13.06.2016
Arbeitsschutz in der spanenden Fertigung gelingt mit dem T-O-P-Modell
Der Schutz der Beschäftigten vor den Gefahren, die von der spezifischen Tätigkeit ausgehen, verlangt einem Unternehmer in der heutigen Zeit Kenntnissen ab, die er häufig nicht vollständig überblicken und im Unternehmen implementieren kann.
Der Schutz der Beschäftigten vor den Gefahren, die von der spezifischen Tätigkeit ausgehen, verlangt einem Unternehmer in der heutigen Zeit Kenntnissen ab, die er häufig nicht vollständig überblicken und im Unternehmen implementieren kann. Daher ist der Anwender von Kühlschmierstoffen auf Unterstützung durch Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Betriebsärzte oder Schmierstoffhersteller angewiesen.
Ein wirksamer Arbeitsschutz beschränkt sich nicht auf die Erfüllung gesetzlicher Forderungen. Anwender von Kühlschmierstoffen sind gut beraten, sich vor ihren Entscheidungen mit dem Schmierstoffhersteller zusammenzusetzen und mit der Wahl umwelt- und anwenderfreundlicher Schmierstoffe eine optimale Lösung bereits in der Anfangsphase zu finden.
Was viele Unternehmer nicht ausreichend bedenken: Bereits in der Planung der Maschinenanschaffung oder des zu verwendenden Schmierstoffs liegt ein großes Fehlerpotential. Eine falsche Entscheidung kann unter Umständen zum Totalausfall des Arbeitsverfahrens führen, weil korrektive Maßnahmen gar nicht oder nur mit hohem finanziellen Aufwand ergriffen werden können.
Einen wirkungsvollen Schutz ihrer Mitarbeiter erzielen Unternehmer, wenn sie ihren Fertigungsprozess in drei Schritten nach dem bekannten T-O-P-Modell optimieren:
- technische Maßnahmen
- vor organisatorischen Maßnahmen
- vor personenbezogenen Maßnahmen
1. Die richtigen Kühlschmierstoffe auswählen
Dass Gefahren von Kühlschmierstoffen ausgehen, ist bekannt. Die erste Maßnahme sollte die Verwendung von amin- und borsäurefreien, wassermischbaren Kühlschmierstoffen sein. Damit sind zwei Gefahrstoffe aus der gesamten Menge von Gefährdungen entfernt und das oberste Ziel, die Vermeidung der Gefahrenquelle, ist für diese Stoffe erreicht.
Grundsätzlich muss der Anwender sicherstellen, dass entsprechende Schadstoffemissionen vermieden werden, auch wenn amin- und borsäurefreie Kühlschmierstoffe einsetzt werden.
2. Mensch und Gefahren effektiv trennen
Wo technische Schutzmaßnahmen nicht ausreichen oder gar nicht realisierbar sind, muss der Anwender im nächsten Schritt der Ziel-und Maßnahmenhierarchie organisatorische Maßnahmen ergreifen. Dies bedeutet die zeitlich-räumliche Trennung von Mensch und Gefährdung.
Diese Schutzmaßnahmen folgen aus der Notwendigkeit, die noch bestehenden Gefährdungen zu minimieren. Hilfreich ist hier z. B. das „Einfache Maßnahmenkonzept Gefahrstoffe“ EMKG 2.2 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Es gilt für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, die mit Gefahrensymbolen für Gesundheitsgefährdungen gekennzeichnet sind. Hier wird dem Anwender ein Hilfsmittel zur Bewertung beigestellt, mit dem er seine organisatorischen und personenbezogenen Schutzmaßnahmen bestimmen kann. Zu jeder Maßnahmenstufe werden entsprechende Anforderungen zur Substitution, Technik, Organisation und personenbezogenen Maßnahmen aufgezeigt.
3. Restgefahren minimieren
Zuletzt werden in der Ziel- und Maßnahmenhierarchie die personenbezogenen Maßnahmen ergriffen. Sie dienen dazu, personenbezogene Vorgehensweisen und die verbliebenen Gefährdungen auf ein Minimum zu reduzieren. Besonders die Vermeidung des Hautkontakts ist hier von Bedeutung. Denn Kühlschmierstoff-Anhaftungen an der Maschine und am Werkstück dürfen aufgrund der oben genannten Gefahren nicht auf den Maschinenbediener/Arbeiter übertragen werden!
Autorenhinweis/Kurzvita
Jürgen Lünser absolvierte ein Maschinenbau-Studium mit der Fachrichtung Energie- und Umwelttechnik und absolvierte zusätzlich diverse Fortbildungen als Schweißfachmann/EWS, Fachkraft f. Arbeitssicherheit, QMB, SiGeKo, u. a. Ab 1996 war er als Konstrukteur und Betriebsleiter im Maschinen- und Stahlbau mit dem Schwerpunkt Förder- und Recyclingtechnik tätig. Seit 2008 ist Lünser Geschäftsführender Gesellschafter der epu Industrieservice GmbH mit den Schwerpunkten Arbeitsschutzberatung und Industrieservice.
Bildunterschrift:
Autor Jürgen Lünser.
Foto: Relations & Co
