Komplette Prozesskette in der Medizintechnik

| Redakteur: Anne Richter

Die Operationstische von Schaerer sind qualitativ hochwertig gebaut und in Kliniken der ganzen Welt im Einsatz.
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Die Operationstische von Schaerer sind qualitativ hochwertig gebaut und in Kliniken der ganzen Welt im Einsatz. (Bild: Schaerer Medical)

>> Eine Firma, die seit 100 Jahren dasselbe Produkt herstellt? Das hört sich wenig innovativ an, aber auf den ersten Blick sieht man die gewaltige Fortentwicklung, die die Operationstische von Schaerer Medical seither gemacht haben. Auch beim CAD/PLM-System ist Schaerer ganz vorn dabei und setzt – mit Unterstützung von Inneo – auf Creo 2.0 und Windchill PDMLink 10.

Maurice Schaerer gründete 1892 eine Fabrik für Arzt- und Krankenhausbedarf, die ab 1906 eng mit bekannten Ärzten zusammenarbeitete. Gemeinsam mit dem späteren Nobelpreisträger Professor Theodor Kocher entwickelte man beispielsweise neue Instrumente für Operationen, die weltweit Beachtung fanden. Einen Meilenstein setzte Schaerer 1912 mit der Auslieferung eines der weltweit ersten mobilen Operationstische. In engster Zusammenarbeit mit Professor F. Quervain von der chirurgischen Universitätsklinik Bern wurde der Tisch so weit optimiert, dass Schaerer damit zwei Jahre später den Grand Prix der Weltausstellung in Paris gewann. Ein zweites wichtiges Produkt waren Dampfsterilisatoren, aus deren Technologie kurioserweise Kaffeemaschinen entwickelt wurden, die bis heute unter dem Namen Schaerer verkauft werden – die beiden Unternehmen haben allerdings seit 1998 keine Verbindung mehr. Bei Schaerer Medical arbeiten heute etwa knapp 60 Mitarbeiter am Stammsitz in Münsingen nahe Bern sowie in Niederlassungen in den USA und in Indien.

Schweizer Qualitätsprodukt für Operationssäle

Heute konzentriert sich Schaerer Medical auf OP-Tische und Zubehör. Da die Schaerer-Tische qualitativ extrem hochwertig gebaut sind, sind 30 Jahre alte Tische, die nach wie vor täglich im Einsatz sind, keine Seltenheit. Über 80 Prozent der Tische gehen heute in den Export, vor allem in den sogenannten Emerging Markets sind die Schweizer Qualitätsprodukte beliebt und ein Aushängeschild der Kliniken.

Die Produktpalette besteht zwar nur aus drei Tischmodellen, diese lassen sich jedoch extrem stark konfigurieren und mit umfangreichem Zubehör ausstatten, um den Anforderungen der jeweiligen Klinik und Operation zu entsprechen. Inzwischen müssen OP-Tische immer höhere Lasten tragen können; so ist das Modell Arcus mit bis zu 500 Kilogramm belastbar.

Datenverwaltung mit neuesten Werkzeugen

Schaerer Medical ist ein sehr langjähriger PTC-Kunde, das Unternehmen setzt das 3D-CAD-System Pro/Engineer seit etwa 1993 ein. Zwar wurde schon bald ein Datenverwaltungssystem implementiert, aber nach einem Serverausfall, nach dem zwar die CAD-Dateien, nicht aber die Metadaten des PDM-Systems gerettet werden konnten, wurde wieder herkömmlich «im Dateisystem verwaltet». 2010 implementierte Entwicklungs- und Konstruktionsleiter Christian Zaugg dann Windchill PDMLink in der Version 9.1. Dieses lief zunächst auf einem virtuellen Server, was vom Hersteller offiziell nicht unterstützt wurde. Als das PLM-System dann auf einen «richtigen» Server umgestellt werden sollte, war das für Zaugg die Gelegenheit, auf Windchill 10 umzusteigen. «Ich sehe keinen Sinn darin, alte Softwareversionen einzusetzen», erläutert Zaugg seine Upgradestrategie, «wenn ich schon einen Wartungsvertrag habe, will ich auch von den neuesten Werkzeugen und Möglichkeiten profitieren.» Ein weiterer Grund für den Umstieg auf Windchill 10 war die Möglichkeit, die Daten aus dem Elektronik-CAD-System mit zu verwalten.

