Suchen

PTV c/o Noventa Tooling AG: Veränderungen vorantreiben

Redakteur: Matthias Böhm

>> Das OTS (Ostschweizer Technologiesymposium) in Sankt Gallen entwickelt sich zu einem Treffpunkt von Entscheidern der Ostschweizer Industrie und darüber hinaus. Das diesjährige 11. OTS stand voll und ganz im Zeichen des Wandels. Wie sollten Unternehmen sich aufstellen, damit sie auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben? Flexibilität und Veränderung als Vorwärtsstrategie stand somit im Zentrum der Veranstaltung.

Firmen zum Thema

OTS-Präsident Christoph Stalder betonte in seiner Einführungsrede zum OTS 2011, dass es wichtig sei, sich als Unternehmensführer für stürmische Zeiten zu rüsten. Hierfür sei Flexibilität sowohl im unternehmerischen Denken als auch im Handeln ganz wesentlich. Das sei umso wichtiger in Anbetracht der aktuellen wirtschaftlichen Unwägbarkeiten. Denn Schweizer Unternehmen stünden durch die Währungssituation vor anspruchsvollsten Herausforderungen. Selbst dann, wenn die Weltwirtschaft in den nächsten Monaten gut liefe.

Wandel als einzige Konstante

Schwerpunktthema war wie bereits erwähnt, dem stetigen wirtschaftlichen Wandel durch hohe Flexibilität zu begegnen und sich als Unternehmen immer wieder den neuen Herausforderungen zu stellen. Jürgen Dold, Präsident und CEO der Leica Geosystems AG, zeigte dies anhand der historischen Entwicklung des Unternehmens Wild auf. Es wurde 1921 in Heerbrugg mit 15 Mitarbeitern als Garagenfirma gegründet und repräsentiert heute mit Leica Geosystems einen Technologiekonzern (900 Mitarbeiter in Heerbrugg). In diesen 90 Jahren war Wandel die einzige Konstante.

Schlechtes vermeiden, Gutes wiederholen

J. Dold betonte, dass ohne Entscheidungen kein Wandel möglich ist. Entscheidungen können richtig, aber auch falsch sein. Umso wichtiger ist es, aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen. «Do the things right», ist die heutige Philosophie von Leica Geosystems. Das bedeutet, aus der Vergangenheit zu lernen: schlechtes Vermeiden, gutes Wiederholen.

Doch die Ansprüche an neue Geräte werden immer höher: Die Vermessungssysteme können kaum teurer an den Markt gebracht werden. Ganz im Gegenteil, sie werden billiger und das obwohl sie mehr Technologie integriert haben. Hierfür braucht es Flexibilität, im Denken, in den Prozessen und im Handeln. Flexibilität in der Unternehmensführung ist das eine. Aber auch von den Mitarbeitern muss Flexibilität eingefordert werden, um auf neue Marktbedürfnisse effektiv reagieren zu können.

Wandel gehört zum Geschäftsmodell

Für ein Unternehmen wie Leica Geosystems AG, das im Bereich des Vermessens von räumlichen Strukturen tätig ist, ist die kontinuierliche Veränderung von Gebirgen, Landschaften und Städten ein bedeutender Geschäftsbereich. Mit ihren Messsystemen vermisst das Unternehmen beispielsweise Städtestrukturen in 3D und kann so den Wandel von Städten in 3D hervorragend visualisieren. Zugespitzt formuliert bringt geographischer Wandel Leica Geosystems Umsatzmöglichkeiten.

Nicht zuletzt zeigte J. Dold auf, welche grossen Herausforderungen der Wandel bedeutet und wie man sich als Unternehmen auf den stetigen Wandel einzustellen hat und davon profitieren kann. Zum Schluss machte J. Dold noch einen Hinweis auf die neuen Kommunikationsplattformen: Flexibilität heisst auch, sich zu überlegen, wie junge Menschen angesprochen werden können. Hierfür sind die neuen Plattformen wie Facebook usw. ein modernes und zeitgemässes Instrumentarium, selbst für «traditionelle» Unternehmen wie Leica Geosystems.

