4. SMM-Kongress Industrie 4.0: Wie sieht das in der Praxis aus?

Redakteur: Luca Meister

Am 3. Dezember findet der 4. SMM-Kongress zum Thema «Effiziente Produktion – Industrie 4.0» statt. Ziel der Veranstaltung ist es, Klarheit zu schaffen über das Thema Industrie 4.0. Das Hightech-Zukunftsprojekt wird aus verschiedenster Perspektive beleuchtet: von der Zerspanung über die Automation und Antriebstechnik bis hin zur Blechbearbeitung und nicht zuletzt den Software-Tools. Die Keynote Speech hält Ueli Steck, ein Mann, der bestens weiss, was es braucht, um möglichst zugkräftig zur Spitze zu gelangen.

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Keynote Speaker am SMM-Kongress 2015: Extrembergsteiger Ueli Steck – er weiss, wie man effizient an die Spitze gelangt.
Keynote Speaker am SMM-Kongress 2015: Extrembergsteiger Ueli Steck – er weiss, wie man effizient an die Spitze gelangt.
(Bild: Ueli Steck)

Fertigungs- und Zulieferunternehmen, die auch in Zukunft in der Schweiz wirtschaftlich produzieren wollen, müssen auf effiziente Fertigungsprozesse setzen. Besonders anspruchsvoll ist dies bei Einzelteil-Fertigung sowie kleinen bis mittleren Serien. Am 4. SMM-Kongress zeigen erfahrene Referenten anhand praktischer Beispiele auf, wie kleine und grössere Unternehmen Lösungen für eine effiziente Produktion realisiert haben und inwiefern Industrie 4.0 bereits in diesen Prozessen steckt. Zudem bietet der Kongress die Möglichkeit, sich intensiv und konkret mit Fachleuten über die eigene Fertigung und Produktion auszutauschen und nach Lösungen zu suchen.

Professionalität im Grenzbereich

Den Keynote-Vortrag hält Ueli Steck, Extrembergsteiger und CEO. Der Extrembergsteiger ist bekannt für seine hohe Risikobereitschaft, seine Grenzgänge und seine Kletterrouten ohne jegliche Sicherung. Er ist seit 19 Jahren im Klettersport aktiv und greift somit auf eine grosse Erfahrung zurück. Hätte er seine Ziele in all diesen Jahren nicht konsequent und zielstrebig verfolgt und umgesetzt, würde er nie dort angekommen sein, wo er jetzt ist. Hätte er nicht bestimmte Schritte gewagt, die übrigens bis heute noch kaum jemand so rigoros umgesetzt hat wie er, würde er heute nicht zu der internationalen Spitze im Alpinismus zählen.

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Der 4. SMM-Kongress bietet eine breite Palette an Vorträgen von Fachleuten aus diversen Schlüsselpositionen – von der Zerspanung über die Automation und Antriebstechnik bis hin zur Blechbearbeitung und den Software-Tools. Dabei wird der Fokus sowohl auf die Effizienz der Produktion sowie den Aspekt Industrie 4.0 gelegt. Zu den Vortragenden gehören auch Spezialisten aus Forschung und Wissenschaft.

Durch die Wissenschaftsbrille

Prof. Dr.-Ing. Joachim Metternich (TU Darmstadt) wirft einen Blick auf die Sequenzfertigung für die schlanke Zerspanung. Im Gegensatz zur Komplettbearbeitung werden bei Sequenzfertigung die Bearbeitungsoperationen zur Herstellung eines Bauteils auf mehrere kompakte, kostengünstige Maschinen verteilt und «abgetaktet». So lassen sich bei vergleichsweise niedrigen Investitionskosten eine hohe Volumen- und Variantenflexibilität erreichen und Marktrisiken geeignet adressieren. Der Vortrag beschreibt das Vorgehen der Sequenzfertigungslinie.

Prof. Dr.-Ing. Konrad Wegener (ETH Zürich), der bereits bei den letzten beiden Veranstaltungen je einen Vortrag gehalten hatte, geht auf die Träume und Wirklichkeit unter Industrie 4.0 ein. Die industrielle Produktion in Hochlohnländern läuft in immer komplexeren Produktionsnetzwerken ab. Industrie 4.0 sucht dafür Lösungen und setzt auf Selbstorganisation von miteinander kommunizierenden Leistungseinheiten, die über das Internet mit der gesamten Kompetenz der Welt verbunden sind.

Die optimale Verbindung von Wissenschaft zu Praxis macht Karl Osti, Business Development Manager Manufacturing bei der Autodesk GmbH. Er thematisiert Inspiration und Innovation unter dem Motto «The Future of Making Things». Dabei geht der Spezialist essenziellen Fragen nach: Wie werden Produktions- und Entwicklungsprozesse der Zukunft aussehen, wenn Prozesskosten für Additive Manufacturing weiter sinken und es immer leistungsfähigere Verfahren und Technologien – nicht nur aus der Materialwissenschaft – geben wird? Oder: Was kann ich heute tun, um die Möglichkeiten zu identifizieren, das eigene Unternehmen auf den Wandel vorzubereiten und den Wandel positiv zur Wettbewerbsdifferenzierung zu nutzen?

Durch die Praxisbrille

Die Referate aus praktischer Sicht dominieren den SMM-Kongress. Ein Highlight ist mit Sicherheit die Präsentation von Gerd König, Geschäftsführer der Fritz Studer AG. Er konzentriert sich auf die standortübergreifende Produktion von Hochpräzisionskomponenten. Gerade in diesem Bereich stellen Präzision und immer kleiner werdende Toleranzen, gepaart mit effizienten Herstellungsprozessen, eine grosse Herausforderung dar. Die Fritz Studer AG, Mitglied im United-Grinding-Unternehmensverbund, ist Hersteller von Hochpräzisionskomponenten und produziert Komponenten für Standorte in anderen Ländern. Das Unternehmen nutzt Lean-Gedanken in Kombination mit der firmeneigenen «PuLs»-Philosophie, um die besten Methoden in höchster Effizienz anzuwenden. Dabei sollen Potenziale entlang der gesamten Wertschöpfungskette gehoben werden. Inspiration und Innovation im Spannungsfeld von Industrie 4.0 ist das Thema von Patrick Berhalter, CEO und Verwaltungsratspräsident der Berhalter AG. Heisst Inspiration «einfach wissen wie»? Technik und Inspiration, das heisst für Berhalter, «ein kleiner Gedanke mit grosser Wirkung». Der Werkplatz Schweiz wird aus der Sicht eines KMUs und die erfolgreichen Anwendungen in den Geschäftsfeldern im Spannungsfeld einer flexiblen Fertigung bis hin zum Höchstpräzisionsbereich beleuchtet. Dabei werden Fragen gestellt wie: Was kann Industrie 4.0 heute beisteuern und welche Überlegungen helfen morgen in der Umsetzung von Strategien?

Eine Vielzahl weiterer hochinteressanter Referate von renommierten Spezialisten machen den SMM-Kongress 2015 zu einem nicht zu verpassenden Branchen-Event (Anmeldung siehe Kasten). <<

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