Direkte Übertragung der Ergebnisse

Auch die CAD-Installation hält Zaugg aktuell: «Wir sind meist auf der aktuell verfügbaren Version, beispielsweise haben wir noch die erste Wochenversion von Creo 2.0 abgewartet und sind dann von Wildfire 5 direkt auf Creo umgestiegen.» Vorher wurde das neue System in einem Projekt getestet, bei dem ein kundenspezifisches Zubehörteil entwickelt wurde. «Bis auf die neue Oberfläche war wenig Umgewöhnung nötig. Sehr gut finde ich dabei, dass die Menüs einheitlicher geworden sind, das erleichtert das Einarbeiten.»

Für die Auslegung der Tische und des Zubehörs nutzt Scherer Medical die PTC-Applikation Mathcad, die es ermöglicht, Berechnungen an das CAD-Modell zu koppeln. So werden Berechnungsergebnisse, beispielsweise Bauteilmasse, direkt in das 3D-Modell übertragen. «Zwei Dinge gefallen mir hier besonders», so Zaugg weiter, «zum einen die Möglichkeit, Berechnungen zu kopieren und in neuen Projekten weiterzuverwenden, zum anderen, dass wir so die Berechnung gleich dokumentiert haben, wie es in den Regularien gefordert wird.» Ebenfalls aus dem PTC-Portfolio ist die für das Erstellen von Illustrationen in Bedienungs- und Serviceanleitungen genutzte Applikation IsoDraw.

Dokumentation parallel zur Entwicklung

«Ziel ist es, die Dokumentation parallel zur Entwicklung zu beginnen und fertigzustellen, wenn der erste Prototyp gebaut wird», sagt Zaugg. «Die Übergabe der CAD-Daten in die Dokumentation ist sehr elegant gelöst, es werden einfach die Vorschaudaten aus Windchill publiziert und in IsoDraw verwendet. So sind wir sicher, dass immer die aktuellsten Daten in die Dokumentation Eingang finden.»

Zaugg denkt darüber nach, in der Zukunft auch noch Arbortext einzusetzen, um damit mehrsprachige Dokumentationen einfacher und effizienter erstellen zu können und die Prozesskette endgültig durchgängig zu haben. Bei den Schaerer-Produkten werden die Dokumentationen in der auftragsspezifischen Sprachversion mitgeliefert.

Schnelle Reaktionszeiten

Mit Inneo arbeitet Schaerer Medical seit der Einführung von Windchill 9.1 zusammen. Das deutsche Systemhaus, das mit einer Niederlassung in Brüttisellen nahe Zürich in der Schweiz vertreten ist, brachte neben Consulting und Installationsdienstleistung vor allem seinen Support ein. «Inneo hat durch seine Grösse viel Know-how auch in weniger typischen Gebieten», sagt Zaugg, der selbst einige Jahre bei PTC arbeitete und deshalb die Fähigkeiten und Einsatzmöglichkeiten der Software sehr detailliert kennt. «Wir haben bei Problemen sehr schnelle Reaktionszeiten erlebt und werden regelmässig über Neuheiten informiert.»

Auch bei der Evaluierung von Arbortext ist Inneo dabei, ebenso wie bei einem weiteren Zukunftsprojekt, der Kopplung von PDMLink an das ERP-System. Zaugg erläutert: «Ziel ist es, die in PDMLink erstellte Entwicklungsstückliste automatisch in eine fertigungsgerechte Stückliste im ERP-System zu übergeben. Die Umsetzungsmöglichkeiten wollen wir gemeinsam mit Inneo entwickeln.» Christian Zaugg schliesst: «Es war mir schnell klar, dass als PLM-System nur Windchill in Frage kommt, wenn wir Creo einsetzen. Die Integration ist dann weit reibungsloser als bei einem System eines Drittanbieters. Mit Inneo haben wir einen breit aufgestellten Partner gefunden, der sich im PTC-Portfolio ebenfalls hervorragend auskennt und die Breite an Know-how mitbringt, die für eine integrierte, die komplette Prozesskette abdeckende Lösung unabdingbar ist.» <<

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