Restrukturierung Tornos: Mit neuem Geschäftsmodell in die Zukunft

Redakteur: Susanne Reinshagen

>> Tornos gibt Gas: das Restrukturierungsprogramm ist bereits stark fortgeschritten. Das Unternehmen will vor allem seine Flexibilität erhöhen, indem es sich verstärkt international positioniert und die Innovationsfähigkeit stärkt. Damit verbunden ist auch ein Stellenabbau in der Schweiz.

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Die Tornos-Gruppe muss sich wegen der angespannten konjunkturellen Lage neu organisieren und geht mit ihrem Restrukturierungsprogram zügig vowärts.
Die Tornos-Gruppe muss sich wegen der angespannten konjunkturellen Lage neu organisieren und geht mit ihrem Restrukturierungsprogram zügig vowärts.
(Bild: Tornos)

Eine erhöhte Flexibilität dank der Anpassung und Internationalisierung des Geschäftsmodells sowie eine Steigerung der Innovationsfähigkeit sind die markanten Punkte der strategischen Neuausrichtung von Tornos. Sie soll es ermöglichen, das Wachstum in den aufstrebenden Ländern mitzugehen. Zudem soll damit konjunkturellen Schwankungen begegnet werden. Eine feste Grundlage für die Zukunft der Gruppe bilden die strukturelle Anpassung, die vor dem Abschluss steht, sowie die Optimierung der finanziellen Struktur.

Sechs Stossrichtungen

Sechs strategische Stossrichtungen bilden die Basis der Mittelfrist-Strategie von Tornos:

  • die Geschäftstätigkeit soll vermehrt internationalisiert werden
  • die Flexibilität soll gesteigert werden
  • das Wachstum soll durch Innovation gefördert werden
  • der Erfolgsbeitrag soll aus dem Service-Geschäft erhöht werden
  • die operative Exzellenz soll gestärkt werden.
  • spezifische Lösungen für die anvisierten Marktsegmente vorsehen

Im Zentrum der mittelfristigen Wachstumsstrategie steht die Erhöhung der Flexibilität, um auf zyklische Schwankungen besser vorbereitet zu sein. So sollen in Zukunft Einbrüche von bis zu 50% ohne finanzielle Verluste bewältigt werden können. Die Strategie der Gruppe ist darauf ausgerichtet, über die nächsten Jahre einen durchschnittlichen Umsatz über den gesamten Zyklus von CHF 320 Mio. zu erreichen und die EBIT-Marge um durchschnittlich 2% bis 3% zu verbessern.

Dies erfordert eine Anpassung des heutigen Geschäftsmodells, das weitgehend auf der Maschinenproduktion in den Schweizer Werken basiert.

Internationalisierung

Die Überführung in das künftige Geschäftsmodell mit verstärkt internationaler Ausrichtung wird über mehrere strategische Programme erfolgen. Als erstes zieht dies die Restrukturierung der Aktivitäten in der Schweiz nach sich. Mit der neuen Organisation, die rund ein Viertel kleiner ist als zuvor, ist eine wichtige Voraussetzung zu einer deutlich verbesserten Kostenstruktur erfüllt. Im Fokus stehen an den Schweizer Standorten fortan vermehrtes Outsourcing von Produktionskapazitäten, damit Schwankungen in der Nachfrage verstärkt abgefedert werden können, sowie der vermehrte Material- und Komponenteneinkauf im Ausland, um die Effekte des starken Schweizer Frankens zu vermindern. Die Weiterentwicklung der operationellen Exzellenz soll zu einer Erhöhung der Produktivität beitragen.

Innovationsfähigkeit erhöhen

Ein weiteres Programm strebt eine höhere Innovationsfähigkeit mit Produkten an, die das mittlere und das High-end-Segment abdecken. Um die Komplexität zu reduzieren, werden die künftigen Produkte auf weniger Plattformen basieren. Mittels gezielt entwickelter Applikationsmodule wird zudem auf die besonderen Anforderungen der anvisierten Kundensegmente eingegangen.

Während in Europa die Marktführerschaft weiter gefestigt werden soll, wird in den aufstrebenden Märkten die Verkaufs- und Serviceorganisation weiter gestärkt. Dadurch sollen wesentliche Wachstumsimpulse ausgelöst werden. Auf diese Weise wird in den aufstrebenden Märkten, sowie in den Vereinigten Staaten für das mittlere Segment, das eigene Verkaufsnetz entsprechend ausgebaut und gezielt ergänzt.

In Asien ist weiterhin mit dem grössten Marktwachstum zu rechnen. Tornos wird hierzu marktgerechte Produkte entwickeln und lokal herstellen. Dazu ist die bereits erwähnte Verstärkung der industriellen Kapazitäten ein Schritt in diese Richtung. Neben der strategischen Partnerschaft mit Tsugami konnte über die Kooperation mit einem Unternehmen aus Taiwan eine weitere Grundlage geschaffen werden.

Restrukturierung verläuft nach Plan

Die im September kommunizierte neue Organisationsstruktur wurde bereits umgesetzt, insbesondere die Verkleinerung der Geschäftsleitung, der Aufbau der neuen Abteilung Market & Sales Support sowie die Reorganisation der anderen Abteilungen. Der Stellenabbau im Rahmen der Restrukturierung ist grösstenteils bereits erfolgt; wenige verbleibende Anpassungen werden bis Ende Jahr abgeschlossen sein. Die von Kündigungen betroffenen Mitarbeitenden haben das Unternehmen verlassen und wurden zur Unterstützung ihrer beruflichen Neuorientierung einem Outplacement-Partner anvertraut. Dieser betreibt auch die von Tornos ins Leben gerufene Stellenbörse, die mittlerweile über 500 qualifizierte Positionen umfasst.

Erneuerung der Finanzierungsstruktur

Tornos bereitet eine Aktienkapitalerhöhung für 2013 vor. Zwei industrielle Aktionäre gewähren vorübergehend Darlehen von CHF 40 Mio. in Verbindung mit dieser Aktienkapitalerhöhung. Dies erlaubt es Tornos, den Kreditrahmen mit den Banken zu reduzieren. Das Ergebnis aus der Eigenkapitalerhöhung von CHF 30 Mio., deren Zeichnung bereits garantiert ist, wird zur Herabsetzung des Darlehens der zwei industriellen Aktionäre verwendet. <<

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