Stahl- und Metallwaren flexibel anbieten

Das, was für einen Weltkonzern wie Leica Geosystems gilt, kann in Teilbereichen übertragen werden auf einen (zum grossen Teil) lokal agierenden Schweizer Stahl- und Metallwarenhändler. Max Rutz (Delegierter des Verwaltungsrates der Stürm SFS AG) zeigte auf, wie die Stürm SFS AG sich heute aufstellen muss, um erfolgreich zu sein.

Vor 50 Jahren war das Angebotsspektrum noch sehr übersichtlich. Das hat sich komplett verändert. Aufgrund der zunehmenden Diversifikation der Schweizer Kundschaft muss das Sortiment an Metallen sehr umfangreich gestaltet werden. Neben Stahl- und Aluminium-Standardprodukten wird ein breites Lager an nichtrostenden Stählen angeboten. Zusammen mit europäischen Lieferwerken werden Speziallösungen insbesondere für die Maschinen-, Möbel- und Werkzeugindustrie, das Bau- und Baunebengewerbe entwickelt. Verstärkt setzt das Unternehmen auf Kundenlösungen, konkret heisst das: Spezialprofile, die nach speziellen Kundenwünschen inklusiv mechanischen Bearbeitungen hergestellt werden.

Pionierarbeit: Plasma- Brennschneidtechnik

Pionierarbeit leistete die Stürm SFS AG in der autogenen und Plasma-Brennschneidtechnik. Mit dem (nach eigenen Angaben) grössten Brennbetrieb der Schweiz ist das Unternehmen Marktführer auf diesem Gebiet. Das Unternehmen verfügt über einen 3D-Brennschneidroboter, der eine wirtschaftliche Alternative zu mechanisch gefertigten Teilen bietet, vom Prototypen bis zur Serie.

Die Brennschneidtechnik wird mit zahlreichen wertvermehrenden Zusatzleistungen ergänzt: Sauber verputzt, eben gerichtet, stahlkorngestrahlt und zinkstaubgrundiert usw.

Damit der Kunde die fertigen Brennteile direkt verschweissen kann, werden auch die Schweisskanten vorbereitet. Wer Startlöcher oder horizontal bearbeitete Massbleche benötigt, erhält Support mit vorbereitenden mechanischen Bearbeitungen. Um Verwerfungen bei der spanabhebenden Bearbeitung zu vermeiden, liefert das Unternehmen auf Wunsch spannungsfrei geglühte Massbleche (Wärmebehandlungen).

Jede gewünschte Form – millimetergenau

Apropos Flexibilität: Das Unternehmen liefert Stahlbleche in Dicken von 6 bis 300 mm aus lagerhaltigen Formaten bis 3000 x 12000 mm, auf Anfrage sind auch grössere Formate möglich. Jede gewünschte Form wird millimetergenau geliefert.

Auch Prüfbescheinigungen können, sofern gewünscht, realisiert werden. Sämtliche Grobbleche oder daraus gefertigte Massbleche können mit einem Abnahmezeugnis nach EN 10204/3.1 B geliefert werden. Als Nachweis der Materialqualität kann das Unternehmen gemäss SVTI-Vorschriften Stempelübertragungen vornehmen.

Elektrische und optische Verbindungstechnik

Der darauffolgende Vortrag räumte wieder einem weltweit agierenden Unternehmen Raum ein: Huber + Suhner ist ein führender Hersteller und Anbieter von Komponenten und Systemen für die elektrische und optische Verbindungstechnik. Mit Hauptsitz in Pfäffikon (ZH) in der Schweiz, 24 Gesellschaften und zahlreichen Vertretungen in über 60 Ländern weltweit.

