Blechbearbeitung Blechbearbeitung für den Superbowl

Von Daniel Kurr, Trumpf GmbH & Co. KG

Als am 13. Februar die LA Rams im Super Bowl gegen die Cincinnati Bengals antraten, haben die Zuschauer nicht nur auf dem Spielfeld Höchstleistung zu sehen bekommen, sondern auch am Himmel. Denn das Dach des SoFi-Stadium in Los Angeles zeigt Spitzenleistung in der Blechbearbeitung. Das architektonische Highlight wurde mit Trumpfmaschinen und -software erstellt.

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Am 13. Februar 2022 findet der Super Bowl im SoFi-Stadium in Los Angeles statt. Das Dach wurde mit Trumpfmaschinen und -software erstellt.
Am 13. Februar 2022 findet der Super Bowl im SoFi-Stadium in Los Angeles statt. Das Dach wurde mit Trumpfmaschinen und -software erstellt.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Leicht und elegant wirkt das Dach des SoFi Stadiums. Die Abdeckung aus dem lichtdurchlässigen Kunststoff ETFE lässt sich öffnen und schliessen.
Leicht und elegant wirkt das Dach des SoFi Stadiums. Die Abdeckung aus dem lichtdurchlässigen Kunststoff ETFE lässt sich öffnen und schliessen.
(Bild: JESSE PACHECO, ARKO / A. ZAHNER COMPANY)

Wie in der US-amerikanischen Football-Profiliga wurden auch in der Blechbearbeitung Höchstleistungen vollbracht. Mit rund 5 Milliarden Euro Baukosten gilt das SoFi Stadium samt umliegendem Sport- und Unterhaltungskomplex mit Veranstaltungshallen, Parks und Gastronomie nahe Los Angeles als das teuerste Stadion der Welt. Zur besonderen Herausforderung wurde der Bau auch für Trumpf und seinen US-Kunden A. Zahner. Für das SoFi schnitten und stanzten die Amerikaner aus Missouri auf drei Trumpf Maschinen 37000 unterschiedliche Paneele mit rund 30 Millionen unregelmässig verteilten Löchern. Möglich machte es eine individuelle Software-Lösung aus Ditzingen.

Blechbearbeitung für architektonische Highlights

Das Unternehmen A. Zahner ist für die Umsetzung architektonischer Träume bekannt. Der Blechbearbeiter aus Kansas City, Missouri, blickt mit Stolz auf zahlreiche ausgefallene Gebäude zurück, für die er in den vergangenen Jahrzehnten die Fassaden verwirklicht hat. Ob gewölbt, verschachtelt oder scheinbar schwebend, ob verspielt oder streng, ob Museum, Theater, Behördenbau, die neue Zentrale von Google im US-amerikanischen Mountainview oder eben das SoFi Stadium – kein Projekt gleicht dem anderen.

Bereit für Olympia 2028

Zahner fordert die Grenzen des Möglichen dabei immer wieder heraus. Das American-Football-Stadion SoFi, das im September 2020 fertig gestellt wurde, ist dafür ein Paradebeispiel. Die Arena mit gut 70000 Sitzplätzen ist Heimat der Clubs Los Angeles Rams und Los Angeles Chargers. Beim Kick-Off zum Super Bowl am 13. Februar werden wieder weit mehr als 100 Millionen Amerikaner und viele Millionen Fans weltweit vor den Bildschirmen sitzen. Im Stadion selbst wird die Kapazität für das Super-Event von 70000 auf 100 000 Zuschauer erweitert. 2028 folgt dann ein weiterer Höhepunkt, wenn im SoFi Stadion die Eröffnungs- und Abschlussfeier der Olympischen Spiele von Los Angeles stattfinden.

Das Dach als Videoscreen

Die gelöcherten Paneele lassen Licht und Luft durch – es war der Anspruch der Architekten, eine offene Arena zu bauen, in der die Menschen dennoch geschützt sind.
Die gelöcherten Paneele lassen Licht und Luft durch – es war der Anspruch der Architekten, eine offene Arena zu bauen, in der die Menschen dennoch geschützt sind.
(Bild: A. ZAHNER COMPANY)

Zu sehen ist die Show sogar aus der Luft: Die Abdeckung des Stadions besteht aus ETFE, jenem lichtdurchlässigen Kunststoff, der auch bei der Münchner Allianz Arena eingesetzt wurde. Der Clou dabei: Unter dem Dach wurden rund 80 Millionen LED-Pixel verbaut. Sie bilden die grösste Projektionsfläche der Welt, heisst es bei der verantwortlichen Architekturfirma HKS. Piloten und ihre Passagiere können das Geschehen im Stadion per Livestream aus der Luft verfolgen, die Stadionbesucher werden vermutlich fasziniert nach oben statt aufs Spielfeld schauen.

