusetzen. Der Kunde ist heute offener für unsere Lösungsangebote. In der heutigen Zeit geht es nicht mehr darum, einfach eine Maschine mit einer anderen zu ersetzen, die ein bisschen schneller und ein bisschen genauer ist, aber die gleiche Funktionalität aufweist. Das ist nicht ausreichend. Es geht darum, in einer unternehmerischen Analyse ganze Abläufe zu hinterfragen, um einen grossen Produktivitätsschritt zu erzielen. Das können auf der technischen Ebene integrierte Lösungen sein, durch die man ganze Prozessschritte weglassen kann. So bringt beispielsweise jeder eingesparte Spannvorgang einen Effizienzgewinn und es ist erstrebenswert, ein Bauteil in einem Durchgang automatisiert fertig zu bearbeiten ohne manuellen Eingriff. Das ermöglicht auch eine effiziente Nutzung der Nachtschicht. Hier ist noch sehr viel Potential.

Das stellt aber sehr hohe Anforderungen an die Qualifikation der Mitarbeiter?

P. Zehnder: Genau. Dafür werden Mitarbeiter benötigt, die in der Lage sind, die Maschinen einzurichten. Hier sehe ich einen grossen Vorteil der Schweiz mit ihrem dualen Bildungssystem. Dadurch haben wir viele sehr gut ausgebildete Berufsleute.

Wie ist Newemag konkret die gegenwärtigen Herausforderungen angegangen?

P. Zehnder: Wir haben in den letzten Jahren unser Produktsortiment gestrafft und optimiert, um auf unserem Spezialgebiet Beratungskompetenz auf höchstem Niveau anbieten zu können. Wir haben nicht den Anspruch, ein komplettes Sortiment von allen möglichen Prozessen anzubieten. Wir sind Spezialist im Drehen und Fräsen plus Automation, so dass wir für den ganzen Prozess Drehen und Fräsen Analysen und integrierte Automationslösungen bieten können. Da wollen wir ein kompetenter Partner sein. Ergänzt wird das Sortiment neu durch additive Fertigung mit einer einzigartigen Hybridlösung von Matsuura. Ausserdem können wir unseren Kunden eine gute Lieferfähigkeit bieten. Wir unterhalten ein Lager, um zumindest bei den gängigen Maschinenmodellen immer kurzfristig lieferfähig zu sein. Der Kunde will heute nicht mehr sechs Monate auf eine Maschine warten. Ausserdem bieten wir dem Kunden die Möglichkeit, dass wir hier in unserer Halle die Lösungen schon in Betrieb nehmen und der Kunde bis zum letzten Tag auf der alten Anlage noch produktiv sein kann.

Nach wie vor ist für viele Schweizer Unternehmen der starke Schweizer Franken ein Thema. Was bedeutet das für Newemag und Schweizer Fertigungsunternehmen?

P. Zehnder: Wir hatten schon vor dem 15. Januar 2015 den Entscheid gefällt, dass wir an den Schweizer Standort weiterhin glauben. Schweizer Hersteller haben in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass sie die Produktivität steigern konnten. Sie sind gewohnt, Effizienz und Produktivität immer wieder verbessern zu müssen. Solch einen Schock mussten Schweizer Fertigungsunternehmen schliesslich schon häufiger verkraften. Mit seinen Stärken gut ausgebildete Mitarbeiter und permanente Effizienzverbesserung schätzen wir den Schweizer Markt als äusserst konkurrenzfähig ein. Aber es muss immer am Thema drangeblieben werden und die richtigen Entscheide gefällt werden, um am Weltmarkt zu bestehen. Das setzt voraus, dass immer wieder Prozesse hinterfragt werden, sich in der richtigen Nische positioniert und repetitiv investiert wird. Den Wechselkurs können wir nicht ändern, sondern wir müssen uns dem stellen.

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