Rückblick: Berufe in der Industrie

Drei Schweizer Mechaniker und ihre Lebenserinnerungen

| Autor / Redakteur: Fabian Brändle / Sergio Caré

«Mechanicus», der Erfinder

Christian Schenk (1779–1834) – Emmentaler Bauernsohn und Autodidakt

Christian Schenk kam zehn Jahre vor dem grundstürzenden Ereignis der Französischen Revolution im Jahre 1779 im Emmental als Sohn eines Bauern und Webers zur Welt. Die «alte Ständeordnung» wird gemeinhin als «Ancien Régime» bezeichnet und wies jedem Menschen per Geburt seine gesellschaftliche Stellung zu. Die Eltern Schenks wollten den Knaben denn auch zum Bauern erziehen, aber der Sohn hatte schon früh einen «ausserordentlichen Hang zu Erlernung einer Profession», wie er selber schrieb. Schon als Knabe zeigte er sich erfinderisch und experimentierfreudig, indem er Hölzer und Kräuter aus der Umgebung sammelte, um daraus Farben herzustellen. Damit verdiente er sein erstes Geld, sehr zum Verdruss des «schollentreuen» Vaters. Schenks Neugierde war endgültig geweckt, als er eine moderne Maschine, einen «Drechslerstuhl», erblickte. Er drechselte bald selbst, Dinge für den täglichen Gebrauch: wie Hosenknöpfe, Kugeln und Steinfässer. Mit dem verdienten Geld liess er sich einen besseren «Drechslerstuhl» samt Eisenwerk anfertigen. Schenk investierte also in Innovationen. Er konnte nun beispielsweise Spinnräder flicken und machte sich unentbehrlich für die vielen Weber, die in monotoner und krisenanfälliger Hausarbeit Textilien anfertigten. In Bern arbeitete der ungemein talentierte Schenk als Büchsenmacher und er las gern wissenschaftliche Bücher: «Ich bekam nun ein Buch in meine Hände, welches von der Elektrizität handelte und Kupfer hatte. Ich machte mir diese Gelegenheit zu Nutze und entschloss mich, eine Elektrisiermaschine zu verfertigen, die ich auch glücklich zu Stand brachte. Mit dieser Maschine erschreckte ich die Bauern so sehr, dass sie glaubten, ich sei ein Hexenmeister.» Auf Reisen nach Glarus und 1818 nach Paris sammelte Schenk als Autodidakt weiter mechanische Kenntnisse, indem er Maschinen, Fabriken, Optiker, Mühlwerke oder Sägen genau inspizierte. Die Grenze zur «Industriespionage» war dabei fliessend. In Paris bildete er sich durch Anschauung systematisch weiter: «Erst sah ich recht ein, dass man nichts ist, wenn man von Anderen nichts lernen will. Jeder Arbeiter und auch Gelehrter sollte nicht unterlassen, diese angebrachten Kunstwerke anzusehen, um dadurch seine Kenntnisse und seinen Verstand zu bereichern, dieses würde gute Früchte bringen», notierte Schenk in sein Tagebuch der Reise nach Paris.

Mit 20 Jahren baute er sich eine Schmiede samt Werkstatt. Er wies seine Brüder ein, die zu gut qualifizierten Arbeitern wurden. Schenk expandierte, nach Bern und Worblaufen. In seinen Werkstätten produzierten bis zu 70 Gesellen Feuerspritzen, Sämaschinen, Zwirnmühlen und Präzisionsgewehre. Schenk als «Mechanicus», konstruierte in Zusammenarbeit mit der Berner Akademie astronomische Instrumente und Theodoliten. 1816 gelang ihm sogar die Konstruktion der ersten schweizerischen Dampfmaschine. Sein Erfindergenie würdigten mehrere schweizerische und ausländische wissenschaftliche Gesellschaften mit der ehrenhaften Gewährung von Mitgliedschaften. Die Firma blieb über fünf Generationen bis zum Verkauf 1979 in der Familie und fertigte unter anderem Motorspritzen, Autodrehleitern und Gasschutzgeräte an.

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