Interview mit Stéphane Perret Mein erstes Jahr war unglaublich spannend

Autor / Redakteur: Silvano Böni, Redaktion SMM / Silvano Böni

Stéphane Perret übernahm die Geschäftsführung von Fanuc Switzerland, als es gerade so richtig losging mit der Corona-​Pandemie. Wir sprachen mit ihm über sein ereignisreiches erstes Jahr, seine 20 Jahre bei Fanuc sowie über Technologie-Trends, die uns in nächster Zeit erwarten werden.

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«Die Schweiz ist zwar klein, aber weltführend bei der Suche nach neuen Lösungsansätzen in der industriellen Automation.» Stéphane Perret, Geschäftsführer Fanuc Switzerland
«Die Schweiz ist zwar klein, aber weltführend bei der Suche nach neuen Lösungsansätzen in der industriellen Automation.» Stéphane Perret, Geschäftsführer Fanuc Switzerland
(Bild: Fanuc / Nicolas De Nisco)

SMM: Hr. Perret, Sie haben die Geschäftsführung von Fanuc Switzerland während einer sehr schwierigen Phase übernommen. Wie ist es Ihnen in Ihrem ersten Jahr ergangen?

Stéphane Perret: Dieses erste Jahr war für mich unglaublich spannend. Kein einziger Tag verging, ohne mit neuen Aufgaben konfrontiert zu werden! Ich mag diese vielfältigen Herausforderungen, welche sowohl fachlicher, organisatorischer als auch technischer Natur sind. Dazu kommt natürlich die aktuell sehr spezielle Lage mit der Corona-Pandemie. Sie verlangt uns allen einiges an Flexibilität, Kreativität und Geduld ab. Ich freue mich sehr zu sehen, wie gross der Einsatz und Zusammenhalt bei uns ist! Ich bin stolz, dass ich mich jederzeit auf kompetente, loyale und hilfsbereite Mitarbeiter verlassen darf.

Die Covid-19-Situation ist eine absolute Ausnahmesituation. Welche positiven Erkenntnisse haben Sie aus der Situation gezogen?

S. Perret: Es gab einige Kunden, die die Situation genutzt haben, um sich Gedanken über Effizienzsteigerungen und die Automation ihrer Produktion zu machen – das spielte uns natürlich in die Hände. Des Weiteren brachte die Pandemie noch einmal einen Extraschub in Sachen Digitalisierung. Videokonferenzen beispielsweise wurden nicht mehr nur für interne Zwecke, sondern auch erfolgreich für Trainings und Schulungen für Kunden genutzt.

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Zusätzlich zum Coronavirus leidet der Werkplatz Schweiz bereits länger unter der Frankenstärke. Wie begegnen Sie dieser Problematik?

S. Perret: Da der Grossteil unserer Kunden in Euro kauft und verkauft, sind wir glücklicherweise von der Frankenstärke nicht sonderlich betroffen.

Sie sind bereits seit über 20 Jahre für Fanuc tätig. Erzählen Sie uns ein wenig, wie hat sich der Werkplatz Schweiz in dieser Zeit verändert? Welche Veränderungen gab es bei Fanuc in dieser Zeit?

S. Perret: In den letzten 20 Jahren hat sich vieles getan. Zu Beginn meiner Fanuc-Zeit wurden nur CNC-Steuerungen, Motoren und Antriebe verkauft sowie Service-Arbeiten gemacht. Erst im Jahr 2007 kam dann der Direktverkauf von Robotern und 2014 der elektrischen Spritzgussmaschinen hinzu. Seither ist das Unternehmen sowie das Produktportfolio nochmals stark angewachsen und bietet heute ‹one Fanuc›-Lösungen an, das heisst alles aus einer Hand.

Wo sehen Sie die besonderen Stärken des Werkplatzes Schweiz?

S. Perret: Die Schweiz ist weltweit bekannt für ihre Stärke, innovative Ideen und neue, noch effizientere Lösungen zu entwickeln und einen Erfindungsreichtum an den Tag zu legen, auf den wir stolz sein können. Wir bei Fanuc tragen mit unseren Produkten und Dienstleistungen aktiv zum weltweiten Einsatz in der Industrie bei und sorgen dafür, dass solche aussergewöhnlichen Konzepte langfristig in die Praxis umgesetzt werden.

