Reportage

Doosan: Starke koreanische Werkzeugmaschinen

| Redakteur: Matthias Böhm

Erfahrungen von Schweizer Unternehmern mit Doosan-WZM

Wie oben bereits angedeutet, gaben die drei mitgereisten Unternehmen gegenüber dem SMM Auskunft über ihre bisherigen Erfahrungen mit den Doosan-Maschinen.

Birol Sevic: SEV Mechanik GmbH

Birol Sevic (Inhaber der SEV Mechanik GmbH) gibt folgendes Statement ab: «Wir haben vor einigen Monaten in eine Doosan TT1800SY für die Dreh-Fräsbearbeitung investiert. Hierbei handelt es sich um einen Doppelspindler inklusive Doppelrevolver mit Y-Achse und LNS-Stangenlader. Bis zu einem Durchmesser von 65 mm wird ab Stange beladen, darüber bis max. 250 mm als Futterteil. Wir sind im Vorfeld der Investition bei einem Kunden gewesen, der uns seine Erfahrungen und sein Werkstückspektrum präsentierte. Sowohl der Aufbau der Maschine als auch die Zugänglichkeit haben uns sofort überzeugt. Ein entscheidender Grund, dass wir uns für die Doosan entschieden haben, waren klar die technologischen Aspekte.

Sowohl unsere Nähe zu Reimmann als auch der gute Ruf, den der Service der Doosan-Maschinen geniesst, sind ebenfalls positiv zu vermerken. Wir haben den Entscheid sehr gut abgewogen, aufgrund unserer guten Informationslage waren wir uns sicher, dass wir mit der Doosan kein Risiko eingehen.

Meine bisherigen Erfahrungen mit der Maschine bestätigen das. Wir bewegen uns am Werkstück problemlos im 1/100-Bereich. Auch seitens der Prozesssicherheit macht sie einen guten Eindruck, 4000 Aluminium-Teile ab Stange können wir 78 Stunden durchlaufen lassen. Auch die Doppelrevolver-Konstruktion ist gut durchdacht. Sie kommen sehr gut aneinander vorbei. Die Auslegung der Maschine ist äusserst robust, das merkt man wenn man ins Volle geht, da treten kaum Geräusche auf. Hier setzen die Koreaner klar auf Masse mit ihrem schweren Gussbett. Wir hatten bisher erst einen Servicefall, der schnell behoben wurde. Auch aufgrund meines Besuchs bei Doosan muss ich sagen: Die machen einen ausgezeichneten WZM-Bau. Sie lassen sich zwar nicht so in die Karten schauen, aber man konnte doch einen guten Eindruck von ihrer sehr hohen Fertigungstiefe gewinnen.

Statement der Wolfensberger AG

René Keller, Leiter CNC-Fertigung der Wolfensberger AG, verfügt über langjährige Erfahrungen (seit 2007) mit Doosan-Vertikaldrehmaschinen: «Wir haben zwei Puma V 850T sowie eine Puma V 400-2SP im Einsatz, dabei handelt es sich um grössere Twin-Vertikaldrehmaschinen. Vom Aufbau her sind die Doosan V 850T sowie die Puma V 400-2 SP identisch, nur in der Grösse unterscheiden sie sich. Die Twins bestehen immer aus zwei gleichen Maschinen, die mit einer Steuerung betrieben werden. Auf der ersten Maschine wird die Vorderseite der Werkstücke bearbeitet, anschliessend wird die Rückseite auf der zweiten Spindel respektive Maschine bearbeitet. So haben wir eine ausgezeichnete Auslastung der Maschine.

Wir bearbeiten auf den Maschinen verschiedene, grössere Futterteile in Lohnarbeit. Meistens handelt es sich um schwierig zu bearbeitenden hitzebeständigen, rostfreien Stahlguss. Die Qualitätsanforderungen seitens unserer Kunden sind gross. Demensprechend hoch sind unsere Anforderungen an die Doosan-WZM. Die Toleranzfelder liegen im 100stel-Bereich, die wir trotz der grossen Werkstücke problemlos und prozesssicher einhalten können.

