International Federation of Robotics (IFR)

Tiefe Roboterdichte: Schweiz weist tiefen Automatisierungsgrad aus

| Redakteur: Sergio Caré

Weltweit steigt die Zahl an Robotern, wie die von Kuka im Bild, in der Fertigungsindustrie: Tendenz weiterhin zunehmend.
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Weltweit steigt die Zahl an Robotern, wie die von Kuka im Bild, in der Fertigungsindustrie: Tendenz weiterhin zunehmend. (Bild: Kuka)

Die Roboterdichte steigt weltweit um 12 Prozent. Das ist ein neuer Rekord. Die Top 10 der am meisten automatisierten Länder der Welt sind: Südkorea, Singapur, Deutschland, Japan, Schweden, Dänemark, USA, Italien, Belgien und Taiwan. Die Schweiz liegt abgeschlagen auf Platz 19.

Frankfurt – Die Automation der Volkswirtschaften läuft weltweit auf Hochtouren: Mit einer durchschnittlichen Roboterdichte von 74 Einheiten pro 10 000 Mitarbeiter ist diese weltweit in den letzten zwei Jahren um rund 12 Prozent angestiegen. Dies sind Ergebnisse aus dem World Robotics Report 2017, der von der International Federation of Robotics (IFR) veröffentlicht wurde. «Die Roboterdichte ist ein wichtiger Vergleichsstandard, um die Unterschiede im Automatisierungsgrad der Fertigungsindustrie verschiedener Länder zu berücksichtigen», sagt Junji Tsuda, Präsident der International Federation of Robotics. «Aufgrund der sehr zahlreichen Roboterinstallationen in Asien während der letzten Jahre weist die Region die höchste Wachstumsrate auf: Zwischen 2010 und 2016 lag die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate der Roboterdichte in Asien bei 9 Prozent, in Amerika bei 7 Prozent und in Europa bei 5 Prozent.»

Die Top 10 der am meisten automatisierten Länder der Welt sind: Südkorea, Singapur, Deutschland, Japan, Schweden, Dänemark, USA, Italien, Belgien und Taiwan. Die Schweiz liegt auf Platz 19. Hauptgründe für die hohe Zahl an Robotern in den aufgezählten Ländern liegt vor allem an den PKW-Herstellern, welche in der Anfangszeit der Roboterindustrie die treibende Kraft war. «Die ersten Industrieroboter in den 1970er und 80er Jahren wurden für den Einsatz in der Automobilindustrie entwickelt», sagt die Pressesprecherin von ABB Robotics Anne Waltenberger auf Anfrage. «Das Wachstum der Industrieroboterindustrie folgte zunächst auch dem Wachstum der Automobilindustrie», erklärt sie. Im Laufe der Jahre, mit der raschen Industrialisierung der Schwellenländer und den demografischen Veränderungen, wurde das Bewusstsein für Industrieroboter als Produktionsassistent weit verbreitet. Kein Wunder also, dass Länder wie China oder Mexiko stark am aufholen sind.

Asien: Südkorea und Singapur vorne

Die Entwicklung der Roboterdichte in China war die dynamischste weltweit. Insbesondere zwischen 2013 und 2016 verzeichnete das Reich der Mitte ein starkes Wachstum bei den Installationen: Die Roboterdichte verdreifachte sich beinahe von 25 Einheiten im Jahr 2013 auf 68 Einheiten im Jahr 2016. Heute liegt China weltweit auf Platz 23. Die chinesische Regierung forciert diese Entwicklung weiter. Die Roboterdichte soll auf 150 Einheiten steigen. Darüber hinaus sollen bis 2020 insgesamt 100 000 im Inland produzierte Industrie­roboter verkauft werden. Derzeit sind es laut IFR 27 000 Einheiten, die von chinesischen Roboterherstellern geliefert werden. Der Anteil ausländischer Roboterlieferanten ist doppelt so gross.

