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Interview mit Markus Weber «Dem Kunden eine optimale Lösung anbieten»

| Autor / Redakteur: Anne Richter / Anne Richter

Die BWB Werkzeugmaschinen AG feiert in diesem Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum. Geschäftsführer und Mitinhaber Markus Weber spricht im Exklusivinterview mit dem SMM über die Situation und die Aussichten am Werkplatz Schweiz, über strategische Ausrichtungen, Technologie­trends sowie die Partnerschaft mit Hurco und Takumi.

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«Für uns ist das gesamte Hurco-Portfolio eine perfekte Ergänzung. ... Ein grosser Vorteil von Hurco ist das europäische Zentrallager ... in den Niederlanden, wo alle Maschinen an Lager gehalten und auch kundenspezifisch konfektioniert werden.» Markus Weber, Geschäftsführer und Mitinhaber der BWB Werkzeugmaschinen AG.
«Für uns ist das gesamte Hurco-Portfolio eine perfekte Ergänzung. ... Ein grosser Vorteil von Hurco ist das europäische Zentrallager ... in den Niederlanden, wo alle Maschinen an Lager gehalten und auch kundenspezifisch konfektioniert werden.» Markus Weber, Geschäftsführer und Mitinhaber der BWB Werkzeugmaschinen AG.
(Bild: Anne Richter)

SMM: Die letzten Jahre sind für viele Schweizer Unternehmen nicht einfach gewesen. Wie hat die BWB diese Situation gemeistert?

Markus Weber: Wir haben mit dem Jahr 2015 einen Transformationsprozess eingeleitet und uns auch neu ausgerichtet. Wir versuchen, immer eine Gesamtlösung zu bieten und Partner dafür zu finden. Es geht uns um die Frage, wie wir dem Kunden den meisten Mehrwert bieten können. Dabei bedienen wir uns des Symbols eines Dreiecks. Das besteht auf der einen Seite aus den Lieferanten, welche mit ihren Produkten und Lösungen die Basis bilden. Andererseits sind es unsere Mitarbeiter und unser Know-how, welches wir uns über die Jahre erarbeitet haben. Die Mitarbeiter sind nah am Kunden und mit unserer flachen Hierarchie können wir schnell und flexibel reagieren. Der dritte Punkt ist der Kunde, welchem wir stets eine optimale Lösung anbieten wollen. In den letzten Jahren haben wir begonnen, unsere Kunden viel intensiver zu betreuen und zu beraten. Wir gehen auf jeden Kunden und dessen Anforderungen individuell ein. Während früher eher Standardmaschinen verkauft und angeboten wurden, ist heute fast nichts mehr Standard. Dafür haben wir ein breites Spektrum an Lösungen, die wir anbieten können. Da wir den Markt sehr gut kennen und auch unsere Partner sehr sorgfältig ausgewählt haben, können wir unseren Kunden schlussendlich eine optimale Lösung anbieten. Gleichzeitig haben wir auch intern unsere Abläufe verschlankt und mittels digitaler Prozesse effizienter gestaltet.

Was können die Kunden von Ihnen in diesem Jahr erwarten?

M. Weber: Wir beziehen Mitte Jahr unser eigenes, neues Gebäude in Dürnten im Zürcher Oberland. Im Oktober werden wir zu einer grossen Einweihungsfeier einladen und feiern dabei gleichzeitig unser zehnjähriges Jubiläum.

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Wie ist für die BWB das Jahr 2019 verlaufen?

M. Weber: Aus unserer Sicht war es grösstenteils zufriedenstellend. Wir hatten einen guten Auftragsbestand, den wir auch teilweise ins neue Jahr mitnehmen konnten. Allerdings haben wir auch gemerkt, dass vor allem im dritten und vierten Quartal der Markt zunehmend von Unsicherheiten geprägt war.

Was kann die BWB ihren Kunden anbieten, damit diese in der heutigen komplexen Zeit erfolgreich sein können?

