Medizintechnik zeigt sich rezessionsresistent

Redakteur: Redaktion SMM

Trotz weltweiter kunjunktureller Probleme zeigt sich die Medizintechnik als eine wachsende Branche, die der Rezession trotzen kann. Sehr zur Freude der Veranstalter der Fachmesse Medtec Europe. Gregor Bischkopf, verantwort­licher Messemanager von Canon Communications, erläutert in einem Interview die Hintergründe.

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SMM: Die Medizintechnik zählt zu den wenigen Branchen, die in 2009 gewachsen ist. Auch für die kommenden Jahre wird Wachstum prognostiziert. Was ist dafür verantwortlich?

Gregor Bischkopf: In der Tat wird der Medizintechnik auch für 2010 ein weltweites Wachstum von rund neun Prozent vorhergesagt. Ein Grund dafür liegt darin, dass die Medizintechnik ein enormes Innovationspotential enthält und jährlich nahezu zehn Prozent des erwirtschafteten Umsatzes in Forschung und Entwicklung reinvestiert werden. Ein weiterer Grund ist darin zu sehen, dass sich die Welt in einem demografischen Wandel befindet und die Bevölkerung im Schnitt immer älter wird. Für die Medizintechnik bedeutet dies, dass immer mehr medizinische Versorgung benötigt wird, die gleichzeitig wachsenden Ansprüchen gerecht werden soll und muss.

Immer mehr Zulieferer anderer Indus­triezweige haben inzwischen die Medizintechnik als neue Kundenbranche entdeckt. Welche Fertigungs-Dienstleistungen werden in der Medizintechnik gebraucht, und welche Voraussetzungen müssen die Unternehmen dazu erfüllen?

Bischkopf: Im Bereich der Medizintechnik wird das komplette Spektrum an Fertigungsdienstleistungen benötigt, wie beispielsweise auch im Transportwesen oder in der Luftfahrt. Gefordert wird Präzisionsbearbeitung in geringen Toleranzen und mit hoher Qualität. Dennoch stellen Unternehmen aus artverwandten Märkten immer wieder fest, dass die Eintrittsbarrieren in den Markt für Medizintechnik relativ niedrig und mit einem überraschend geringen Aufwand zu meistern sind. Interessierte Firmen müssen sich allerdings bewusst sein, dass die Aufträge aus der Medizintechnik oftmals vergleichsweise kleine Stückzahlen betreffen, die einen hohen Präzisionsgrad erfordern. Der Preisdruck in der Medizintechnik ist hingegen im Vergleich mit anderen Märkten gering, so dass ein niedriges Auftragsvolumen nicht unbedingt mit kleinem Auftragsumsatz gleichzusetzen ist. Die Eintrittsbarrieren sind auch dadurch so gering, da die Wertschöpfungsketten in der Medizintechnik nicht unter solchem Kostendruck stehen, wie etwa in der Automobilindustrie. Hier gibt es keine festgeschriebene Zulieferkette, die durch einige wenige kontrolliert wird.

Inwieweit ist die Medtec Europe 2010 auch eine Plattform für diese Fertigungs-Dienstleistungen?

Bischkopf: Die Medtec Europe zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass hier die komplette Bandbreite an Lösungen für Hersteller aus der Medizintechnik präsentiert wird. So können Messebesucher - die häufig auch Entscheidungsträger sind - bei Rohstofflieferanten die Basisprodukte beschaffen und sie dann selber auf Maschinen bearbeiten, die übrigens ebenfalls auf der Medtec Europe zu finden sind. Der Fachbesucher wird allerdings auch fündig, wenn er den Ein- und Zukauf von Halbfertigteilen oder Zulieferleistungen sucht.

Welche Schwerpunkte wird es geben?