In Zukunft werden wir nur noch ein komplettes System haben – von CAD/CAM bis hin zur CNC-Steuerung. Dann werden wir wahrscheinlich keine NC-Programme mehr schreiben müssen.

Stéphane Perret, Geschäftsführer Fanuc Switzerland

Welches sind die Schwächen des hiesigen Werkplatzes?

S. Perret: Wir müssen bei der innovativen Entwicklung diesen Vorsprung bewahren, bei der Umsetzung der Industrialisierung unserer Produkte Weitsicht beweisen und die weltweit verfügbaren Master-Produktionswerkzeuge geschickt einsetzen und dabei unsere Investitionen ohne Zeitverlust intelligent optimieren.

Im Steuerungsbereich ist Fanuc sehr stark. Welche Neuheiten erwarten uns in diesem Bereich? Was ist überhaupt noch möglich?

S. Perret: In Zukunft werden wir nur noch ein komplettes System haben – von CAD/CAM bis hin zur CNC-Steuerung. Dann werden wir wahrscheinlich keine NC-Programme mehr schreiben müssen. Man muss nur noch die Daten aus CAD/CAM mit der CNC-Steuerung verbinden. Alle Informationen – von den Maschinenparametern über Werkzeuge, Spanntechnik und Materialien – werden dann genutzt, um das beste und effizienteste Programm zu erstellen. Dafür wurden viele neue Produkte entwickelt, wie die High-End-CNC-Steuerung-30i-B-Plus-Serie für hohe Produktivität und hohe Bearbeitungsqualität zusammen mit einem präzisen, kapazitiven Touchscreen, der eine hervorragende Bedienbarkeit und eine Smartphone-ähnliche, intuitive Bedienung ermöglicht – das Panel iH Pro.

Daneben ist Fanuc seit Jahrzehnten im Robotikbereich tätig, die Konkurrenz mit namhaften Herstellern ist gross. Wie differenziert man sich in diesem schwierigen Marktumfeld?

S. Perret: Wir bieten bei unseren Robotern ein Gesamtpaket, das seinesgleichen sucht: eine hohe Qualität, superschnelle Lieferfähigkeit dank riesigem Warenlager in Luxemburg und einen hervorragenden Service. Die Reaktionszeit liegt europaweit unter 20 Stunden, die Ersatzteilverfügbarkeit bei 99,98 Prozent! Im stark wachsenden Cobot-​Markt verfügt Fanuc über die grösste Auswahl an voll ISO-sicherheitszertifizierten Robotern und bietet mehr Möglichkeiten, mehr Traglast, mehr Reichweite und mehr Geschwindigkeit als jede andere Cobot-Serie auf dem Markt.

Stichwort Cobots. Wie sehen die Trends in der Robotik aus? Geht alles in Richtung kollaborative Roboter?

S. Perret: Flexible Roboter wie der CRX sind sicher ein wichtiger Beitrag zur weiteren Automatisierung der Produktion, aber die Roboter müssen auch noch intelligenter werden, sie müssen sehen und auch fühlen können. Ausserdem müssen Roboter gemeinsam interagieren können – und da sind wir bei einem anderen wichtigen Punkt: der Vernetzung. Nur wenn wir ein Highspeed-Netz in der Produktion haben, sind wir in der Lage, grosse Datenmengen auszuwerten.

Fanuc ist weltweit einer der wichtigsten Partner, wenn es ums Thema Fabrikautomation geht. Welches Potenzial bietet sich hier in der kleinen Schweiz noch?

S. Perret: Die Schweiz ist zwar klein, aber weltführend bei der Suche nach neuen Lösungsansätzen in der industriellen Automation. Dank den kreativen Kunden sowie unserem innovativen Portfolio ergeben sich immer wieder Möglichkeiten, die bis anhin gar nie in Betracht gezogen worden sind. SMM

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