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Interview mit Eugen Elmiger - Maxon Motor AG Schutzmassnahmen und Entscheide mit Augenmass

Autor / Redakteur: Silvano Böni / Silvano Böni

Wie reagieren Schweizer Unternehmen auf die aktuelle Corona-Situation? Wie schützen sie sich und ihre Beschäftigten? Welche positiven Aspekte konnte man gar aus der Krise ziehen? Wir fragten bei Eugen Elmiger, CEO von Maxon, nach.

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«Entscheide und Massnahmen mit gesundem Menschenverstand sowie Vertrauen und ein respektvolles Miteinander.» Eugen Elmiger, CEO Maxon Motor, über die Erwartungen an Politik und Gesellschaft
«Entscheide und Massnahmen mit gesundem Menschenverstand sowie Vertrauen und ein respektvolles Miteinander.» Eugen Elmiger, CEO Maxon Motor, über die Erwartungen an Politik und Gesellschaft
(Bild: Maxon)

SMM: Wie wurde Ihr Unternehmen von der Covid-19-Pandemie insgesamt getroffen und wie hat Ihr Unternehmen reagiert?

Eugen Elmiger: Die Maxon-Gruppe ist ein weltweit tätiges Unternehmen mit neun Produktionsstätten und Vertriebsgesellschaften in über 30 Ländern. Entsprechend wurden wir überall von der Covid-19-­Pandemie getroffen und reagierten global und lokal mit der Einführung von Taskforces. Wir beschlossen einen Reisestopp per 30. Januar 2020 von und nach Asien, und weitere Länder folgten. Es wurde ein Investitions- und Einstellungsstopp verfügt, gleichzeitig mussten wir unsere Kommunikation auf
elektronische Mittel umstellen – und das rasch. Unsere IT hat hier grossartige Arbeit geleistet und in nur zwei Wochen eine Homeoffice-Infrastruktur aufgebaut. Das Wichtigste war von Anfang an,
dass wir die Gesundheit unserer Mitarbeitenden schützen und unsere Kunden weiterhin beliefern konnten.

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat die aktuelle Situation auf Ihr Unternehmen. Können Sie Angaben machen bezüglich der Entwicklung des Umsatzvolumens und Auftragseingangs gegenüber dem Vorjahr?

E. Elmiger: Im Automobil- sowie im Aviationmarkt ist die Nachfrage für Präzisionsantriebe dieses Jahr wegen der Pandemie stark rückläufig. Gleichzeitig stellen wir einen erhöhten Bedarf im Medizinbereich fest – insbesondere für Anwendungen wie Beatmungsgeräte oder Labor-Analyseautomaten. Wie bereits Mitte Jahr kommuniziert, gehen wir von einem Umsatzrückgang von rund 10 Prozent aus.

Welche Massnahmen haben Sie innerhalb Ihres Unternehmens umgesetzt, um die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter zu schützen?

E. Elmiger: Am Hauptsitz in der Schweiz haben wir von Anfang an auf eine verstärkte Kommunikation gesetzt und die Mitarbeitenden aufgefordert, die Hände regelmässig zu waschen und den Mindestabstand einzuhalten. In Sitzungsräumen und im Personalrestaurant wurde die Anzahl Plätze reduziert, und Firmenbesuche wurden untersagt. Reinigungsteams desinfizieren bis heute mehrmals täglich Oberflächen und Handläufe. Zusätzlich wurden Fiebermessstationen installiert, an denen Mitarbeitende täglich vor Arbeitsbeginn ihre Körpertemperatur messen. Seit dieser Woche (21. Oktober) gilt zudem eine allgemeine Maskenpflicht in allen Gebäuden. Ebenso setzt Maxon erneut – wie schon im Frühling – auf verstärktes Homeoffice, damit sich weniger Leute vor Ort aufhalten und der ÖV entlastet wird. So weit es möglich ist, arbeitet jeweils die Hälfte der Mitarbeitenden einer Abteilung von zu Hause aus. Mit all diesen Massnahmen hat sich bisher zum Glück niemand innerhalb des Unternehmens angesteckt.

Das Wichtigste war von Anfang an, dass wir die Gesundheit unserer Mitarbeitenden schützen und unsere Kunden weiterhin beliefern konnten.

Eugen Elmiger, CEO Maxon Motor

Homeoffice ist in Teilen möglich. In der Produktion praktisch nicht. Welche Massnahmen haben Sie in Ihrer Produktion umgesetzt?

E. Elmiger: Die Arbeitsplätze in der Produktion wurden teilweise verschoben, um den Mindestabstand zwischen den Mitarbeitenden sicherzustellen. Wo dies nicht möglich war, sind Plexiglasscheiben montiert worden. In einzelnen Linien ist zudem schon früh eine Maskenpflicht eingeführt worden. Inzwischen gilt eine solche überall.

Wie sind die Reaktionen Ihrer Mitarbeiter auf die Massnahmen gewesen?

E. Elmiger: Unsere Mitarbeitenden setzen die Massnahmen sehr gut um. Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass die freiwillige Temperaturmessung zu Beginn des Arbeitstages praktisch von der ganzen Belegschaft durchgeführt wird. Es ist für alle eine schwierige Zeit. Kommt hinzu, dass wir traditionelle und sehr beliebte Mitarbeiterevents wegen der Pandemie streichen müssen. Doch trotz allem zeigen die Leute weltweit ausserordentliche Flexibilität und Durchhaltewillen, um sicherzustellen, dass der Betrieb weiterläuft, die Kunden ihre Antriebe erhalten und gleichzeitig die Sicherheit der Belegschaft immer gewährleistet bleibt.

Was ist aus Sicht Ihres Unternehmens notwendig, um die Pandemie so gut wie möglich zu überstehen?

E. Elmiger: Stabile globale Lieferketten, möglichst offene Grenzen und Schutzmassnahmen mit Augen­mass.

Die Covid-19-Situation ist eine absolute Ausnahmesituation. Welche positiven Erkenntnisse haben Sie aus der Situation gezogen?

E. Elmiger: In der Maxon-Gruppe verfügen wir über kurze Entscheidungswege, was uns in dieser Pandemie hilft: nicht nur in Bezug auf die Umsetzung von neuen Schutzmassnahmen, sondern auch in der Reaktion auf veränderte Marktbedingungen. So haben wir rasch einen «medical fast track» eingerichtet, um die hohen Bestellvolumen im Medizinbereich bereitstellen zu können (für Covid-19-Anwendungen wie Beatmungsgeräte oder Laborautomaten).

Erfreulich ist auch, wie gut die digitale Handhabung von länderübergreifenden Projekten funktioniert hat. Zum Beispiel, dass der globale virtuelle Roll-out unserer ERP-Software in unsere Ländergesellschaften vorbildlich verlaufen ist, unsere Mitarbeitenden trotz erschwerter Bedingungen und vermehrten Homeoffice motiviert bleiben und alles für unsere Kunden tun.

Schön ist nicht zuletzt die hohe Solidarität innerhalb der Gruppe. Ein Beispiel: Als der Montagebereich an unserem Standort in Frankreich wegen nationaler Einschränkungen schliessen musste, lieferten die niederländischen Kollegen rasch und unkompliziert Schutzmaterial, damit die Produktion wieder den Betrieb aufnehmen konnte.

Was sind Ihre Erwartungen an Politik und Gesellschaft in Bezug auf die Covid-19-Pandemie?

E. Elmiger: Entscheide und Massnahmen mit gesundem Menschenverstand sowie Vertrauen und ein respektvolles Miteinander. SMM

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