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Interview mit Tobias Keller Gewohnheiten wurden zwangsläufig unterbrochen

Autor / Redakteur: Silvano Böni / Silvano Böni

Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf die Produktion der Keller Druckmesstechnik? Welche Massnahmen wurden ergriffen, um das Geschäft am Laufen zu halten und Mitarbeiter zu schützen? Wir sprachen mit dem Geschäftsführer Tobias Keller über die aktuelle Situation.

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«Für unsere Mitarbeiter aus der Risikogruppe konnten wir in den meisten Fällen Homeoffice bzw. für Personen aus der Produktion Heimarbeit anbieten.» Tobias Keller, CEO der 
Keller AG für Druckmess­technik
«Für unsere Mitarbeiter aus der Risikogruppe konnten wir in den meisten Fällen Homeoffice bzw. für Personen aus der Produktion Heimarbeit anbieten.» Tobias Keller, CEO der 
Keller AG für Druckmess­technik
(Bild: Keller)

SMM: Wie wurde Ihr Unternehmen von der Covid-19-Pandemie insgesamt getroffen und wie hat Ihr Unternehmen reagiert?

Tobias Keller: Wir liefern mitunter prominent in die Flugzeug-, Fahrzeug- sowie in die Öl- und Gasindustrie. Branchen also, die nicht zuletzt aufgrund der Coronavirus-Krise substantielle Einbrüche erlitten, was die Nachfrage nach unseren Produkten zur Druckmessung arg drosselte. Bis anhin kam Keller glücklicherweise umhin, Entlassungen aus wirtschaftlichen Gründen auszusprechen; auch Kurzarbeit wurde bisher nicht beantragt. Durch abteilungsübergreifende Einsätze konnte ein punktueller personeller Ressourcenüberschuss vermieden werden.

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat die aktuelle Situation auf Ihr Unternehmen. Können Sie Angaben machen bezüglich der Entwicklung des Umsatzvolumens und Auftragseingangs gegenüber Vorjahr?

T. Keller: Per Ende September 2020 stehen wir bei gut 15 Prozent Umsatz- und rund 20 Prozent Auftragsrückgang gegenüber Vorjahr. Trotzdem besteht Hoffnung, auch das Geschäftsjahr 2020 in den schwarzen Zahlen abzuschliessen.

Welche Massnahmen haben Sie innerhalb Ihres Unternehmens umgesetzt, um die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter zu schützen?

T. Keller: Aufgrund der Vorgaben des BAG hatten wir ab Mitte März 2020 dafür zu sorgen, dass zur Risikogruppe gehörende Mitarbeiter nicht mehr zur Arbeit kamen, was circa 40 Personen aus unserem Betrieb betraf. Hier konnten wir in den meisten Fällen Homeoffice beziehungsweise für Personen aus der Produktion Heimarbeit anbieten.

Diverse Infoschreiben wurden an alle unsere Mitarbeitenden versandt, wie wir uns zu verhalten haben, um uns zu schützen und der Verbreitung des Virus entgegenzuwirken. Das Sitzungswesen und die Dienstreisen wurden vorübergehend ganz eingestellt, Kunden- und Lieferantenempfänge auf das Nötigste reduziert. Regelmässiges Reinigen von Arbeitsplätzen, Türgriffen, Liftknöpfen und Handläufen. Desinfektionsmittel an allen Eingängen und Toiletten, Plexiglas-Scheiben an kritischen Orten. Zudem wurden neue Pausenräume geschaffen, in welchen die Abstände gewährleistet werden können.

Für unsere Mitarbeiter aus der Risikogruppe konnten wir in den meisten Fällen Homeoffice bzw. für Personen aus der Produktion Heimarbeit anbieten.

Tobias Keller, CEO der Keller AG für Druckmesstechnik

Homeoffice ist in Teilen möglich. In der Produktion praktisch nicht. Welche Massnahmen haben Sie in Ihrer Produktion umgesetzt?

T. Keller: Die Abstände der einzelnen Arbeitsplätze wurden überprüft und bei Bedarf gemäss den empfohlenen Richtlinien des BAG angepasst. Sofern es vom Platz her möglich war, haben wir Arbeitsplätze verschoben. Ebenfalls haben wir für die Risikogruppe aus der Produktion einen Heimlieferservice organisiert, welcher die Arbeit zu den jeweiligen Mitarbeitenden brachte und wieder abholte. Auf Wunsch gaben wir auch Schutzmasken ab.

Wie sind die Reaktionen Ihrer Mitarbeiter auf die Massnahmen gewesen?

T. Keller: Im Grossen und Ganzen sind unsere Massnahmen auf grosses Verständnis gestossen. Wir erlebten unsere Mitarbeitenden in dieser Zeit insgesamt sehr besonnen, entspannt und reflektiert.

Was ist aus Sicht Ihres Unternehmens notwendig, um die Pandemie so gut wie möglich zu überstehen?

T. Keller: Um einem Personalausfall infolge der Pandemie vorzubeugen, tun wir alles, um das Ansteckungsrisiko im Betrieb zu minimieren. Wir stellen sicher, dass die Abläufe in unserem Unternehmen stabil weiterlaufen, und nutzen die Zeit, die internen und externen Prozesse zu hinterfragen und zu optimieren. Die unternehmensübergreifende Digitalisierung treiben wir zielstrebig voran, die Marketing-Aktivitäten halten wir bewusst hoch, weiten sie gar aus.

Trotz der widrig anmutenden Umstände behalten wir eine positive und zuversichtliche Grundhaltung bei, um das Beste aus dieser Situation zu machen.

Die Covid-19-Situation ist eine absolute Ausnahmesituation. Welche positiven Erkenntnisse haben Sie aus der Situation gezogen?

T. Keller: Gewohnheiten wurden zwangsläufig unterbrochen, wir alle wurden in dieser Zeit auf uns selbst zurückgeworfen. Dies schaffte Raum, uns vertieft darüber bewusst zu werden, was uns tatsächlich wichtig ist, was unsere grundlegenden Werte sind, wofür es sich lohnt, morgens mit Freude aufzustehen, wofür wir uns wirklich einsetzen wollen.

Was sind Ihre Erwartungen an Politik und Gesellschaft in Bezug auf die Covid-19-Pandemie?

T. Keller: Dass wir alle einen klaren Kopf bewahren, dass wir uns der Verhältnismässigkeit und auch der längerfristigen Konsequenzen angeordneter Massnahmen für die gesamte Bevölkerung bewusst sind. Dass wir nicht nur jene schützen, die potentiell ernsthaft daran erkranken könnten, sondern auch jene gebührend unterstützen, denen die Lebensgrundlage durch die angeordneten Massnahmen entzogen wird; dies nicht auch zuletzt, um den steigenden sozialen Spannungen entgegenzuwirken. Dass keine mediale Diktatur durch Zensurierung von reflektierten, wissenschaftlich fundierten Nichtmain­stream-Ansichten stattfindet, sondern die Meinungsfreiheit weiterhin Bestand hat. Dass wir lernen, unterschiedliche Ansichten und Perspektiven zu respektieren und achten, so dass wir alle gemeinsam gestärkt aus dieser Krise mit neuen Erkenntnissen hervorgehen. Schlussendlich sitzen wir alle im gleichen Boot. SMM

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