Bis zu 5000 kN im Reinraum

| Redakteur: Anne Richter

>> In der Schweiz stehen die grössten Spritzgiessmaschinen im Reinraum bei der Firma Fischer Söhne AG. Mit den hier produzierten Bauteilen für die Medizintechnik generiert der Kunststoffverarbeiter aus dem aargauischen Muri über ein Viertel seines Umsatzes und ist auch Aussteller auf dem Gemeinschaftsstand Swiss Pavilion auf der Medtec Europe 2011 in Stuttgart.

Einer der 35 Aussteller auf dem Gemeinschaftsstand von Medtech Switzerland, ITS Schaffhausen und Medical Cluster auf der diesjährigen Medtec Europe ist der Kunststoffspezialist Fischer Söhne AG. Das Unternehmen aus Muri im Aargau ist spezialisiert auf grosse Kunststoffteile aus der Reinraumproduktion.

Spritzgiessen grosser Teile im Reinraum

Vier Spritzgiessmaschinen mit einer Schliesskraft von bis zu 5000 kN arbeiten bei der Fischer Söhne AG im Reinraum – eine Maschinengrösse wie nirgendwo sonst in der Schweiz unter Reinraumbedingungen in Betrieb ist. Allein die Werkzeuge wiegen zwischen 1,2 und 3,8 Tonnen. Hier können Bauteile bis zu 0,7 Kilogramm Gewicht und Abmessungen von bis zu 250 x 400 Millimeter für die Medizintechnik hergestellt werden. Die roboterunterstützte Fertigung findet in zwei getrennten Produktions- und Montageräumen bis ISO-Klasse 7 statt. Alle Prozesse sind nach ISO 9001:2000 und ISO 13485:2003 zertifiziert.

Produkte und verarbeitete Materialien

Das Produktportfolio von Fischer Söhne im Bereich Medizintechnik, Biotechnologie und Pharma umfasst vor allem grössere Teile und Systeme in mittelgrossen Serien, mit denen die Kapazität der Spritzgiessmaschinen optimal ausgenutzt werden kann. So fertigt das Unternehmen Verpackungs-Systeme für vorfüllbare Glas- und Polymerspritzen, aber auch verschiedene Einzelteile im Medizintechnikbereich. Im Einzelnen sind das beispielsweise Nester und Wannen (Tubs and Nests) für die sogenannten Ready-to-fill-Systeme in der Spritzenindustrie, Sekretbehälter für medizinische Absauggeräte, Behälter für Thorax-Drainage, aber auch Implantate für Hüftgelenke.

Dabei verarbeitet das Unternehmen thermoplastische Kunststoffe wie Polystyrol oder Polypropylen, Polysulfon für autoklavierbare Medizinprodukte oder pulverförmiges UHMW-Polyethylen für Implantate. Zusätzlich werden auch Aufgaben für die Validierung der Prozesse und Produkte durchgeführt.

Blasextrusion für Kanister und Verpackungen

Der Bereich Medizin und Pharma ist nur eines von drei Standbeinen bei Fischer Söhne. Etwa ein Viertel seines Umsatzes generiert das Unternehmen in diesem Bereich. Fast die Hälfte des Umsatzes wird allerdings im Bereich Verpackung erzielt. Hier ist das Unternehmen auf die Produktion von Kanistern spezialisiert, die mittels Blasextrusion hergestellt werden.

Das Standardprogramm umfasst konventionelle Kanister von 2,5 bis 60 Litern Inhalt und mit und ohne UN-Zulassung. Dazu gehören Verschlüsse, Deckel und Zubehör. Die Standard-Stapelkanister sind aus lebensmittelzugelassenem Polyethylen HDPE (high density polyethylen) gefertigt.

Kanister: leitfähig, antistatisch oder mit Sperrschicht

Je nach Typenwahl haben die Verpackungen auch eine Zulassungsbescheinigung für den Transport von flüssigen Gefahrengütern nach den internationalen Vorschriften. Individuelle Verpackungen können nach spezifischen Kundenwünschen hergestellt werden wie beispielsweise leitfähige oder antistatische Kanister oder Kanister mit einer speziellen Sperrschicht. Auf Wunsch werden auch Montagearbeiten, Etikettierungen und Siebdruckarbeiten oder auch Sondereinfärbungen durchgeführt.

Die Kunden hierfür stammen neben der Lebensmittel- und Pharmaindustrie aus verschiedenen anderen Industriebereichen wie der Maschinen- und Autoindustrie, aber auch aus der Farben- und Lackindustrie, der Elektroindustrie, der Agroindustrie und anderen mehr. Neben den Kanistern fertigt das Unternehmen verschiedene extrusionsgeblasene technische Teile und Logistiksysteme.

Von der Entwicklung bis zum fertigen Produkt

Fischer Söhne bietet nicht nur Fertigungskompetenzen im Spritzguss und Extrusionsblasen, sondern ist auch Entwicklungspartner und Systemlieferant. Von der Entwicklung bis hin zur Produktion über die Montage, Konfektionierung, Prüfung und Verpackung im eigenen Haus bietet das Unternehmen den Vorteil einer Projektrealisierung aus einer Hand. Mit Partnern werden die Produkte auch sterilisiert. So fertigt das Unternehmen Werkzeuge für das Extrusionsblasen im eigenen Haus und die Werkzeuge für das Spritzgiessen werden von spezialisierten Partnern hergestellt.

Dafür braucht es gut ausgebildete Mitarbeiter. Fast zehn Prozent der 117 Mitarbeiter von Fischer Söhne sind Lehrlinge, von denen vier zum Kunststofftechnologen ausgebildet werden und vier weitere zum Polymechaniker. Auch die Mitarbeiter werden regelmässig weitergebildet.

CAD und CAM für Entwicklung und Fertigung

Für die Entwicklung von Produkten und Systemen setzt Fischer Söhne ausschliesslich 3D-CAD (Computer Aided Design)-Technologie ein, welche für die Werkzeugherstellung in CAM (Computer Aided Manufacturing) weiterverwendet werden kann. Ein Datentransfer von kundenspezifischen 3D-Modellen auf verschiedenen Datenträgern und Plattformen wird durch normierte Schnittstellen sichergestellt. <<

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