Bischkopf: Die Medtec Europe bietet 2010 wieder vielfältige Schwerpunkte, die wie bisher in Spezialpavillons abgebildet werden. Der Bereich Medical Packaging widmet sich dem gesamten Verpackungsspektrum in der Medizintechnik. Das reicht von Abfüllverfahren bis zu Verpackungsmaterialien, von den Herstellern von Einmalprodukten bis zu Outsourcern. Im Bereich Medical Plastics werden die neuesten Entwicklungen im Bereich der medizinischen Kunststoffe und Kunststoff-Verarbeitungsmaschinen vorgestellt. Automation & Assembly steht ganz unter dem Motto der Automatisierung und Montage, die die Medizin- und Pharmaindustrie in ihren Produktionsstrassen benötigen. Schlussendlich gibt es noch den PrecisionTec-Pavillon, der den Herstellern von medizinischen Metallteilen, orthopädischen Implantaten und interventionalen-kardiologischen Geräten die Möglichkeit bietet, Anbieter zu treffen, die neben den Rohstoffen auch die Maschinentechnologien verkaufen möchten.

Werden auf der diesjährigen Messe auch die im Vorjahr erfolgreichen Innovationsforen veranstaltet?

Bischkopf: Ja. Nachdem die Premiere des Innovationsforums zur Medtec Europe derart positiv von Ausstellern und Besuchern aufgenommen wurde, werden wir dieses selbstverständlich weiterführen. Das Forum wird wieder in enger Abstimmung mit dem Fraunhofer Institut organisiert. Es werden hochaktuelle Themen aus der Orthopädietechnik sowie den additiven Herstellungsverfahren behandelt.

Die Medtec Europe 2010 ist wieder gewachsen, während andere Messen deutliche Einbrüche hinnehmen müssen. Wie erklären Sie das?

Bischkopf: Die Tatsache für den Erfolg der Medtec Europe liegt schlicht und ergreifend an der Thematik. Die Medizintechnik hat über viele Jahre ein Schattendasein geführt und entwickelt sich seit einiger Zeit zu einem sehr wichtigen, ernst zu nehmenden Industriesektor. Die Zeit des Nischendaseins ist vorbei. Die Medizintechnik zeichnet sich nicht nur durch die in ihr liegende Dynamik aus, sondern auch dadurch, dass sie recht unempfindlich gegenüber sonstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wie rezessiven Entwicklungen ist.

Bereits letztes Jahr wurde die Medtec ­Europe durch die parallel veranstaltete Zuliefermesse Südtec ergänzt. Dieses Jahr kommt mit der 3C Europe eine weitere Messe für Reinraumtechnik dazu. Was versprechen Sie sich von diesen Kombinationen?

Bischkopf: Nicht nur die 3C Europe wird die Medtec Europe im kommenden Jahr ergänzen, sondern ebenfalls die RapidWorld, die sich dem Additiven Manufacturing widmet. Im Rahmen dieser Parallelmessen greifen wir Themen auf, die in der Medizintechnik eine wichtige Rolle spielen und die wir durch eine eigenständige Messe in einen besonderen Fokus rücken. Aussteller aus diesen Bereichen haben somit die Möglichkeit, einen neuen Markt, die Medizintechnik, verstärkt anzusprechen. Zudem bewerben wir die Messen speziell in diesen Schaffenssektoren, damit die Aussteller nicht den Kontakt zu den anderen wichtigen Industrien verlieren. So wird der Bereich Reinraumtechnik in einem sehr frühen Stadium der Herstellung von medizintechnischen Produkten wichtiger, als dies noch vor einigen Jahren der Fall war. Ebenfalls ist Additives Manufacturing unter Kostengesichtspunkten eine bedeutende Entwicklung, gerade im Bereich der Implantologie.

Was sagen die Aussteller dazu?

Bischkopf: Auf Seiten der Aussteller hat dies durchaus nur positive Reaktionen hervorgerufen, da für sie im Vordergrund steht, dass möglichst viele qualitative Entscheider die Messe besuchen. Je mehr Bereiche die Medtec Europe und die Parallelmessen konsequent abdecken, umso mehr Fachpublikum kommt an die Stände der Unternehmen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte

Peter Klingaufk+k PRD-86157 Augsburg

Information

www.medteceurope.com