Produktionsstandort DACH: Swissmechanic Der Werkplatz Schweiz setzt auf Innovation

Redakteur: Anne Richter

Dank Präzision, Qualität, Zuverlässigkeit, Fachkompetenz und Pünktlichkeit sind Schweizer Produkte aus der Metall-, Elektro- und Maschinenindustrie (MEM) weltweit gefragt. Durch Innovation kann die Konkurrenzfähigkeit zusätzlich gesteigert werden, um Herausforderungen wie Frankenstärke und Corona-Krise zu meistern. Wichtig ist aber auch, dass Wirtschaft und Branchenverbände einen guten Kontakt haben zu Behörden und Politik.

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Präzision und Qualität unter Zeitdruck - Auszubildende zeigten Spitzenleistungen an Drehmaschinen. Mathusanan Yogananthan gewann im Sommer 2021 das Finale des ersten GDW-Cups, das im Swissmechanic Ausbildungszentrum Lenzburg durchgeführt wurde.
Präzision und Qualität unter Zeitdruck - Auszubildende zeigten Spitzenleistungen an Drehmaschinen. Mathusanan Yogananthan gewann im Sommer 2021 das Finale des ersten GDW-Cups, das im Swissmechanic Ausbildungszentrum Lenzburg durchgeführt wurde.
(Bild: Swissmechanic)

Der starke Franken, der Kostendruck aus dem Ausland und die weltweite Corona-Krise belasten die Schweizer KMU der MEM-Branche. Sie müssen sich auf ihre speziellen Stärken und Kompetenzen besinnen. Präzision, Qualität, Zuverlässigkeit, Fachkompetenz und Pünktlichkeit sind Grundwerte, die Swissness ausmachen. Es ist wichtig, diese Stärken und Kompetenzen zu hegen und zu pflegen und sie weiterzuentwickeln, um die Position der KMU-MEM und des Werkplatzes Schweiz weiterhin auszubauen. Durch Innovation kann die Konkurrenzfähigkeit zusätzlich gesteigert werden.

Innovation dank Partnerschaften

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) haben meistens nicht die Ressourcen, eine eigene Innovationsmanagement-Abteilung zu betreiben. Sie brauchen Partner. Neben Hochschulen und Forschungsinstituten kommen dafür auch andere Firmen in Frage, weshalb der Vernetzung unter KMU-MEM immer grös­sere Bedeutung zukommt. Es gilt, in Wertschöpfungsketten zu denken und diese dann mit den benötigten Kompetenzen zu ergänzen. Das hat auch den Vorteil, dass eine neutrale Sicht von aussen einfliesst und so eine gewisse Betriebsblindheit vermieden wird. Es gibt aktuell in fast allen Regionen der Schweiz Bestrebungen, Wissenschaft, Bildung, Wirtschaft und Unternehmer auf Plattformen zusammenzubringen. Beispiele sind der Switzerland Innovation Park Biel/Bienne (SIPBB), der geplante Innovationspark Ost im Kanton St. Gallen oder der Verbund von Schweizer Technologietransferzentren – den sogenannten «Advanced Manufacturing Technologie Transfer Centers». Diese Initiative will Infrastrukturen in der Schweiz aufbauen, die dabei helfen, Technologien, die im Labor entwickelt wurden, schneller industrietauglich zu machen. Ein weiteres Beispiel ist die Swiss Factory Group – ein Zusammenschluss von innovativen KMU mit komplementären Fertigungstechnologien. In Grenchen entsteht der neue Campus Technik, an dem die Swissmechanic-Sektion Solothurn beteiligt ist. Er soll Mitte 2023 eröffnet werden. Im Wallis gibt es schon seit Jahren Bestrebungen, den Standort für die Wirtschaft attraktiver zu gestalten. Die Stiftung The Ark unterstützt die Gründung und Entwicklung von Start-ups und das Wachstum der Walliser Unternehmen im Bereich der Informations- und Kommunikationswissenschaften sowie der Energie-, der Bio- und der Umweltwissenschaften. Die Stiftung bietet Forschern und Unternehmern an sechs Standorten des Walliser Technologieparks zwischen Visp und Monthey Dienstleistungen unter den Schlagwörtern Inkubator, Accelerator und Innovation an.

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Die Mitgliedsunternehmen von Swissmechanic, dem Schweizer Arbeitgeberverband der KMU der MEM-Branche, sind miteinander und oft auch mit Forschungsinstituten und Hochschulen vernetzt. Einige sind zusätzlich auf den erwähnten Plattformen aktiv. Oft entstehen Innovationen auch im Austausch mit Kunden, die eine Idee an ein KMU herantragen. Dann wird gemeinsam getüftelt und entwickelt, bis der Wunsch des Kunden umgesetzt ist. Es gibt einige Fälle, in denen ganze Produktionsstrassen neu gebaut wurden, um für einen Kunden ein exklusives Produkt herzustellen. Eine weitere Innovationsquelle ist, wenn ein KMU ursprünglich Komponenten oder Maschinen benutzt, die nicht ganz seinen Ansprüchen entsprechen, deshalb ein eigenes Produkt oder eine eigene Maschine entwickelt, das/die es dann auch der eigenen Kundschaft zur Verfügung stellt oder verkauft. Die Zusammenarbeit mit den Hochschulen, die über Innosuisse vom Bund unterstützt wird, hat einen grossen Nutzen. Es sollten aber aus Sicht von Swissmechanic auch kooperierende Unternehmen, die Innovation vorantreiben, finanziell unterstützt werden.

