Die geheime Sprache der Arbeitszeugnisse knacken

18.03.2020

Das Problem für Bewerber ist: Arbeitszeugnisse werden durch die Vorgabe von „Wahrheit und Wohlwollen“ in einer Art Geheimsprache formuliert, die nur gut geschultes Personal problemlos entschlüsseln kann. Der Bewerber selbst weiss gar nicht, ob er negativ in seinem Arbeitszeugnis bewertet wurde, was einer Einstellung im Wege stehen würde. Aber worauf kommt es beim Prüfen von einem Arbeitszeugnis überhaupt an?

Worin liegen die Hauptaugenmerke beim Prüfen eines Arbeitszeugnisses?

1. Vollständigkeit

Das Arbeitszeugnis muss bestimmte Aspekte zwingend beinhalten, da das Weglassen von Passagen negativ auf den Beurteilten zurückgeführt wird.
Fehlt zum Beispiel der Abschnitt „Sozialverhalten“ wird daraus geschlossen, dass der Arbeitnehmer ein sehr schlechtes Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitern pflegte. In folgender Grafik werden Aufbau und Inhalte ersichtlich:

Ein vollständiges Zeugnis alleine reicht aber nicht aus. Innerhalb der einzelnen Absätze finden Teilbeurteilungen statt, die durch bestimmte Formeln verschlüsselt werden.

2. Bewertungsformeln

Prinzipiell verfolgen die Bewertungen innerhalb der einzelnen Abschnitte das Prüfschema von zeitlicher Kontinuität sowie Superlativen. Zur Verdeutlichung zwei typische Formulierungen gegenübergestellt:

  • „stets zur vollsten Zufriedenheit“
  • „zur vollen Zufriedenheit“

In der ersten Formulierung finden sich die zeitliche Kontinuität im Wort „stets“ und die Superlative in „vollsten“ wieder. Diese stellt also die Note 6 dar. Im zweiten Beispiel hingegen fehlt die zeitliche Angabe und „vollen“ ist nicht die höchstmögliche Steigerung. Die Formulierung klingt zwar insgesamt positiv, stellt aber lediglich eine 4 dar.

Ebenso ist auf Reihenfolgen zu achten. Wird im Sozialverhalten das Verhältnis zu Vorgesetzten nicht an der ersten Stelle oder gar nicht beschrieben, bedeutet das, dass der Arbeitnehmer Probleme mit Vorgesetzten hatte.

Auch die Betonung von Selbstverständlichem, wie zum Beispiel Pünktlichkeit, lässt darauf hindeuten, dass der Arbeitgeber keine anderen Aspekte am Arbeitnehmer fand, die er im Arbeitszeugnis hätte darlegen können. Kurz gesagt: Er war zwar pünktlich, hatte aber sonst keine Leistungen erbracht oder Eigenschaften, die Erwähnenswert sind.

Das gezielte Auslassen von Eigenschaften, die für die Ausübung der Tätigkeit zwingend erforderlich waren, bedeutet, dass der Arbeitnehmer die Eigenschaften nicht besass. Beispielsweise die Betonung der Ehrlichkeit eines Kassierers. Sollte diese fehlen, kann es bedeuten, dass er geklaut hat. Neben den genannten Punkten, gibt es noch viele weitere Aspekte, nach denen ein Zeugnis codiert wird. Mehr dazu, finden Sie bei den Zeugnisprofis.

3. Geheimcodes

Geheimcodes sind eine ganz bestimmte Art von Sätzen, die Details über den Arbeitnehmer preisgeben, die negativ gegen ihn ausgelegt werden können. Unter Personalverantwortlichen werden diese Geheimcodes als eindeutige Warnhinweise verstanden Diese Geheimcodes sind verboten, da sie eine komplett andere Bedeutung haben, als der Text vorgibt. Die Wahrheit der Formulierung wird vorrangig vor dem Wohlwollen angesehen. Trotzdem werden sie regelmässig in der Praxis eingesetzt. Sie geben unter anderem Auskunft über Alkoholsucht, die Ausübung einer Betriebsratstätigkeit oder sexuelle Orientierung. Der Satz „Er hat durch seine Geselligkeit zur Verbesserung des Betriebsklimas beigetragen“ bewertet nicht das Sozialverhalten unter den Kollegen, sondern steht für die oben genannte Alkoholsucht.

Nun stellt sich die Frage, wie der Empfänger des Zeugnisses vollständige Transparenz über sein Arbeitszeugnis erhalten kann, und wie diese Geheimcodes aufgedeckt werden können.

Entschlüsselung

Die Zeugnissprache ist viel zu komplex, um diese mit Hilfe einer langwierigen Google Recherche komplett transparent zu machen. Ein Fachanwalt kann das Arbeitszeugnis übersetzen, jedoch nimmt dieser Service einige Tage in Anspruch und ist meist mit hohen Kosten verbunden.

Dank künstlicher Intelligenz ist es heutzutage möglich, sein Arbeitszeugnis sekundenschnell und bequem analysieren zu lassen. Beim deutschem Analyseportal zeugnisprofi.com reicht es, das Arbeitszeugnis als PDF oder JPEG hochzuladen, um sofort alles über sein persönliches Arbeitszeugnis zu erfahren. Das alles ist für kleines Geld möglich, was diesen Service auch für Studenten und Auszubildende zugänglich macht.

Zu beachten ist, dass bei zeugnisprofi.com das deutsche Notensystem (1= sehr gut / 6= ungenügend) verwendet sowie die deutschen Verschlüsselungstechniken geprüft werden, die sich aber stark mit denen in der Schweiz verwendeten ähneln. Beide Länder verwenden, aufgrund der Vorgabe des „Wohlwollen“ die Techniken der zeitlichen Kontinuität durch Temporalverben, Superlative und das Prinzip der Vollständigkeit.

Vorteile einer Prüfung

Wer sein Arbeitszeugnis analysieren lässt, kann beim Aussteller eine Verbesserung verlangen, sollten dort Ungereimtheiten aufgedeckt werden.
Damit ist es möglich, einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Bewerbern zu erhalten, die ihr Arbeitszeugnis im Vertrauen auf eine gute Bewertung ungeprüft anhängen. Jeder 2. Personaler nennt unzureichende Arbeitszeugnisse als Grund für eine Absage! Lassen Sie sich also nicht von Geheimcodes und verklausulierten Sätzen abschrecken. Hochwertige Analysen können mittlerweile schnell und einfach mithilfe von Analysetools zu Hause durchgeführt werden.

Gastbeitrag von Ida Kieckhefen, zeugnisprofi.com

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