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Produktion in Zeiten der Pandemie Flexibilität durch einfache Roboterprogrammierung

| Autor / Redakteur: Martin Naumann / Silvano Böni

Zu den Hauptschwierigkeiten bei der Einführung von Robotern in Betrieben zählen hohe Anschaffungskosten, der Installationsaufwand und fehlendes Know-how des Personals. Aber was wäre, wenn Roboter flexibel für verschiedene Anwendungen einsetzbar und keine Entwicklerkenntnisse für die Programmierung notwendig wären? Mit der Software des Stuttgarter Unternehmens Drag&Bot ist genau das möglich.

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Mit der Drag&Bot-Software, die Industrieroboter in wenigen Minuten für andere Aufgaben programmiert, können Unternehmen bestens auf veränderte Situationen reagieren und so ihre Kapazitäten und finanziellen Ressourcen bestmöglich einsetzen.
Mit der Drag&Bot-Software, die Industrieroboter in wenigen Minuten für andere Aufgaben programmiert, können Unternehmen bestens auf veränderte Situationen reagieren und so ihre Kapazitäten und finanziellen Ressourcen bestmöglich einsetzen.
(Bild: Drag&Bot)

Viele Angestellte in der Schweiz gehen davon aus, dass sie durch den Einsatz von Robotern profitieren. Nämlich, dass Roboter in Zukunft Routinearbeiten übernehmen könnten. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen scheuen trotzdem oft noch den Einsatz von Robotern – aufgrund der Kosten und der vermeintlich fehlenden Flexibilität. Denn wenn man an Roboter und deren Tätigkeiten denkt, tauchen bei vielen Bilder von Massenproduktion und immer gleich bleibenden Abläufen auf. Dass sich in den letzten Jahren viel getan hat, Roboter durch einfachste Programmierung flexibel und auch ohne tiefgründige Programmierkenntnisse steuerbar sind, wissen viele nicht. Mit einer Software, die Industrieroboter in wenigen Minuten für andere Aufgaben programmiert, können Unternehmen bestens auf veränderte Situationen reagieren und so ihre Kapazitäten und finanziellen Ressourcen bestmöglich einsetzen. Genau solch eine Software hat die Drag&Bot GmbH, ein Spin-off des Fraunhofer IPA in Stuttgart, entwickelt. Häufig wird die Software für die Programmierung von Industrierobotern in der Produktion eingesetzt, typische Abläufe sind das Be- und Entladen von Maschinen, Pick&Place, Schrauben sowie die Montage von Bauteilen.

Industrieroboter wie ein Smartphone bedienen

Ein wichtiger Punkt, der zu Beginn von Automatisierungsprozessen nicht vergessen werden darf: Die Akzeptanz von Robotern sollte auch bei den Mitarbeitern da sein. Denn wenn bestehende Mitarbeiter gleich zu Beginn in den Prozess eingebunden und nicht das Gefühl haben, abgehängt zu werden, ist das ein grosser Pluspunkt für das Betriebsklima. Aber wie gelingt es, Mitarbeiter für Roboterprogrammierung zu begeistern? Die intuitive Benutzeroberfläche von Drag&Bot ermöglicht es allen Mitarbeitern, ohne aufwändige Schulungen eigenständig Roboteranwendungen umzusetzen. Die Programme lassen sich via Drag-and-Drop-Prinzip aus vordefinierten Funktionsblöcken zusammensetzen. Grafische Bedien- und Eingabehilfen unterstützen den Anwender bei der Anpassung auf spezifische Anforderungen. So können Roboter flexibel eingesetzt und individuell programmiert werden, völlig hardwareunabhängig. Das Resultat: Mit Drag&Bot können Roboterprogramme fünf Mal schneller als mit textbasierter Programmierung erstellt werden. Wie genau Drag&Bot eingesetzt werden kann, wird folgend nun an einem Beispiel der Automobilindustrie gezeigt.

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Programmierung von kollaborierenden Robotern in der Automobilindustrie

Bisher werden Industrieroboter in der Automobilindustrie in der Grossserienfertigung eingesetzt und übernehmen über mehrere Jahre hinweg dieselben Aufgaben, ohne dass es Änderungen der Abläufe bedarf. Aufgrund des Fachkräftemangels oder der aktuellen Pandemie ist ein dringender Bedarf da, immer mehr Tätigkeiten zu automatisieren, die bisher aufgrund ihrer Flexibilitätsanforderungen manuell durchgeführt wurden, wie beispielsweise die Montage von Baugruppen.

Der Automobilzulieferer Denso hat mit Hilfe von Drag&Bot eine bisher manuell durchgeführte Vormontage automatisiert. Da dafür verschiedene Abläufe notwendig sind, ist es in diesem Fall wichtig, dass die Roboter im Arbeitsraum des Menschen kollaborieren und die Arbeit der Industrieroboter aufeinander abgestimmt werden kann. Mit Hilfe von Drag&Bot können die Roboter durch die intuitive Oberfläche von Technikern vor Ort selbst instruiert werden. Wenn ein Roboter etwa an eine bestimmte Stelle greifen soll, führt der Nutzer den Greifarm an die entsprechende Position und bestätigt dies in der Software. Dank sogenannter Guides wird der Nutzer Schritt für Schritt durch typische Anwendungen wie Verschrauben, Palettieren von Teilen oder der Kamerakalibrierung geführt.

Erweiterungs-Module von Drag&Bot ermöglichen auch sensitive Funktionen zur Anpassung des Verhaltens, sollte es zu unvorhergesehenen Situationen im Produktionsprozess kommen oder komplexere Roboterbewegungen beispielsweise für die Montage notwendig sein. Mit dem Modul «Lokalisierung» werden Kameras zur Bildverarbeitung unterstützt, um die genauen Koordinaten eines Bauteils zu ermitteln, so dass die Roboterbewegung auch bei Verschiebungen der Positionen des Bauteils noch fehlerfrei funktioniert.

Der Vorteil für den Automobilzulieferer ist nicht nur die einfache Programmierung, die er nun selbstständig mit Drag&Bot durchführen kann, sondern auch die Flexibilität. Mit der einfachen und intuitiven Roboterprogrammierung können die Roboter innerhalb weniger Stunden umgerüstet werden.

Drag&Bot unterstützt eine Vielzahl unterschiedlicher Hardwares

Nicht nur die einfache Bedienung spricht für Drag&Bot, auch die Vielzahl an unterstützten Robotern, Greifern und Kraftsensoren sowie Bildverarbeitungssystemen und Kommunikationsschnittstellen erleichtert den Arbeitsalltag enorm. Mit der Software kann wertvolle Zeit bei der Integration von Greifern, Kameras oder SPS-Systemen gespart werden. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen, die noch wenig oder keine Erfahrung mit Robotern haben, bietet Drag&Bot so eine ideale Lösung. SMM

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