CEO Walter Schweiz, Peter Petri, im Exklusivinterview mit dem SMM

«Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom»

| Redakteur: Matthias Böhm

Wie schätzen Sie die zukünftige Schweizer Situation in der Turbinenfertigung ein?

P. Petri: Wir wissen nicht, wie sich die betroffenen Standorte und die hier vertretenen Konzerne verändern werden. Ich hoffe, dass die international agierenden Konzerne die Schweizer Standortvorteile erkennen. Das müssen wir abwarten. Am Werkplatz Schweiz stehen herausragende Fachkräfte zur Verfügung mit ausgezeichnetem Produktions-Knowhow. Auch für den Fall, wo die Fertigung ausgelagert werden sollte, sind wir als Walter global und für den Kunden hervorragend aufgestellt.

Und welches Feedback haben Sie vom Schweizer Markt im Generellen bekommen?

P. Petri: Geschätzte 60 bis 70 Prozent der Schweizer Produktion gehen unmittelbar in den Export und sind somit direkt betroffen vom starken Schweizer Franken, dies aber nicht erst seit dem 15.1.2015. Die Währungsentwicklung ist leider schon länger zu ungunsten der Schweizer Exporteure verlaufen, das hat seine Spuren hinterlassen. Gewisse Firmen haben ihre Verlagerungspläne beschleunigt, haben outgesourct. Der Zerspanungsanteil in der Schweiz nimmt kontinuierlich ab.

Wie nehmen Sie den strategischen Werkzeugeinkauf wahr, heisst das, dass die Unternehmen nicht nur nach den Werkzeug-Preisen schauen, sondern auch versuchen, die Produktivität zu steigern?

P. Petri: Meine Einschätzung ist, dass die meisten der produzierenden Unternehmen nach wie vor zu sehr auf die reinen Kosten der Werkzeuge, anstatt verstärkt auf die Kosten im Verhältnis zur Produktivität der Werkzeuge achten. Letzteres ist natürlich erheblich komplexer zu evaluieren, deshalb braucht es dazu auch gemeinsame Anstrengungen und dementsprechende Ratio-Projekte, wie wir sie nennen. Ich kann von produzierenden Unternehmen nicht erwarten, dass sie ständig Benchmarks fahren, welches Werkzeug mehr Zeitspanvolumen und höhere Standzeiten bringt. Aber ich würde es mir vermehrt wünschen.

Thema trochoidales Fräsen, auch das bringt mehr Zeitspanvolumen gegenüber dem klassischen Abzeilen?

P. Petri: Absolut, ein Fräsverfahren, das Ihnen schnell 30 % höheres Zeitspanvolumen bringen kann. Aber: Der Prozess ist etwas komplexer. Er hat auch direkt Einfluss auf die CAM-Programmierung bzw. hängt von ihr ab. Die CNC-Programme, die eingesetzten Werkzeuge, auch die WZM müssen hierfür geeignet sein. Für den Anwender heisst das: Ein zuvor stabiler Produktionsprozess muss durch einen neuen Zerspanungsprozess ersetzt werden; davor scheuen noch zu viele Unternehmen zurück.

Ein CAM-Hersteller sagte kürzlich gegenüber dem SMM, dass nach dem 15. Januar vermehrt Anfragen aus der Schweiz bezüglich der trochoidalen CAM-Module gekommen wären.

P. Petri: Der 15. Januar mit seinen bekannten Folgen war ein Datum, mehr Mut zu entwickeln. Das trochoidale Fräsen hat Potential. Der gesamte Prozess des trochoidalen Fräsens ist aus meiner Sicht ein Element der Zukunft. Hier ist die Verschmelzung von digitalen Prozessen und modernstem Maschinenbau und Steuerungstechnik bis hin zur Zerspanung nahezu perfekt. Das trochoidale Fräsen sorgt beim Auskammern für höheres Zeitspanvolumen. Die Standzeit der Werkzeuge nimmt zu. Der Produktionsprozess wird günstiger. Aber das geht nicht auf Knopfdruck. Wir gewinnen durch solche Konzepte einen erfolgreichen wirtschaftlich agierenden Kunden. Unternehmen, die zu teuer produzieren müssen, werden uns langfristig nicht erhalten bleiben können.

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