Konjunktur Deutschland Gesamtmetall rechnet mit „schwarzer Null“

Autor / Redakteur: Lothar Lochmaier / Udo Schnell

Die ins Stocken geratene Konjunktur hat mittlerweile auch die deutsche Metall- und Elektroindustrie erfasst. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hat deshalb seine Produktionsprognose sowohl für das laufende als auch für das kommende Jahr nach unten korrigiert.

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Gesamtmetall-Präsident Dr. Rainer Dulger: „Für das Gesamtjahr 2012 wird es voraussichtlich nur ein Wachstum von 0,5 % geben.“
Gesamtmetall-Präsident Dr. Rainer Dulger: „Für das Gesamtjahr 2012 wird es voraussichtlich nur ein Wachstum von 0,5 % geben.“
(Bild: Gesamtmetall)

Für das Gesamtjahr 2012 wird es voraussichtlich nur ein Wachstum von 0,5 % geben“, sagte Gesamtmetall-Präsident Dr. Rainer Dulger in Berlin. Der Grund: Die Unternehmen haben nach Einschätzung des Arbeitgeberverbands im ersten Halbjahr 2012 zwar überwiegend noch einmal frische Kapazitäten in die Beschäftigung investiert, aber die Aufträge hätten nicht entsprechend nachgezogen.

Deshalb habe sich die Stimmung in der Metall- und Elektroindustrie im zweiten Halbjahr eingetrübt. „Wir werden uns warm anziehen müssen“, so Dulger weiter. Aktuell sind in der Branche über 3,7 Mio. Beschäftigte registriert, so viele wie seit 1993 nicht mehr. Der Beschäftigungsboom dürfte anhand der jüngsten Zahlen vom September vorerst zu Ende gegangen sein.

Die Beschäftigung wird vermutlich leicht zurückgehen

„Wir gehen davon aus, dass die Beschäftigung in den nächsten Monaten bestenfalls stabil bleiben, vermutlich aber leicht zurückgehen wird. Schon im September haben wir fast 7000 Arbeitsplätze verloren“, gab der Gesamtmetall-Präsident zu bedenken.

Insbesondere von den Absatzmärkten in Südeuropa gehe eine negative Tendenz aus. Deshalb sei angesichts des sich eintrübenden wirtschaftlichen Umfelds auch hierzulande punktuell mit erhöhter Kurzarbeit zu rechnen. „Arbeitslose zu versorgen, wäre aber deutlich teurer, als die Menschen in Kurzarbeit zu halten“, bekräftigte Dulger.

Der Arbeitgeberverband geht nach einer ersten Schätzung in den kommenden Monaten von etwa 25.000 bis 30.000 unmittelbar von der Kurzarbeit betroffenen Mitarbeitern aus. Diese Zahl sei jedoch im Vergleich zur Krise im Jahr 2009 keine beunruhigende Größenordnung. „Wir begrüßen sehr, dass die Bundesregierung die Frist beim Bezug von Kurzarbeitergeld von sechs auf zwölf Monate verlängert hat“, merkte Dulger an.

Deutliche Kritik äußerte der Arbeitgeberverband Gesamtmetall demgegenüber an dem Umstand, dass sensible Themen wie Arbeitsmarkt und Rente in die Mühlen der Wahlkampfrhetorik hineingerieten. Und so mahnte Dulger den Erhalt der nationalen Tarifautonomie an. Brüssel solle sich aus der Gestaltung der Tarifverträge heraushalten.

Gesamtmetall will jedem Eingriff in die Tarifautonomie entgegentreten

„Die EU-Bürokratie hat sich kurzerhand dafür zuständig erklärt, über die Gehälter von spanischen Programmierern, dänischen Bauarbeitern und deutschen Metallern zu entscheiden“, kritisierte Dulger. Man werde jedem Eingriff in die vom Grundgesetz garantierte Tarifautonomie entschlossen entgegentreten. Auch im staatlichen Mindestlohn sieht der Gesamtmetall-Präsident zumindest für die Metall- und Elektrobranche keinen gangbaren Lösungsweg. Denn das Lohnniveau gerade in der Metall- und Elektroindustrie liege heute ohnehin bereits weit über der derzeit in Deutschland diskutierten Größenordnung.

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