Weltweit hat die Republik Korea die mit Abstand höchste Roboterdichte in der Fertigungsindustrie – eine Position, die das Land seit 2010 hält. Die Roboterdichte übertrifft den globalen Durchschnitt um gut das Achtfache (631 Einheiten). Diese Rate ist das Ergebnis der anhaltend hohen Anzahl von Roboterinstallationen – insbesondere in der Elektro-/Elektronik­industrie und in der Automobilindustrie.

Singapur folgt an zweiter Stelle mit einer Rate von 488 Robotern pro 10 000 Mitarbeiter im Jahr 2016. Rund 90 Prozent der Roboter sind in der Elektronikindustrie in Singapur installiert.

Japan rangiert auf Platz vier der Welt mit 303 Robotern pro 10 000 Mitarbeiter in der Fertigungsindustrie. Japan ist der weltweit führende Industrieroboterhersteller: Die Produktionskapazität der japanischen Zulieferer beträgt 153 000 Roboter. Heute decken die japanischen Hersteller 52 Prozent des weltweiten Marktbedarfs.

Nordamerika: Mexiko weit hinter USA

Auch in den USA steigt die Zahl an Robotern. Sie liegen mit ihren 189 Einheiten weltweit auf dem siebten Platz. Seit 2010 hat die Modernisierung der inländischen Produktionsanlagen den Roboterabsatz in den USA angekurbelt. Hauptgrund für dieses Wachstum war der anhaltende Trend zur Automatisierung der Produktion, um die amerikanischen Industrien im internationalen Wettbewerb zu stärken. Ziel war zudem, die Produktion im eigenen Land zu halten oder in einigen Fällen auch die Produktion aus dem Ausland zurückzuholen. Die Automatisierung der Automobilindustrie mit Industrierobotern macht dabei mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes im Jahr 2016 aus. Auch hier sehen Experten weiteres Wachstumspotenzial von 15 Prozent pro Jahr.

Mexiko ist vor allem eine Produktionsdrehscheibe für Automobilhersteller und Automobilzulieferer, die in die USA und zunehmend auch nach Südamerika exportieren. Mit einem Anteil von 81 Prozent im Jahr 2016 ist die Automobilindustrie der mit Abstand grösste Abnehmer. Die Roboterdichte liegt mit 33 Robotern jedoch immer noch unter dem Weltdurchschnitt von 74 Einheiten pro 10 000 Arbeiter. Dies liegt auch an den tieferen Stundenlöhnen der Arbeiter im Vergleich zu den USA.

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Europa: UK unter Weltdurchschnitt

Das am stärksten automatisierte Land in Europa ist Deutschland – mit 309 Einheiten im weltweiten Vergleich auf Platz 3. Der Jahresabsatz und der operative Bestand an Industrierobotern im Jahr 2016 hatten einen Anteil von 36 Prozent beziehungsweise 41 Prozent am gesamten Roboterabsatz in Europa. Zwischen 2018 und 2020 wird der jährliche Absatz in Deutschland aufgrund der steigenden Nachfrage nach Robotern in der allgemeinen Industrie und in der Automobilindustrie weiterhin um durchschnittlich mindestens 5 Prozent pro Jahr wachsen.

Deutlich darunter ist die Roboterdichte in Frankreich mit 132 Einheiten. Immerhin Platz 18. Auch im Vergleich zu anderen EU-Ländern schliessen unsere westlichen Nachbarn relativ schwach ab. EU-Mitglieder wie Schweden (223 Einheiten), Dänemark (211), Italien (185) und Spanien (160) sind mit Industrierobotern im Fertigungsbereich wesentlich stärker automatisiert. Die neue Regierung in Frankreich ist allerdings dabei, die Wettbewerbsfähigkeit des Landes im verarbeitenden Gewerbe zu stärken. Dies könnte dazu führen, dass in den nächsten Jahren neue Roboter installiert werden. Zwischen 2018 und 2020 wird mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate zwischen 5 und 10 Prozent gerechnet.

