KOF Konjunkturprognose Herbst 2016

Zurück zu moderatem Wachstum - Auch in der MEM-Industrie

| Redakteur: Sergio Caré

Bildergalerie: 1 Bild
(Grafik: KOF ETH Zürich)

Laut der Konjunkturforschungsstelle KOF erholt sich die Schweizer Wirtschaft. Es wird mit einem BIP-Wachstum von 1.6 Prozent dieses Jahr gerechnet. Allerdings zeigen die Zahlen nun, dass die Industrie wesentlich stärker unter dem starken Franken gelitten hat. Der Druck bleibt auch 2017 und 2018 bestehen.

Zürich - Laut der Konjunkturforschungsstelle KOF erholt sich die Schweizer Wirtschaft langsam wieder. Bis 2018 soll die Nachfrage nach Schweizer Waren und Dienstleistungen im Prognosezeitraum langsam zunehmen. Die Konjunktur wächst moderat mit einem BIP-Anstieg von 1.6 Prozent in diesem und 1.8 Prozent im Jahr 2017. Die Teuerung wird 2017 wieder positiv, sie nimmt aber nur sehr leicht zu. «Die Wirtschaft wächst moderat, nichts euphorisches, es wird kein Boom geben», sagt Jan-Egbert Sturm, Direktor des KOF.

Brexit keine Auswirkungen

Wie in den vergangenen Quartalen wird die Weltwirtschaft weiterhin moderate Zuwächse verzeichnen. Die grössten Wachstumsbeiträge für die Schweizer Exporte kommen jedoch nach wie vor aus dem EU-Raum (+ 1 Prozent), gefolgt von China und Nordamerika, die Zusammen auf knapp 1 Prozent Plus kommen. Allerdings werden die Wachstumsraten in China im Zuge des dortigen strukturellen Wandels sukzessive geringer, während der wirtschaftliche Aufschwung in Indien beständig bleiben dürfte. Bleiben die politische Entwicklung und die Rohstoffpreise stabil, sind auch aus Russland und Brasilien wieder positive Beiträge zur weltwirtschaftlichen Entwicklung zu erwarten.

Die KOF geht davon aus, dass durch den angestrebten Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU weder kurz- noch mittelfristig grössere Verwerfungen entstehen und die Wirtschaft im Vereinigten Königreich weiterhin durch eine etwas expansivere Fiskal- und Geldpolitik unterstützt wird, so dass die Abschwächung der Wirtschaftsleistung beschränkt bleibt. Damit dürfte auch der Effekt auf den Euroraum gering bleiben. Die moderate Erholung im Euroraum setzt sich somit fort. «Auch wenn der Brexit eine negative Auswirkung auf die britische Wirtschaft haben sollte, hätte dies keine gravierende Folgen für die Schweiz», fügt Sturm hinzu.

BIP sank wegen Industrie

Nach einem von der Aufhebung des Mindestkurses geprägten Jahr 2015 verbessern sich die Rahmenbedingungen für die schweizerische Wirtschaft zusehends. Allerdings zeigen die offiziellen Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) zur Branchenentwicklung im vergangenen Jahr, dass die Industrie wesentlich stärker von der Frankenaufwertung betroffen war, als bislang erwartet wurde. Das bisherige Bild, dass die Industrie ihre mengenmässige Produktion unter Inkaufnahme von grossen Margenverlusten steigern konnte, muss revidiert werden. Die offiziellen Zahlen zeigen, dass die Preisrückgänge wesentlich geringer waren als in den ersten Schätzungen. Den Angaben des BFS zufolge nahm die Industrieproduktion um 0.9 Prozent ab und trug damit –0.2 Prozentpunkte zum BIP-Wachstum bei. «In Vergangenheit hat insbesondere die Pharmaindustrie das produzierende Gewerbe unterstützt. Es zeichnet sich jedoch ab, dass nun der Wachstum durch alle Industriezweige spürbar ist», sagt Sturm. «Es gibt aber immer noch Gewinner und Verlierer, vor allem in der MEM-Branche.»

Weiterhin Druck auf Schweizer Franken

Die schweizerische Exportwirtschaft scheint auf den ersten Blick den Frankenschock vom Vorjahr angesichts eines soliden Exportwachstums im ersten Halbjahr 2016 verdaut zu haben. Allerdings war die Exportentwicklung in den vergangenen Quartalen sehr unterschiedlich: So sind vor allem die Exporte pharmazeutischer Produkte stark angestiegen. Der Druck auf den Schweizer Franken wird anhalten und die Schweizerische Nationalbank wird ihre expansive Geldpolitik mit Negativzinsen eine Weile fortsetzen müssen, um weiterhin Gegensteuer geben zu können. Die KOF geht im gesamten Prognosezeitraum von einem stabilen Wechselkurs gegenüber dem Euro von 1.10 aus.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 44298708 / Konjunktur & Bilanzen)