CEO Walter Schweiz, Peter Petri, im Exklusivinterview mit dem SMM

«Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom»

| Redakteur: Matthias Böhm

Sie sind somit langfristig auch von der technologischen Weiterentwicklung Ihrer Kunden abhängig?

P. Petri: Absolut, ich würde mir mehr Projekte mit unseren Kunden wünschen, wie wir die Fertigung gemeinsam optimieren können. Generell: Die Produktivität kann in vielen Fällen erheblich gesteigert werden, durch bessere Werkzeuge, Innenkühlung, Spanntechnik, cleverere Bearbeitungs-Strategien usw.

Zurück zu Konkurrenzfähigkeit des Werkplatzes, wie schätzen Sie die aktuelle Situation ein?

P. Petri: Die Konkurrenz aus dem Ausland ist stärker geworden. Schweizer Qualität, Swissness, Loyalität, hohe Transparenz alleine reichen nicht mehr, um international konkurrenzfähig zu sein. Deshalb müssen sich die Unternehmen zunehmend Gedanken darüber machen, den gesamten Produktentstehungs-Prozess von der Entwicklung bis hin zur Produktion und Montage – Service inklusive – so kostenoptimiert wie nur überhaupt möglich zu gestalten.

Woran denken Sie da?

P. Petri: Ein einfaches Beispiel: Welche Toleranzen oder Oberflächen in Industrieprodukten sind für die zuverlässige Funktionsweise wirklich notwendig? In der Designphase werden, um auf der sicheren Seite zu sein, die Toleranzen und Oberflächenrauigkeiten oft zu klein angesetzt, was höhere Produktionskosten nach sich zieht. Viel wichtiger wären Prozesssicherheit und gleichzeitige Wirtschaftlichkeit. Wenn eine Zeichnung einmal gemacht ist, dann bleibt diese bestehen. Kostenoptimierungspotentiale bleiben leider oft am Schlummern. Eine längere Zuliefererkette ist in diesem Zusammenhang sicherlich keine Erleichterung.

Heisst das, die Konstruktion kümmert sich zu wenig um die Produktionskosten?

P. Petri: Konstrukteure denken funktional, das ist auch richtig und wichtig. Sie machen ihre Arbeit ausgezeichnet. Aber das Fertigungs-Know-how, sollte noch stärker in die Konstruktion einfliessen. Konstrukteure sollten die nachfolgenden produktiven Prozesse in ihrer Konstruktion vermehrt berücksichtigen, um die Folgekosten zu senken. Eine Toleranz von IT7 auf IT6 zu ändern, ist ein Tastendruck weiter links. Aber was bedeutet IT6 anstelle von IT7 für die Produktionsprozesse? Diese werden erheblich aufwendiger und teurer. Hier steckt einiges an Potential. Generell ist zu hinterfragen: Welche Toleranzen sind wirklich notwendig?

Und was heisst das auf den Werkplatz übertragen?

P. Petri: Die grösste Herausforderung für den Werkplatz Schweiz ist, wettbewerbsfähig zu bleiben. Wir müssen die besten Lösungen finden und umsetzen. Es steht und fällt vieles mit der Prozesssicherheit und -optimierung. Das ist die Herausforderung der Zukunft, dafür braucht man gut ausgebildete Mitarbeiter, die gesamtheitlich denken und das managen können. Die 4. Industrielle Revolution wird uns diese Auf- gaben nicht lösen, sie bringt viele Mög- lichkeiten und Systeme, aber es braucht den Menschen, der weiss, was er wie optimiert.

Und abschliessend zu unserer Kernfrage, wie schätzen Sie die Zukunft des Werkplatzes Schweiz ein?

P. Petri: Das ist nicht einfach zu beantworten, weil verschiedene Faktoren eine Rolle spielen, die wir nicht direkt beeinflussen können. Heute ist der Euro bei ca. 1.10, vielleicht geht er auch wieder auf 1.20 oder mehr, aber ich weiss das nicht. Es hängt sehr stark von solchen Entwicklungen ab. Wenn der Franken sich abschwächt, wird sich die Export-Industrie in der Schweiz besser entwickeln können. Deshalb müssen die Unternehmen flexibel auf die sich verändernden Rahmenbedingungen reagieren können. Ständige Veränderungen sind ein Naturgesetz. Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom. Wir müssen gegen den Strom schwimmen, um unsere Ziele zu erreichen. Das braucht Kraft und Ausdauer. Momentan schwimmen wir in der Schweiz sogar gegen Stromschnellen an. Aber auch das werden wir schaffen. Da bin ich Optimist. <<

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