Meisterlehre versus Lernzentren

Redakteur: Redaktion SMM

Die Wurzeln der klassischen Berufslehre liegen Jahrhunderte zurück in den berufsständischen Zunftordnungen. Die heutige duale/triale Berufslehre (Meisterlehre) steht auf einem nie gekannten technischen Niveau, trotz ihren Wurzeln in den alten «zünftigen» Berufen, wie Hufschmied oder Schlosser. Das Modell der klassischen Berufslehre ist anpassungsfähiger und volkswirtschaftlich sinnvoller als eine verschulte Berufsausbildung.

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Das duale Bildungssystem der Schweiz kannte ursprünglich ausschliesslich zwei Wege zum Beruf. Der eine führte ausschliesslich über Schulen, wie z.B. Mittelschule, Universität oder Seminar zu einem akademischen Abschluss. Mancher und manche muss heute noch 25 oder 30 werden, bis er oder sie zum ersten Mal auf dem Beruf arbeitet. Alternative dazu war und ist die Berufslehre, in der bis vor einigen Jahren nur der Weg über einen Lehrmeister - mit praktischer Tätigkeit vom allerersten Tag an - führte. Von Anbeginn an ist handwerkliches Können eine wichtige Qualität, die geübt und gezeigt werden muss. Wie viele heutige Berufsleute haben nicht mit wochenlangem Feilen an der Werkbank ihres Betriebes begonnen? Die Wurzeln unserer klassischen Berufslehre liegen Jahrhunderte zurück in den berufsständischen Zunftordnungen. Die heutige Berufslehre steht auf einem nie gekannten technischen Niveau, trotz ihren Wurzeln in den alten «zünftigen» Berufen, wie Hufschmied oder Schlosser. Das Modell der klassischen Berufslehre ist anpassungsfähig.

Grosse Industriebetriebe haben schon vor langem damit begonnen, während der ersten Jahre - auch für sehr handwerkliche Berufe - eine stark verschulte Ausbildung in Lernzentren anzubieten. Die Auszubildenden werden erst abschliessend in einem Praktikum mit der realen Berufswelt konfrontiert. Häufig sind diese Praktika zusätzlich in verschiedene Stationen gestückelt. Die betriebliche Realität wird nur in einer sehr kleinen Dosis wahrgenommen. Der bildungspolitische Trend geht leider fast ausschliesslich in diese Richtung. Dies ist nicht grundsätzlich schlecht, aber sie ist keine Alternative für viele unserer Betriebe und auch nicht den schulmüden, handwerklich begabten Schulabgänger. Sie gibt dem schulverdrossenen Burschen keine Gelegenheit in einem völlig neuen Umfeld Bewährung zu finden. Der bekannte Schulbetrieb wird fortgeführt.

Im Gegensatz dazu wird in unseren Lehrbetrieben manchem Auszubildenden schon früh die Gelegenheit gegeben, besondere Verantwortung zu tragen und eine unternehmerische Haltung zu entwickeln. Wichtig ist für unsere Mitglieder, dass sie von allem Anfang an praxisnahe und berufstaugliche Arbeitnehmende rekrutieren können, die den Berufsalltag auch tatsächlich kennen. Ein Praktikum von mehreren Monaten nach Jahren im Ausbildungszentrum ist etwas anderes als vollwertige Mitarbeit in einem Kleinbetrieb während drei bis vier Jahren. Swissmechanic meint, dass die klassische Meisterlehre auf alle Fälle gepflegt und gestärkt werden muss. Um den gesteigerten Anforderungen an den einzelnen Lehrbetrieb eine Unterstützung zukommen zu lassen, wurden die sogenannten «Überbetrieblichen Kurse» (UeK) stark ausgebaut. Damit gelingt es, eine durchgehende Qualität der Ausbildung zu gewährleisten und die Lehrbetriebe zu entlasten.

Viel an fachberuflicher Qualität unseres Wirtschaftsstandortes steht auf dem Spiel. Es darf nicht sein, dass die klassische «Meis­terlehre» durch immer mehr Reglemente und Verordnungen schleichend erwürgt wird. Swissmechanic wird sich dagegen einsetzen.

Felix Stutz

Präsident, Swissmechanic-Dachorganisation