37000 Paneele - jede ein Einzelstück

Jedes der rund 37.000 Paneele ist ein Unikat. Die Verteilung der Löcher wurde mit Hilfe eines eigens entwickelten Algorithmus erstellt.
Jedes der rund 37.000 Paneele ist ein Unikat. Die Verteilung der Löcher wurde mit Hilfe eines eigens entwickelten Algorithmus erstellt.
(Bild: A. ZAHNER COMPANY)

Einzigartig sind jedoch nicht nur die ETFE-Fläche und die LEDs, sondern auch die rund 37000 Aluminium-Paneele, die das Dach einrahmen. Jedes Paneel ist ein Unikat – bei der Herstellung im Grunde ein Ding der Unmöglichkeit. Für die scheinbar willkürliche Verteilung der Löcher hatten die Architekten einen komplizierten Algorithmus eingesetzt, massgeblich waren für sie dabei vor allem Ästhetik und Lichteinfall. „Wir hätten ewig gebraucht und unzählige Programmierer einstellen müssen, um das zu produzieren“, sagte Ingenieur James Coleman, bei Zahner Vize-Chef für Innovation.

Von 15 Minuten auf 7 Sekunden

Stolz auf das SoFi Stadium, gespannt auf den Super Bowl - die Trumpf Kollegen Hans-Jörg Schmid (links) und Roman Schwarz (rechts) haben massgeblich zum Erfolg beigetragen.
Stolz auf das SoFi Stadium, gespannt auf den Super Bowl - die Trumpf Kollegen Hans-Jörg Schmid (links) und Roman Schwarz (rechts) haben massgeblich zum Erfolg beigetragen.
(Bild: Trumpf)

In seiner Not wandte sich Coleman an Trumpf. Gemeinsam mit den Trumpf Programmierern Hans-Jörg Schmid und Roman Schwarz vom Software Customization Team begann er, die Trumpf Software TruTops auf die Herausforderung anzupassen. Mit durchschlagendem Erfolg: „Ursprünglich hätten wir 15 Minuten für zwei Paneele gebraucht – schliesslich aber waren es sieben Sekunden. Ich konnte das gesamte Dach innerhalb weniger Wochen programmieren“, sagt Coleman.

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18 Monate Zwei-Schicht-Betrieb

Für das SoFi schnitt und stanzte A. Zahner auf drei TRUMPF Maschinen 37000 unterschiedliche Paneele mit rund 30 Millionen unregelmässig verteilten Löchern.
Für das SoFi schnitt und stanzte A. Zahner auf drei TRUMPF Maschinen 37000 unterschiedliche Paneele mit rund 30 Millionen unregelmässig verteilten Löchern.
(Bild: A. ZAHNER COMPANY)

Und dann ging es an die Produktion. Im Zwei-Schicht-Betrieb schnitten und stanzten drei Zahner-Mitarbeiter an drei Trumpf Maschinen – 18 Monate lang. „Wir waren sogar früher fertig als geplant!“, sagt Coleman. Anekdote am Rande: „Wir hatten bei 37000 Paneelen nur drei, die wir nochmal produzieren mussten. Aber nicht etwa, weil sie falsch waren! Vielmehr waren die Teile so klein, dass sie versehentlich mit den anderen Stanz-Resten im Recycling landeten.“

Produktion folgt Design

„Der Kunde war mehr als glücklich“, sagt James Coleman abschliessend. „Wir konnten den Architekten zeigen, was mit Blech möglich ist.“ Früher hätte das Unternehmen die Kreativen vermutlich bremsen müssen, indem es ihre Unikate in vielleicht 50 Designs zusammenfasst, um rechtzeitig fertig zu werden. „Heute ermöglichen wir den Architekten ihre Designs, anstatt sie zu zwingen, ihre Entwürfe einfacher zu gestalten.“ Ohne Trumpf, davon ist James Coleman überzeugt, wäre das im Fall des SoFi Stadiums jedoch nicht möglich gewesen. <<

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