M. Weber: Wir bieten bedarfsorientierte und flexible Lösungen, wir gehen auf jeden Kunden individuell ein und auf Grund von Anforderung und Gegebenheiten entwickeln wir eine passende Lösung. Wir können alles anbieten: Von der einfachen 2-Achs-Maschine bis hin zur automatisierten Fertigungszelle mit 5-Achs-Bearbeitungszentrum. Vor kurzem haben wir beispielsweise eine Maschine geliefert, die in eine bestehende Automatisierung integriert wurde. Dies leisten wir mit einem mittelgrossen, flexiblen und schlagkräftigen Team. Dabei hat der Kunde nur einen Ansprechpartner, der das ganze Projekt managt.

Welche Rolle spielt der Service in diesem Zusammenhang?

M. Weber: Maschinenverfügbarkeit ist für den Kunden ein zentraler Punkt. Wir als Partner haben die Ressourcen und die Flexibilität zur Verfügung zu stellen, damit unsere Kunden eine möglichst hohe Maschinenverfügbarkeit haben. Wir haben deshalb unsere Servicekapazität kontinuierlich ausgebaut. Bei Engpässen arbeiten wir auch mit Freelancern zusammen. Unser Anspruch ist es, wenn die Maschine steht, innerhalb von 24 Stunden vor Ort zu sein.

Was sind aus Ihrer Sicht Erfolgsfaktoren für Schweizer Fertigungsunternehmen?

M. Weber: Ein zentraler Erfolgsfaktor sind die Mitarbeiter. Die beste Maschine, der beste Roboter und die beste Infrastruktur sind nur so gut wie die Mitarbeiter. Wenn der Mitarbeiter diese Anlagen nicht bedienen kann, dann wird es schwierig. Daneben erlebe ich aber auch immer wieder mutige Unternehmer, die an eine Idee oder einen Trend am Markt glauben, entsprechend investieren und konsequent ihren Weg verfolgen und damit sehr erfolgreich sind. Und natürlich dürfen die Unternehmen nicht stehenbleiben, müssen sich immer weiterentwickeln. In der Phase der Hochkonjunktur ist das etwas untergegangen. Aber der Anspruch sollte sein, schon bevor die Krise kommt, notwendige Veränderungen anzugehen und in Verbesserungen zu investieren. Das ist eine der kritischen Herausforderungen für uns alle.

Wie sehen Sie hier Schweizer Unternehmen positioniert?

M. Weber: Ich sehe hier viele motivierte Unternehmen und Unternehmer in der Schweiz. Das ist sehr positiv. Im Vergleich zu Deutschland oder Italien sind Schweizer Fertigungsbetriebe extrem weit voraus, speziell in Bezug auf Prozesse, Liefertreue, Lean Management oder auch Qualitätssicherung. Die vorhandenen Marktgegebenheiten in der Schweiz sind einfach eine Herausforderung für die Unternehmen, die dafür eine Lösung finden müssen. Was wiederum auch eine Chance ist.

Per 1.1.2020 haben Sie neu die Vertretung von Hurco und Takumi übernommen. Was sind die Hintergründe für diesen Schritt?

M. Weber: BWB und Hurco sind in gewisser Weise keine unbekannten Partner, da die K.R. Pfiffner AG, aus welcher die BWB entstanden ist, schon einmal die Hurco-Vertretung hatte. Im letzten Jahr ist Hurco dann wieder auf uns zugekommen. Für uns ist das gesamte Hurco-Portfolio eine perfekte Ergänzung. Im Jahr 2015 hat Hurco übrigens die taiwanesische Marke Takumi übernommen, einen Hersteller von CNC-Hochgeschwindigkeits-Portalbearbeitungszentren (hauptsächlich für den Werkzeug- und Formenbau). Ein grosser Vorteil von Hurco ist das europäische Zentrallager für beide Marken in den Niederlanden, wo alle Maschinen an Lager gehalten und auch kundenspezifisch konfektioniert werden. Die Maschinen sind im Baukastensystem aufgebaut, woraus sie dann kundenspezifisch angepasst werden können.

Konkurrenzieren Sie damit nicht die anderen Produkte?

