Feier in der Trafohalle Baden

Grosses Jubiläum – 100 Jahre SNV

| Redakteur: Silvano Böni

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(Bild: Rachel Engeli)

Die Schweizerische Normen-Vereinigung (SNV) ist die übergeordnete und neutrale Anlaufstelle bei Fragen und Bedürfnissen zur Normung. Gegründet wurde sie vor 100 Jahren in Baden – und genau da traf man sich ein Jahrhundert später wieder zur Feier des runden Geburtstags.

Normen verbinden die Welt. Mit diesen Worten begrüsste Dr. Jürg Werner, Präsident der SNV, die Gäste der Jubiläumsfeier und wies darauf hin, wie aktuell Normen in einer global vernetzten Welt sind. Stefan Ramseier, Chef des in Baden «gleich um die Ecke gelegenen» Forschungszentrums Baden-Dättwil, überbrachte ein Grusswort der ABB – war es doch die frühere BBC, die am 2. Juli 1919 zusammen mit anderen Schweizer Industrieunternehmen wie Sulzer oder Escher-Wyss die «Schweizer Normalien-­Kommission» gründete. Ramseier zitierte aus der Bauzeitung von 1919, in der Normen als nichts Starres, sondern als «das wohlerwogene Ergebnis von Erfahrung und Bedarf» umschrieben wurden – was noch heute gelte. Urs Fischer, CEO der SNV, betonte schliesslich, wie visionär die Gründung des SNV gewesen sei, vergleichbar der Gründung des genau gleich alten Zirkus Knie. Beide würden noch heute auf ihre Art einen Beitrag für die Gesellschaft leisten und sich dabei vorwärts bewegen – was auch in der Jubiläumsfeier zum Ausdruck komme.

Vier Themen-Häppchen weisen in die Zukunft

Matthias Jungen von der Swisscom zeigte den Gästen glaubhaft auf, dass Augmented Reality, Robotik, Internet der Dinge und automatisiertes Fahren im Grunde bereits mit der 5G-Technologie rechnen. Denn diese liefere nicht nur mehr Kapazitäten und Geschwindigkeit als das aktuell genutzte 4G, sondern sie bilde eine Voraussetzung für das ein­wandfreie Funktionieren solcher künftigen An­wendungen. Der Experte erklärte, dass die neue Technologie ermögliche, innerhalb des Netzes in sich geschlossene Mobilnetze zu betreiben, indem ein Teil des Netzwerkes abgespalten werde. Damit könnten die eingebundenen Geräte und Kommunikationsmittel ohne Störung kommunizieren, was unter 4G nicht gewährleistet sei.

Jean-Philippe Hagmann, Autor des Buches «Hört auf, Innovationstheater zu spielen!», stellte die provokative These in den Raum: Bei Innovationen sei die Idee an sich gar nicht so viel wert. Denn neben jenen, die Ideen generieren, brauche es noch andere Rollenträger in einem Erfolg versprechenden Innovationsprozess. Die wichtigste Rolle sei der «Brückenbauer», um zwischen jenen, die Neues entwickeln, und jenen, die das Tagesgeschäft weiter betreiben, übersetze. Doch auch die Kultur im Unternehmen müsse stimmen. Denn werde ein Innovationsprozess in Gang gesetzt, müssten sich alle Beteiligten sicher fühlen und Gewissheit haben, dass sie als Personen sowie der Innovationsprozess im Unternehmen respektvoll getragen würden. Hagmann gab dem Publikum noch wertvolle Hinweise mit: Ziele sollen wild und weit gesteckt werden, und im Arbeitsalltag müsse auch etwas mehr Spass, Humor und Verspieltheit Platz haben.

Sicherheitsbedenken zweitrangig

Eine spielerische Einlage brachte schliesslich der Sicherheitsexperte Dominique Brack, der feststellte, dass in innovationsgetriebenen Projekten meist das Sicherheitsdenken etwas verloren gehe. Ein gutes Beispiel seien Drohnen. Diese würden zwar bereits vielfältig eingesetzt, doch wirksame Abwehrmassnahmen und Know-how, wie gegen Missbrauch vorgegangen werden könne, würden weitgehend fehlen. So geschehen im Dezember 2018, als eine Drohne den Flughafen Gatwick für drei Tage lahmlegte. In London waren es Scharfschützen, in Baden zwei geübte Schützen aus dem Publikum mit Spielzeugwaffen, die die Aufgabe bekamen, eine Drohne abzuschiessen. Alle waren erfolglos, und ohne Worte wurde klar: Um Drohnen abzuwehren, braucht es andere Waffen.

Andreas Hufschmid und Adrian Wachholz stellten zum Schluss zwei von der ABB entwickelte Neuheiten vor. Der Roboter YuMi ist für repetitive Arbeiten in verschiedenen Bereichen konzipiert. Im Unterschied zu herkömmlichen Industrie-Robotern, die mit Schutzzäunen umgeben werden mussten, kann er direkt mit Menschen zusammenarbeiten. Ebenfalls auf die Nutzenden ausgerichtet ist die Schnell-Ladestation mit drei unterschiedlichen Lade­leistungen. Die aufkommende Elektromobilität zeige, so Wachholz, dass sich auch etablierte Branchen wie die Automobilindustrie plötzlich mit neuen Themen und Mitbewerbern auseinandersetzen müssen.

Vorwärts mit Elan

Die vier Themen-Häppchen zeigten eindrücklich: Die Welt ist im Wandel. Altes wird überholt, Neues entsteht. Die SNV und der Zirkus Knie, beide haben sich 100 Jahre den Veränderungen gestellt. Zum Jubiläum leistete sich der Zirkus Knie ein neues Zelt – die SNV neue Büroräumlichkeiten, eine neue Strategie sowie ein neues Corporate Design, ein modernes Logo und einen innovativen Webauftritt. Nun sei sie bereit, weiterhin zukunftsgerichtete Normungsthemen anzugehen und sich neuen Entwicklungen und Bedürfnissen anzupassen – wie bereits 1919 beschrieben. SMM

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