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Geschichte der Uhrmacherei in der Schweiz Die Präzision eines Schweizer Uhrwerks

| Autor / Redakteur: Anne Richter / Anne Richter

Schweizer Uhren haben in der Welt ein hohes Renommee und sind Glanzstücke der Schweizer Wirtschaft. Sie stehen für typische Schweizer Werte wie Präzision und Zuverlässigkeit. Das hat viele Gründe, die auch in der Geschichte liegen. Eine Marke ist dabei das Mass der Dinge.

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Der Perpetual-Rotor ist heute Herzstück jeder modernen mechanischen Uhr mit Selbstaufzug.
Der Perpetual-Rotor ist heute Herzstück jeder modernen mechanischen Uhr mit Selbstaufzug.
(Bild: Rolex)

Es gibt nur wenige Schweizer Exportprodukte, die so sehr für Schweizer Werte wie Präzision und Zuverlässigkeit stehen wie Schweizer Uhren. Sogar in sprichwörtlichen Redewendungen sind diese Qualitäten eingegangen. Etwas, das «präzise wie ein Schweizer Uhrwerk» funktioniert, funktioniert nach landläufiger Auffassung einfach perfekt. Ein Zahn greift in den nächsten Zahn, kein Stocken und Stolpern. Ein perfekter, reibungsloser Ablauf ist garantiert. Das präzise Uhrwerk ist die Voraussetzung von pünktlichen Uhren. «Pünktlich wie eine Schweizer Uhr» zu sein, steht für die perfekte Pünktlichkeit. Dieser Ruf eilt den Uhren Schweizer Fabrikation weltweit voraus.

Die Ursprünge der Uhrmacherei in Genf

Das Tragen von Schmuck sei etwas Frevelhaftes, fand der Reformator Johannes Calvin zu seiner Zeit Mitte des 16. Jahrhunderts in Genf und verbot das Tragen von Schmuck. Bussen gab es auch für diejenigen, die zu spät zum Gottesdienst kamen. Pünktlichkeit war angesagt. Die Genfer Goldschmiede und Juweliere sahen deshalb ihre Zukunft in der Uhrmacherei. Zur gleichen Zeit kamen viele Hugenotten, protestantische Glaubensflüchtlinge aus Frankreich, nach Genf und brachten ein grosses Fachwissen über die Herstellung tragbarer Uhren mit. In dieser fruchtbaren Gemengelage stieg Genf zum Zentrum der Zeitmessung auf. In ihrer Blütezeit wurden Genfer Uhren bis in den Orient und die amerikanischen Kolonien exportiert.

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Ungefähr hundert Jahre später liessen sich Uhrmacher in allen Teilen der Schweiz nieder, in Basel, im Tessin oder auch in Graubünden. Nach und nach spezialisierten sich die Uhrmacher, auch Pendeluhren aus Holz und Eisen wurden hergestellt. Die Uhrmacher in Genf und im Jurabogen konzentrierten sich ganz auf die Herstellung von tragbaren Kleinuhren. Auch innerhalb des Berufsstandes gab es Spezialisierungen. Es entstanden der Beruf des Graveurs und des Gehäusemachers. Und immer weitere Spezialisierungen kamen hinzu. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden teilweise über 50 verschiedene Uhrmacherberufe gezählt.

Die erste zertifizierte Armbanduhr

Einen grossen Einschnitt hinterliess die Industrialisierung. Die Schweizer Uhrenindustrie war daher gezwungen, von der Handarbeit zur industriellen Produktion überzugehen. In diese Zeit fällt auch die Gründung der wohl weltweit berühmtesten Uhrenmarke – Rolex. Kaum eine andere Schweizer Uhrenmarke symbolisiert so sehr die sprichwörtliche Präzision eines Schweizer Uhrwerks wie die Marke Rolex. Die Marke gilt weltweit als das Sinnbild einer Schweizer Uhr, auch bei Menschen, die keine ausgewiesenen Uhrenkenner sind. Dieser Weltruhm kommt nicht von ungefähr, denn viele Erfindungen, die eine moderne mechanische Armbanduhr ausmachen, stammen aus dem Hause Rolex.

Doch die Ursprünge der Marke liegen nicht hundertprozentig in der Schweiz, wie bei so vielen anderen renommierten Schweizer Uhrenmarken. Im Jahre 1905 wurde Rolex in London gegründet, damals noch als Uhrengrosshandel Wilsdorf & Davis, der Schweizer Uhren der Bieler Uhrenfirma Aegler SA nach Grossbritannien importierte. Auch die Gründer Hans Wilsdorf und James Davis waren keine Schweizer. Hans Wilsdorf wurde in Kulmbach in Oberfranken geboren, kam aber im Alter von 19 Jahren nach La Chaux-de-Fonds und dort mit der Uhrenindustrie in Berührung.

Wilsdorf hatte den Pioniergeist eines Gründers und besondere Visionen. Er träumte von einer Uhr, die am Handgelenk getragen werden konnte. Zu dieser Zeit trugen Männer grosse Taschenuhren, die an einer Kette befestigt waren. Schicke Armbanduhren gab es nur für die Damen, doch diese waren nicht genau. Damals war man nicht in der Lage, exakt gehende Uhrwerke in solch kleiner Grös­se zu bauen. Doch Wilsdorf lässt sich nicht beirren und hat mit Aegler einen Partner, der es schaffte, präzise Uhrwerke in entsprechend kleinem Format zu fertigen. Im Jahr 1908 wurde der Markenname Rolex offiziell registriert und schon 1910 erhielt Rolex die erste Auszeichnung. Eine Rolex-Armbanduhr erhielt von der schweizerischen Prüfinstanz für Uhrgangkontrollen in Biel das weltweit erste offizielle Chronometerzertifikat für Armbanduhren. Damit war eine Armbanduhr erstmals ebenso genau wie eine Taschenuhr. Im Jahr 1914 bekam eine Rolex-Armbanduhr vom britischen Kew-Observatorium, der damals höchsten Instanz für chronometrische Präzision, einen Präzisionsgangschein der «Klasse A» verliehen.

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