M. Weber: Hurco konkurrenziert bei uns kein Produkt. Obwohl sie teilweise ähnliche Produkte im Bereich Fräsen anbieten, unterscheiden sie sich in der Steuerung. Der grösste USP von Hurco ist die eigene Steuerung Winmax 5, die schnellste Steuerung auf dem Markt. Die Steuerung ist sehr bedienerfreundlich und die Programmierung ist extrem simpel. Dadurch können auch angelernte Mitarbeiter nach einer Schulung Hurco-Maschinen problemlos bedienen. Takumi-Maschinen mit Fokus Werkzeug- und Formenbau sind schwerpunktmässig mit Heidenhain-Steuerungen ausgestattet. Bei OKK und Biglia werden dagegen hauptsächlich Fanuc- oder Mitsubishi-Steuerungen eingebaut. Somit ergänzen sich die verschiedenen Marken perfekt.

Lässt das erweiterte Portfolio auf eine Wachstumsstrategie der BWB schliessen?

M. Weber: Wir verfolgen ganz klar eine Wachstumsstrategie, die wir mit neuen Produkten realisieren wollen. Wir sind offen für neue Segmente. Aber wir wollen kein Wachstum um jeden Preis. Es muss sich die richtige Gelegenheit ergeben, wie es jetzt mit Hurco passiert ist. Denn wir werden von unseren Kunden an den Marken Biglia und OKK gemessen, bei denen das Niveau sehr hoch ist. Produkte, die wir in unser Portfolio nehmen, müssen mindestens auf dem gleichen Level sein. Und zwar in Bezug auf alles: Performance, Qualität, Liefertreue, Ersatzteile, Service, Garantie usw.

Was erwarten Sie für 2020? Was sind die wichtigsten Trends?

M. Weber: Vom Jahr 2020 erwarten wir ein normales Geschäftsjahr, das aber sehr sprunghaft sein wird. Für uns bedeutet das, dass wir extrem flexibel sein müssen. Die Ansprüche unserer Kunden an die Flexibilität werden immer höher. Deshalb müssen auch wir kurzfristig reagieren können. Wir versuchen das abzudecken, indem wir Lagerbestände haben, um so auf kurzfristige Bedarfsfälle beim Kunden reagieren zu können und sie so bestmöglich unterstützen zu können. Flexibilität kann eine grosse Chance für den Werkplatz Schweiz sein. Wenn ein Fertigungsunternehmen entscheidet, innerhalb von drei Monaten eine Produktionsinfrastruktur aufzuziehen, um bestimmte Bauteile zu liefern, ist das eine Riesenchance. Vor allem wenn alles lückenlos funktioniert.

Was sind die Trends im technologischen Bereich?

M. Weber: Ich stelle fest, dass Technologien schon verbessert werden, aber mehr punktuell. Es geht in die Richtung, verschiedene Technologien auf einer Maschine zu verbauen, so dass mehrere Anwendungen auf einer Maschine durchgeführt werden können. Beispiele sind die Kombination von Drehen und Fräsen oder auch die Kombination mit Schleif­anwendungen. Wirkliche Verbesserungen sind vor allem in der Peripherie festzustellen. Beispielsweise ist sehr viel bei der Zuführung der Stangenlademagazine passiert und auch bei den Werkzeug- und Spannsystemen.

Automation wird auch für KMUs immer wichtiger. Wie ist hier die Position der BWB?

M. Weber: Ohne Automation geht es in der heutigen Zeit nicht mehr. Das ist so, aber nicht unbedingt in jedem Fall. Wenn ein Kunde keine Automation braucht, dann muss auch keine eingebaut werden. Wichtig ist eine genaue Analyse der Gegebenheiten beim Kunden und von dessen Ansprüchen und Anforderungen. Am Schluss muss immer eine Wirtschaftlichkeitsrechnung gemacht werden und die passende Lösung umgesetzt werden.

Was sind die besonderen Stärken der BWB?

M. Weber: Partnerschaft, Flexibilität und Lösungsorientiertheit. Und wir arbeiten nachhaltig. Ich suche kein kurzfristiges Geschäft. Wenn es nicht passt, dann sage ich lieber ein Geschäft ab. Wenn ich unsere Kunden befrage, warum sie bei uns kaufen, dann ist die Maschinenmarke ein Grund. Mit­entscheidend sind unsere Mitarbeiter, der Service und die partnerschaftliche Zusammenarbeit.

Vielen Dank für das Gespräch! SMM

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