Weltweit entwickelt und produziert das Unternehmen oft in enger Zusammenarbeit mit den Kunden qualitativ hochwertige Produkte der Spitzenklasse, die in drei Bereiche gegliedert sind:

Erstens: Ein Teilspektrum des Produktportfolios sind HF- und Mikrowellenprodukte für globale Bedürfnisse. Das Know-how liegt in den Bereichen HF-Verbinder, -Kabel und -Baugruppen, resistive Komponenten, Antennen, Mikrowellenmodule und Blitzschutzkomponenten.

Zweiter Sektor ist Fiberoptik, in diesem Segment wird ein komplettes Produktesortiment an Standard-Fiberoptik-Verbindern, -Kabeln und -Assemblies (Patchkabel) produziert, für private und öffentliche Netze sowie für industrielle Anwendungen. Der dritte Geschäftsbereich ist die Niederfrequenz-Technologie.

Huber + Suhner müsse nach Aussage von Ulrich Schaumann (Leiter Global Operations) Strategien entwickeln, die es dem Unternehmen ermöglichen, auf Megatrends zu reagieren. Beispielsweise muss reagiert werden, wenn der Sektor erneuerbarer Energien wie Solar und Windkraft in Zukunft ein bedeutender Markt werden kann. Doch die beste Technologie nützt wenig, wenn die Reaktionsfähigkeit nicht schnell genug ist. Kürzere Lieferzeiten sind ein entscheidender Faktor. Letztlich macht der das Geschäft, der am schnellsten liefern kann.

Im Bereich Flexibilität sind folgende Aspekte gefragt: Volumenflexibilität, Reaktionsflexibilität, Umrüstflexibilität, aber auch flexibel sein bezüglich der Anzahl der Produkte und nicht zuletzt eine Technologie- und Transferflexibilität.

One-piece-flow

Für die Produktion und Montage heisst das, dass die Produktions- und Montageprozesse entsprechend dem Angebotsportfolio zugeschnitten sein müssen. Eine flexible Automation bringt eine höhere Flexibilität bei akzeptablem Ausstoss. Manuelle Prozesse sind zwar hochflexibel, aber kostenintensiv. Wenn auf manuelle Montage gesetzt wird, dann optimal auf die one-piece-flow-Methode: Mit ihr kann ein breites Produktspektrum abgedeckt werden, es sind kaum Rüstzeiten notwendig und sie bringt relativ gute Durchlaufzeiten.

Flexible Mitarbeiter gefordert

Entscheidend ist letztlich aber, dass die Mitarbeiter bereit sind, Flexibilität zu leben. Das bedeutet beispielsweise, dass die Mitarbeiter am Wochenende arbeiten, sofern notwendig. Das funktioniert aber nur, wenn zwischen dem Unternehmen und den Mitarbeitern eine langfristige vertrauensvolle Zusammenarbeit gelebt wird.

Bildungssystem muss sich anpassen

Apropos Flexibilität und Veränderung: Hier brachte der Publizist Beat Kappeler einen für die MEM-Industrie entscheidenden Hinweis: Das Bildungssystem verhindert in einem bestimmten Mass naturwissenschaftlich begabten Jugendlichen, die ihre Stärken nicht im sprachlichen Bereich haben, den Weg hin zur Matur, weil sie zu sehr sprachlich orientiert ist. Hier müsse sich das Bildungssystem in Zukunft auch an die Industrie anpassen. Aller Fortschritt der Firmenorganisation nütze wenig, wenn die Gesellschaft an Ort tritt. Sie nimmt technische und ökonomische Veränderungen oft nicht wahr, oder zu spät. Hier müsse sich etwas ändern.

Fazit

Am Ostschweizer Technologiesymposium konnte eindrücklich aufgezeigt werden, dass der Wandel die einzige Konstante ist und dringend notwendig, um auch in Zukunft erfolgreich am Markt zu agieren. Auch das OTS hat sich in den letzten elf Jahren gewandelt und verändert und sich zu einer bemerkenswerten Technologie-Plattform in der Ostschweiz entwickelt. <<

(ID:29300860)