Berufsbildung als Innovationsfaktor

Für die Zukunft des Werkplatzes Schweiz spielt auch die Grund- und Weiterbildung eine grosse Rolle. Ohne kompetente Fachkräfte stehen die modernsten Maschinen still. Die Grundbildung muss die Jugendlichen auf die aktuelle Arbeitswelt vorbereiten und darf dabei niemals stehen bleiben, sondern muss die steten technischen Fortschritte einbeziehen. Das berücksichtigt die unter dem Projektnamen «Futuremem» aktuell laufende Berufsreform der acht MEM-Berufe. Der Start der neuen Berufslehren ist schweizweit einheitlich für das Jahr 2024 vorgesehen. Dass das duale Bildungssystem der Schweiz ein hohes Niveau aufweist, zeigen die zahlreichen Medaillen, die junge Schweizer Berufsleute regelmässig von den Berufsweltmeisterschaften, den WorldSkills, mit nach Hause nehmen – insbesondere auch Berufsathleten aus MEM-Berufen. An den letzten WorldSkills in Kazan gewann ein junger Elektroniker die Goldmedaille, ein junger Polymechaniker in der Disziplin Drehen die Silbermedaille und zwei junge Automatiker die Bronzemedaille. Medaillenmässig platzierte sich die Schweiz hinter China, Russland und Korea auf dem vierten Platz vor zahlreichen grösseren Nationen. Das Lernen ist mit dem Lehrabschluss nicht vorbei. Lebenslanges Lernen ist heute selbstverständlich. Gute und kompetente Mitarbeitende sind das A und O eines KMU, und wenn diese sich an einer Weiterbildung / einem Studium mit Dozenten und vor allem mit anderen Studenten austauschen, kommen automatisch neue Ideen in ein KMU, und alte Strukturen werden hinterfragt. Ein Produktionstechniker-Diplomand zum Beispiel bringt seinem Arbeitgeber unentgeltlich neue Geschäftsmodelle oder Teile davon mit, indem er seine Diplomarbeit im Betrieb umsetzt. Eine Win-win-Situation.

Fortschritt durch Digitalisierung

Auch die Digitalisierung ist ein wichtiger Erfolgsfaktor, der durch die Corona-Pandemie beschleunigt wurde. Es wird nur noch selten von Hand gefräst oder gedreht. CAD und CNC gehören heute zur Grundausstattung der Schweizer KMU-MEM, ein Drittel der Arbeit einer Polymechanikerin / eines Polymechanikers findet am Computer statt. Eine Effizienzsteigerung durch Automation und Produktion rund um die Uhr ist in vielen Betrieben bereits umgesetzt, die Vernetzung von räumlich verteilten Produktionskapazitäten und den dazugehörigen Planungs- und Steuerungssystemen in Planung. In den Produktionshallen halten bereits Tablets Einzug, Augmented Reality eröffnet neue Möglichkeiten im Bereich Schulung und Ausbildung, und Smart Factories ermöglichen es, mit dem Industrial Internet of Things Erfahrungen zu sammeln. Die künstliche Intelligenz, an der aktuell an verschiedenen Schweizer Institutionen geforscht wird, wird weitere grosse Fortschritte mit sich bringen.

Die Schweiz ist wirtschaftlich erstaunlich gut durch die Corona-Krise gekommen. Dieser Schluss lässt sich einem internationalen Vergleich entnehmen, den das Staatssekretariat für Wirtschaft zusammengestellt hat. Zum einen konnte dieses Resultat erreicht werden dank dem Engagement der Unternehmen. Sie haben während der Krise Durchhaltevermögen, Flexibilität und Innovationsfähigkeit bewiesen und es geschafft, die Talsohle zu durchschreiten. Zum anderen haben die staatlichen Unterstützungsmassnahmen mitgeholfen, die Wirtschaft zu stabilisieren, Arbeitsplätze zu erhalten und einen Know-how-Verlust zu verhindern. Die Nothilfemassnahmen wie etwa die Ausweitung und Vereinfachung der Kurzarbeit, die Überbrückungskredite und die Härtefallregelungen waren sehr wichtig, um den Werkplatz Schweiz während der Krise zu sichern. Dabei kam der kleinen Schweiz zugute, dass Wirtschaft und Branchenverbände einen guten Kontakt haben zu Behörden und Politik. Der Grundsatz «In Krisen Köpfe kennen» ist ein grosser Vorteil, um schwierige Situationen zu bewältigen. Es gilt, diesem Standortvorteil Sorge zu tragen.

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