Als einziges G7-Land hat Grossbritannien mit 71 Einheiten eine Roboterdichte unter dem Weltdurchschnitt von 74 Produktionsassistenten (Rang 22). Die allgemeine Industrie benötigt dringend Investitionen, um die Produktivität zu modernisieren und zu steigern. Ob sich diese Zahl in den nächsten Jahren ändern wird, ist wegen der Brexit-Unsicherheit fraglich.

Schweiz hinter Osteuropa und Balkan

Die osteuropäischen Länder Slowenien (137 Einheiten, Rang 16 der Welt) und die Slowakei (135 Einheiten, Rang 17 der Welt) weisen wie viele Länder in Osteuropa eine steigende Roboterdichte auf. Die Tschechische Republik liegt mit 101 Einheiten auf Platz 20 der Weltrangliste. Die Roboterlieferungen in Tschechien und der Slowakei hängen vor allem von der Nachfrage der Automobilindustrie ab. Slowenien ist unter den Balkanländern das führende Land: 60 Prozent der gesamten Lieferungen in dieser Region gingen an die Automobilindustrie in Slowenien (387 Einheiten, 33 Prozent mehr als im Jahr 2015).

Die ehemaligen Ostblockstaaten übertreffen sogar die Schweiz, die mit 128 Einheiten den 19. Rang inne hat. Hauptgrund dafür liegt wie anfangs erwähnt am geringen Stellenwert der Automobilindustrie in der Schweiz. «Die typischen Produkte, welche in der Schweiz hergestellt werden sind Uhren, Schmuck, Medizinal- , Pharma- oder Kosmetikprodukte», erklärt Pierre Rottet Verlaufsleiter von Fanuc, die Roboter für die Industrie herstellt. Ausserdem würden eher kleinere Losgrössen mit einer grösseren Typenvarianz produziert. Dies sei schwieriger zu automatisieren. Gleich tönt es vom Branchenverband Swissmem: Die Schweizer Industrie konzentriere sich vor allem auf spezialisierte Nischenprodukte mit hoher Wertschöpfung. Hier habe die Schweiz ihre Stärken.

Die Roboterdichte steigt hierzulande

Heute sind Roboter ein Synonym für die moderne und effiziente Produktion, auch in vielen anderen Bereichen wie z. B. der Lebensmittelindustrie und Elektronik. In den letzten zehn Jahren stieg darum die Dichte an Roboterassistenten. Die verfügbaren Statistiken seit dem Jahr 1993 zeigen, dass die Robotik-Branche im Jahresvergleich durchschnittlich um 7,7 Prozent gewachsen ist.

Viele Industrien beginnen nun, die Robotik erfolgreich in ihren Herstellungsprozessen einzusetzen. «In der jüngeren Vergangenheit sehen wir zunehmend Industrieroboter auch ausserhalb klassischer Fabriken», sagt Waltenberger von ABB Robotics, «beispielsweise in der Logistik- und Lagerwirtschaft.» So wachse in der Schweiz die Roboterdichte wieder vermehrt, nur nicht zwingend im Fertigungsbereich. Die Treiber für den Wachstum seien vielfältig. «Wir hören von vielen Kunden, dass ihre Anlagen aktuell nicht mehr in der Lage sind, die grosse Nachfrage nach grösserer Produktvielfalt zu bewältigen, sowie auf immer kürzere Produktlebenszyklen zu reagieren», sagt Per Vegard Nerseth, Managing Director von ABB Robotics. Auch Fanuc verzeichnet einen starken Aufwärtstrend; Sogar in der Maschinenindustrie. «In der Vergangenheit verkauften unsere Werkzeugmaschinenhersteller ihre Maschinen nur gelegentlich mit Roboterbeschickung. In der Zwischenzeit entwickeln die Maschinenhersteller standardisierte Roboterzellen, welche zusammen mit der Maschine verkauft werden» sagt Rottet.

Eine neue Generation von Industrierobotern ebnet also den Weg für die Automatisierung. Diese neue Generation von Robotern wird leichter zu installieren, zu programmieren und anzuwenden sein. So können auch kleine und mittelständische Unternehmen ohne spezifische Roboterkenntnisse Roboter in ihre Produktion integrieren. -sc- SMM

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