Zerspanung

Fräszentrum fertigt bis zu 13 m grosse Antriebsräder

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„Wir benötigten eine deutlich grössere und offene Maschine in Fahrständerbauweise“, sagt Zündel. „Weil es kein Vorbild gab, gingen wir das Risiko ein und kauften eine Weiterentwicklung. Wichtig war uns auch, dass die Maschine von den Werkern an der Basis geschätzt wird.“ Bei ihm und den Mitarbeitern kommt auch gut an, dass sich die Maschine dank ihrer offenen Bauweise leicht mit dem integrierten Hochdruckschlauch reinigen lässt. Das österreichische Unternehmen sorgte durch den Einbau von Fundamentanschlussblechen und Kühlschmierstoff-Rücklaufrinnen selbst für ein Plus an Ergonomie.

U-förmiges Fundament bietet sehr hohe Steifigkeit

2009 bauten die Bielefelder den Prototypen im Werk Hohe Brücke auf, das wegen des sumpfigen Untergrundes auf 2000 Piloten (österreichisch für Pfähle) steht. Der Neuling aus Deutschland zerspant seitdem aus massivem, zerspanungsunfreundlichem Baustahl Segmente, von denen vier Elemente plus Mittelteil die Seilscheibe bilden. Im hinteren Teil des Werks stehen die schwerzerspanenden Grossmaschinen, die sich selbst bei Vollbetrieb nicht untereinander beeinflussen dürfen. Zum Einsatz kommt bei der FOG-Baureihe ein U-förmiges Fundament, das sehr hohe Steifigkeit bietet und nicht so tief wie andere Fundamente ausfällt. Diese Bauweise erleichtert den Aufbau, senkt die Kosten und wirkt sich auch positiv auf das Werkzeugleben aus. Abteilungsleiter Klaus Meyer: „Die Steifheit der Maschine spielt für uns eine sehr wichtige Rolle. So sind etwa die Standzeiten der Scheibenfräser erstaunlich lang.“

In einer Aufspannung auf 20 bis 25 µm genau bearbeitet

Die verschiedenen Bauteile müssen in einer Aufspannung auf 20 bis 25 µm exakt bearbeitet werden. „Wir sind mit der Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit sehr zufrieden“, erklärt der Abteilungsleiter. Für eine Jahresmenge entstehen aus 800 Segmenten rund 200 Seilscheiben in unterschiedlichen Abmessungen. Dank des schnellen Kopfwechsels fallen die Rüstzeiten – etwa beim Wechseln vom Schruppen zum Schlichten – relativ kurz aus. In der Regel nutzen die Werker an dem Fräszentrum die volle Länge nicht aus: Meist rüsten sie in einem abgetrennten Bereich der Maschine während der Bearbeitung eines anderen Segments schon das nächste Bauteil.

Eine Ausnahme ist das Bearbeiten von sehr grossen Bauteilen. Im Werk Hohe Brücke entstanden beispielsweise Segmente für die „Riesenräder“ der Talstation der Galzigbahn in St. Anton am Arlberg, die einen nicht nur für Doppelmayr rekordverdächtigen Durchmesser von 9 m besitzen. Doch damit wäre die Maschine noch nicht ausgereizt. Meyer: „Wenn wir die Trennwand für das Rüsten herausnehmen, können wir Bauteile bis zu einer Länge von 13 m bearbeiten.“ MM

* Dipl.-Ing. Nikolaus Fecht ist freier Journalist in 45879 Gelsenkirchen.

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