Bisher traten wenige Störungen auf. Wenn etwas ist, dann ist der Service von Reimmann ausgezeichnet. Die Servicemitarbeiter verfügen über eine sehr hohe Kompetenz. Zu den Twin-Maschinen gab es im Markt praktisch keine Alternative, Doosan war einer der wenigen Hersteller, der uns eine solche Lösung bieten konnte. Wegen der guten Erfahrungen mit unserer ersten Doosan im Jahr 2007 haben wir 2013 in eine zweite Twin-Vertikaldrehmaschine investiert. Mein bisheriger guter Eindruck von den Doosan-Maschinen hat sich hier vor Ort in Korea bestätigt. Sie verfügen über eine bemerkenswerte Fertigungstiefe. Die Vielfalt der WZM von Doosan ist eindrücklich.

Thai Dung Tran – Statement der Kyburz Drehteile AG

Der dritte Vertreter, Thai Dung Tran (Kaufmännischer Direktor, Kyburz AG), ist der erste Schweizer Unternehmer, der in eine Doosan-Langdrehmaschine investiert hat: «Wir verfügen seit Ende 2013 über einen Langdreher ST20G, bisher lief die Maschine einwandfrei. Speziell fanden wir, dass gewisse Umbauten von Reimmann realisiert wurden und nicht direkt ab Werk, wie etwa der KSS-Anschluss der Gegenspindel.

Unsere Erfahrungen mit der ST20G sind ausgezeichnet. Das Einrichten geht einwandfrei. Die Maschine ist sehr gut zugänglich, da sie grossräumig gebaut ist.

Dass wir beim Langdrehen auf Doosan gestossen sind, ist dem Zufall zu verdanken. Mir, und ich denke, da bin ich nicht der einzige, war zuvor gar nicht bekannt, dass Doosan über Langdreher verfügt. Insofern musste Reimmann einiges an Überzeugungsarbeit leisten. Das haben sie gut gemacht und wir waren das erste Schweizer Unternehmen mit einem koreanischen Langdreher. Das Zubehör ist gegenüber der Konkurrenz relativ kostengünstig. Bei einem angetriebenen Werkzeughalter reden wir von bis zu einem Viertel des Preises gegenüber den Mitbewerbern. Noch dazu sind die angetriebenen Werkzeuge massiv stärker ausgelegt als bei vergleichbaren Maschinen.

Der stabile Aufbau bestätigt sich bei Rostfrei-Stahl-Bearbeitung. Sie verhält sich ausgezeichnet und ist sehr präzis. Gegenüber unseren bisher eingesetzten Maschinen verfügt sie über eine enorme Steifigkeit. Das merkt man schon allein am Gewicht – bis zu 1,5 Tonnen schwerer als vergleichbare Drehmaschinen. Deshalb kann man relativ gut massiv zerspanen. Wegen der Masse ist sie nicht ganz so schnell, aber meistens relativiert sich das wieder.

Von der Präzision her bringt sie 6 bis 8 Mikrometer am Werkstück. Das macht sie ‹rund um die Uhr› prozesssicher. Etwas speziell für uns ist das Programmieren: Für Haupt- und Gegenspindel gibt es zwei separate Programme. Dadurch ist die Gegenspindel unabhängig, was zu höherer Effizienz führt. Unser zweiter Langdreher ST32G kommt im Frühsommer.»

Strategische Option: Europäischer Doosan-Produktions-Standort

Wie sich schliesslich auch aufgrund der drei Erfahrungsberichte zeigt, macht Doosan seine Sache sehr ordentlich. Das Maschinenspektrum ist sehr breit. Von der Einstiegsmaschine über die ‹Swiss-Turn› bis zum 5-Achs-Simutan-BAZ mit Linearantrieb ist alles im Programm zu finden. Vor allem aber verstehen es die koreanischen WZM-Bauer, eine qualitativ hochstehende Technologie anzubieten. Und auf die Frage des SMM, ob die koreanischen WZM in Zukunft auch in Europa gefertigt werden könnten, antwortet Henry Kim, CEO Doosan Infracore Deutschland: «Als international agierendes Unternehmen müssen wir solche Möglichkeiten natürlich durchdenken. Europa ist ein wichtiger Markt für uns und verfügt über ausgezeichnetes qualifiziertes Personal. Ein europäischer Doosan-Produktions-Standort ist sicher eine strategische Option.» <<

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