Frauen in der MEM-Industrie MEM-Industrie: Beste Entwicklungschancen für Frauen

Von Dr. Sonja Studer, Bereichsleiterin Bildung Swissmem

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Die MEM-Industrie als Karrierebranche für Frauen? Für viele Eltern wohl nicht der erste Gedanke, wenn es um die Berufswahl ihrer Tochter geht. Das ist schade, denn der im September veröffentlichte Gender Intelligence Report von Advance und der Universität St. Gallen zeigt: Die ominöse «gläserne Decke» ist für Frauen nirgends dünner als in der Industrie.

Der Gender Intelligence Report von Advance zeigt, dass die «gläserne Decke» für Frauen nirgends dünner ist als in der Industrie.
Der Gender Intelligence Report von Advance zeigt, dass die «gläserne Decke» für Frauen nirgends dünner ist als in der Industrie.
(Bild: Adobe Stock)

Die MEM-Industrie sticht im Branchenvergleich des Gender Intelligence Report 2022 in zweierlei Hinsicht hervor. Der Frauenanteil ist mit rund 25 Prozent (in der Swissmem-Mitgliedschaft 27 Prozent) markant tiefer als in der Gesamtwirtschaft. Gleichzeitig weist keine andere Branche so geringe Unterschiede zwischen dem Frauenanteil in der Gesamtbranche und jenem in den unteren sowie den oberen Führungsetagen auf. Ein Beispiel: Im Topmanagement von MEM-Unternehmen sitzen 16 Prozent Frauen – genau derselbe Anteil wie im Banking, wo aus einem ungleich grösseren weiblichen Talentpool geschöpft werden kann.

Erfolgreiches Talentmanagement in der MEM-Branche

Dies weist darauf hin, dass die MEM-Branche ihre weibliche Talent-Pipeline besser nutzt als andere Branchen. Frauen in Unternehmen der MEM-Industrie werden gezielt gehalten, entwickelt und gefördert. Kompetente und engagierte Frauen haben in diesem Umfeld somit die besten Chancen, die «gläserne Decke» zu durchbrechen und in eine Führungsposition im obersten Kader aufzusteigen.

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Der Fachkräftemangel, welcher der Industrie besonders stark zu schaffen macht, ist ein wichtiger Treiber für das gezielte Talentmanagement. Das bestätigen Fach- und Führungskräfte aus allen Bereichen der Swissmem-Mitgliedschaft. Darüber hinaus ist Diversität ein Wert an sich. Sie schafft Dynamik und ermöglicht neue Perspektiven. Durchmischte Teams finden eine breitere Palette von Lösungsansätzen für bestehende Probleme. Dies gilt im Übrigen nicht nur für das Geschlecht, sondern ebenso für Alter, Nationalität, Bildungshintergrund und Weiteres. Von mehr Diversität profitieren sowohl die Mitarbeitenden als auch die Arbeitgeber.

Dass es den MEM-Unternehmen gelingt, den Frauenanteil in ihren Kaderpositionen aus eigenem Antrieb langsam, aber stetig zu vergrössern, ist ermutigend. Die grösste Herausforderung für die Industrie besteht jedoch nicht darin, Frauen zu halten, sondern genügend weibliche Lernende und Mitarbeiter zu gewinnen. Auch heute noch berücksichtigen junge Frauen bei der Berufswahl ein viel schmaleres Spektrum an Berufen als ihre männlichen Kollegen. Zudem wählen sie nur selten einen technischen Beruf. Viele technisch begabte Mädchen können ihr persönliches Potenzial nicht entfalten und gleichzeitig bleibt der Industrie die Hälfte des Fachkräftereservoirs verschlossen.

Handlungsfelder für die MEM-Branche: Gezielte Ansprache von jungen Frauen

Swissmem ist auf vielen verschiedenen Ebenen aktiv, um dies zu ändern. Dies beginnt damit, dass Frauen aus allen Bereichen der Industrie in den Publikationen ein Gesicht gegeben wird und sie auch zu Wort kommen. Auf der Website von Tecindustry wird gezeigt, wie sinnstiftend, vielfältig und zukunftsfähig die Arbeit in der MEM-Industrie ist. Mit der neuen Branchen- und Berufsmarketingkampagne Faszination Technik sprechen wir gezielt auch junge Frauen an. Und mit unserm Engagement für die MINT-Förderung möchten wir schon auf Volksschulstufe Mädchen und Jungen für die Welt der Technik begeistern.

Ein weiteres Beispiel ist der Diversity & Inclusion Benchmark, der dem eingangs zitierten Gender Intelligence Report zugrunde liegt. In Kooperation mit Swissmem hat die Universität St. Gallen dieses Jahr erstmals einen Branchenbenchmark für die MEM-Industrie realisiert. Die HR-Daten, die in diesen Benchmark eingeflossen sind, repräsentieren immerhin zehn Prozent der Belegschaft der Swissmem-Mitgliedfirmen. Die beteiligten Firmen können aus der individuellen Auswertung ihre eigenen Schlüsse ziehen und passende Massnahmen ableiten, während Swissmem die wichtigsten Handlungsfelder für die gesamte Branche erkennen kann.

Rahmenbedingungen, die Integration von Frauen unterstützen

Nicht zuletzt setzt sich Swissmem auch für Rahmenbedingungen ein, welche die Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt unterstützen. Zum Beispiel zeitgemässe Arbeitsbedingungen im Gesamtarbeitsvertrag der MEM-Branche oder den Abbau von steuerlichen Fehlanreizen. Dass die Volksinitiative zur Individualbesteuerung kürzlich zustande gekommen ist, ist mit Blick auf den Fachkräftebedarf ein positives Signal.

Noch besteht in Sachen Diversität in der MEM-Industrie viel Luft nach oben. Aber der Weg dorthin wird zumindest nicht durch eine dicke gläserne Decke versperrt. Die Industrie bietet vielfältige Chancen auf allen Funktionsebenen. Sind Sie interessiert? Auf der Tecindustry-Webseite werden alle offenen Jobs und Lehrstellen der Swissmem-Mitgliedfirmen sowie sämtliche Ausbildungswege in der MEM-Industrie aufgezeigt.

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