Green Logistics

Der deutsche KEP-Markt im europäischen Vergleich

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Auch UPS setzt in einem Hamburger Pilotprojekt auf Lastenräder (Lastenpedelecs). Dabei werden die Pakete zunächst in Mikrodepots zwischengelagert und anschließend zu Fuß oder per Fahrrad zugestellt. Nach einem erfolgreichen Start soll das Pilotprojekt nun auf weitere deutsche sowie auch amerikanische Städte ausgeweitet werden. Zudem versucht auch UPS, unabhängig von den Automobilherstellern wasserstoffbetriebene Lieferfahrzeuge der Klasse 6 ohne Abgasemissionen zu fertigen, die die gleiche Reichweite wie Fahrzeuge mit konventionellem Antrieb haben. In Kalifornien wurde bereits der Prototyp eines Brennstoffzellen-Fahrzeugs hergestellt.

Es braucht politische Förderung

Diese Beispiele zeigen, dass sich der Einsatz von Lastenfahrrädern, Mikrodepots und E-Fahrzeugen bereits in vielen Pilotprojekten bewährt hat. Allerdings ist das Angebot der Hersteller solcher Alternativen zur konventionell motorisierten Zustellung noch begrenzt und eine Umstellung aus Sicht der KEP-Dienstleister oft auch unwirtschaftlich. Hier bedarf es politischer Fördermaßnahmen für die Elektromobilität, einer ausreichenden Rechtssicherheit für mobile Mikrodepots und klarer Vorschriften für Lastenfahrräder. Dass hier mehr möglich ist, zeigt ein Blick über die Grenzen.

Der französische Staat beispielsweise bezuschusst die Neuanschaffung eines E-Fahrzeugs mit 10.000 Euro. Außerdem wird versucht, das öffentliche Engagement durch Projekte wie „Städte zum Atmen in fünf Jahren“ zu wecken. Hier werden unter anderem Finanzierungsmöglichkeiten für die Einrichtung von Erdgastankstellen oder Elektroladestationen in den nächsten drei bis fünf Jahren entwickelt.

In Norwegen wiederum kommen zu reinen Steuervorteilen noch weitere Erleichterungen hinzu, wie beispielsweise der Entfall von Mautgebühren für Elektrofahrzeuge. Zudem wird dort aktuell die größte Schnellladestation der Welt errichtet – sie ist für 28 E-Fahrzeuge gleichzeitig ausgelegt. Gerade für Kurier, Express und Paketdienstleister ist ferner attraktiv, dass Elektrofahrzeuge die Busspur benutzen dürfen.

Was passiert international?

Die Schweiz verfolgt einen etwas anderen Weg: Hier wird der Ausbau der Infrastruktur für die E-Mobilität vor allem durch privatwirtschaftliche Akteure vorangetrieben. So führte etwa das Projekt „EVite“ des Verbandes „Swiss eMobility“ im Jahr 2012 dazu, dass ein dichtes, flächendeckendes Netz an Schnellladestationen aufgebaut wurde – mit entsprechend positiven Auswirkungen auf die Zahl der zugelassenen Elektrofahrzeuge.

Großbritannien schließlich hat mit der Einrichtung eines Advanced Propulsion Centre das Ziel eines perspektivischen Ausstiegs aus dem Verbrennungsmotor ausgerufen. Das Zentrum schreibt unter anderem Innovationswettbewerbe für Unternehmen aus dem Mobilitätssektor aus. Insgesamt unterstützt die Regierung die Entwicklung von umweltschonenden Lösungen mit mehr als 100 Mio. Pfund. Den KEP-Dienstleistern kommt ferner zugute, dass in Großbritannien das Fahren eines E-Transporters mit einem Gewicht von bis zu 4,2 t bereits mit einem normalen Autoführerschein möglich ist.

Es wird deutlich, dass die in Deutschland tätigen Kurier-, Express- und Paketdienstleister in Sachen Green Logistics viele innovative Ideen besitzen und diese gerade auf der „letzten Meile“ auch testen. Andere europäische Länder weisen jedoch ein zum Teil höheres Niveau an staatlicher Förderung von E-Mobilität auf, sowohl was die Entwicklung und den Erwerb von E-Fahrzeugen angeht als auch den Ausbau der benötigten Infrastruktur. Auch sonstige Erleichterungen, wie etwa die Nutzung von Busspuren oder großzügigere Regelungen bei Fahrerlaubnissen für bestimmte Gewichtsklassen, sind gerade aus Sicht der Paketzusteller attraktiv. Hier besteht in Deutschland noch Nachholbedarf. ■

* Dr. Steffen Wagner ist Partner und verantwortet den Bereich Transport & Leisure bei KPMG, 60549 Frankfurt am Main, Tel. (0 69) 95 87-15 07, steffenwagner@kpmg.com

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