Besonnenheit und Weitblick sind gefragt
Angesichts der auch bei uns zunehmend um sich greifenden Schwarzseherei sind Realitätssinn, Weitsicht und Innovationsgeist gefragter denn je.
Die von der Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) unter 6500 Firmen durchgeführte Umfrage kommt zum Schluss, dass die Investitionsdynamik der Schweizer Firmen «kräftig nachgelassen» habe. So seien insbesondere die Ausrüstungsinvestitionen eingebrochen. Auch wenn das leider so ist, stört mich dennoch der Ausdruck «eingebrochen». Dieses unschöne Wort ist derzeit allgegenwärtig, alles und jedes scheint einzubrechen - zumindest auf den ersten Blick. Wenn nach Jahren ringsum kräftiger Zuwachsraten nun tatsächlich irgendwo ein paar Prozente weniger anfallen, zielt dieses Unwort daneben. «Zurückkommen zu normalen Werten» scheint mir fast immer angemessener. Und ehrlich: War nicht uns allen längst klar, dass es nicht endlos so weitergehen würde?
Ich will nicht verneinen, dass woanders tatsächlich sich Werte im dramatischen Sturzflug befinden und Unternehmenskonstrukte kollabieren. Aber nichts ist jetzt schädlicher als psychologisch getriebene kollektive Überreaktionen. Gegen die selektive Präsentation und Wahrnehmung schlechter Nachrichten ist anzukämpfen!
Fact ist, so die Umfrage, dass wohl Investitionen zurückgenommen werden. Dennoch, schrumpfenden Auftragsbeständen zum Trotz investieren viele KMU mit Zuversicht - azyklisch - in ihre Produktion (lesen Sie dazu auch unser Interview Seite 14). Wer jetzt mit Weitsicht und innovativen Massnahmen seine Stellung ausbaut, hat gute Chancen, gestärkt aus der schwierigen Phase zu gehen. Die Erfahrung zeigt: Jeder Zyklus schwenkt irgendmal wieder um.
Ihr
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