Verein Deutscher Werkzeugmaschinen Deutscher Werkzeugmaschinenbau bleibt optimistisch

Redakteur: Jürgen Schreier

Nach zwei starken Wachstumsjahren sind die deutschen Hersteller von Werkzeugmaschinen auch für 2013 guter Dinge. Gerechnet wird mit einem Produktionszuwachs von 1 % – ein allerdings moderater Wert nach dem Plus von 9 % im Jahr 2012.

Firma zum Thema

(Bild: VDW)

„Damit wird die Branche ihre Bestmarke aus dem Jahr 2008 wieder erreichen“, berichtet Martin Kapp, Vorsitzender des VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken), anlässlich der Jahrespressekonferenz des Verbands in Frankfurt am Main. Das vergangene Jahr lief, wie der VDW-Vorsitzende erläuterte, "besser als erwartet". Die gute Ausgangslage mit vollen Auftragsbüchern bei hoher Kapazitätsauslastung habe die Produktion über 2012 hinweg getragen, so Kapp. Mit einem Zuwachs von 9 Prozent erwirtschaftete die Branche ein Produktionsvolumen von 14,1 Mrd. Euro.

Deutsche Werkzeugmaschinenexporte erreichen Rekordwert

Noch besser schnitt die Werkzeugmaschinenbranche im Exportgeschäft ab. Die Werkzeugmaschinenexporte erreichten mit einem Anstieg um 20 % auf 9,5 Mrd. Euro den höchsten Wert, der je gemessen wurde.

Bildergalerie

Größter Einzelmarkt ist nach wie vor China. Mit einem Volumen von etwa 2,4 Mrd. Euro und einem Zuwachs von 14 % im vergangenen Jahr hat der chinesische Markt mehr als doppelt so viele deutsche Maschinen aufgenommen wie der zweitstärkste Markt, die USA. Auch die US-Industrie setzt bei der Modernisierung der Produktion auf deutsche Werkzeugmaschinen. Die Exporte lagen bis November 2012 gut ein Drittel über denen von 2008. Sogar im krisengeplagten Spanien wurden 2012 mehr deutsche Werkzeugmaschinen verkauft als im Vorjahr, wenn auch ausgehend von niedrigem Niveau.

Binnenmarkt trat 2012 auf der Stelle

Dagegen taktierte der deutsche Mittelstand im Berichtsjahr 2012 in puncto Investitionen eher vorsichtig, weshalb der Binnenmarkt weitgehend auf der Stelle trat. Mit 6,8 Mrd. Euro notierte er noch ein gutes Stück unter dem Vorkrisenniveau.

Die Kapazitätsauslastung lag mit 92,4 % im Januar 2013 nur wenig unter dem Durchschnitt des Vorjahres. Bis Oktober 2012 wurde der Auftragsbestand auf 8,3 Monate abgebaut, knapp ein Monat weniger als im Durchschnitt des Vorjahres.

Der Auftragseingang ist 2012 ausgehend vom Bestellrekord des Jahres 2013 um ein Zehntel gesunken. Gestützt wurde die Nachfrage durch Bestellungen aus Europa und den USA sowie durch die Umformtechnik. Der größte Block dieses Marktsegments ist Pressentechnologie für die deutsche und internationale Automobilindustrie. Durch den hohen Anteil des konjunkturunabhängigeren Projektgeschäfts sind die zyklischen Ausschläge hier geringer.

Deutscher Werkzeugmaschinenbau: Klarer Gewinner im internationalen Wettbewerb

Mit ihrem Produktionsergebnis war die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie 2012 unter den großen Wettbewerbern eindeutig der Gewinner. Wechselkurseffekte ausgeschlossen, ist die chinesische Produktion geschrumpft; die Japaner traten auf der Stelle. Die US-Werkzeugmaschinenproduktion konnte aufgrund des dynamischen Inlandsmarktes zwar zulegen, blieb mit einem Plus von 7 % aber hinter dem Wettbewerber Deutschland zurück. Auch die europäische Werkzeugmaschinenindustrie wuchs insgesamt nur halb so stark wie die Branche in Deutschland. Im Export rückten die deutschen Anbieter wieder näher an Japan heran.

Optimismus für 2013

Für 2013 erwartet der VDW-Prognosepartner Oxford Economics, dass Industrieproduktion und Anlageinvestitionen weltweit wieder etwas stärker zulegen. Das trifft in allererster Linie für Asien und Amerika zu, weniger für Europa.

Weltwirtschaftliches Umfeld bietet 2013 Rückenwind

Für die Werkzeugmaschinenindustrie in Deutschland leiten sich daraus stabile Bestellungen ab. Der Antrieb sollte vor allem wieder aus Asien kommen. Aktuell zeigen Frühindikatoren in China, das zuletzt 30 % weniger geordert hatte, wieder nach oben. Der Einkaufsmanagerindex ist gegenüber seinem Tiefpunkt im August 2012 im Januar 2013 auf mehr als 52 Punkte gestiegen. Auch die Industrieproduktion wächst wieder zweistellig.

„Alles in allem bietet das weltwirtschaftliche Umfeld 2013 Rückenwind. Frühindikatoren wie der weltweite Einkaufsmanagerindex und das Ifo-Geschäftsklima für die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie weisen seit einigen Monaten nach oben“, ist Martin Kapp zuversichtlich.

Im Inlandsmarkt hingegen bleibe die Nachfrage verhalten. Diskussionen um Steuererhöhungen, die schlingernde Energiewende und hohe Energiepreise, die weiterhin schwelende Unsicherheit im Eurobereich mit Unwägbarkeiten auf etlichen Märkten verunsicherten inländische Investoren, so der VDW-Vorsitzende.

Auslandsproduktion deutscher Werkzeugmaschinenhersteller nimmt zu

Fast zwei Fünftel der Weltwerkzeugmaschinenproduktion von rund 66 Mrd. Euro wurden im vergangenen Jahr allein in chinesischen Fabriken installiert. Trotz des vorübergehend langsameren Marktwachstums bleibt der Bedarf an Werkzeugmaschinen in Asien auch künftig immens, während die traditionellen Märkte Westeuropas mit dieser Dynamik nicht mehr mithalten können.

Deutsche Werkzeugmaschinenanbieter stehen vor der Herausforderung, ihre Vertriebs- und Produktionsstrukturen darauf auszurichten. Nach einer aktuellen VDW-Umfrage wuchs die Fertigung deutscher Anbieter in ausländischen Produktionsniederlassungen 2011 um fast 60 % auf rund 1,7 Mrd. Euro.

VDW fordert engeren Schulterschluss

„Dabei müssen nicht alle alles machen“, ist Martin Kapp überzeugt. Er wirbt dafür, dass die deutschen Werkzeugmaschinenanbieter enger zusammenarbeiten. Damit könne die Branche noch schlagkräftiger werden. Kooperationen müssten nicht immer mit finanziellen Verflechtungen einhergehen. Vielmehr könnten beispielsweise Service- und Ersatzteillagerhaltung in entfernten Märkten gemeinsam organisiert werden.

(ID:38181690)