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Arburg: professionelle Schutzmasken Mund-Nasen-Schutz in Kooperation fertigen

| Redakteur: Konrad Mücke

Seit dem 11. Mai produziert Arburg, Hersteller von Kunststoff-Spritzgiessmaschinen, karitativ Mund-und-Nasen-Masken aus den Komponenten LSR (Liquid Silicone Rubber) und PP (Polypropylen). Weitere Unternehmen unterstützen mit Automation, Spritzkanal- und Verpackungstechnik die Initiative.

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Pro Zyklus entstehen vier Maskenteile aus weichem, elastischem Kunststoff (LSR), die von einem Sechs-Achs-Roboter entnommen werden.
Pro Zyklus entstehen vier Maskenteile aus weichem, elastischem Kunststoff (LSR), die von einem Sechs-Achs-Roboter entnommen werden.
(Bild: Arburg)

Demnächst sollen täglich etwa 3500 multifunktionale Hightech-Masken in Serie produziert werden. Sie sind vorgesehen, zunächst die Mitarbeitenden des Spritzgiessmaschinen-Herstellers, später auch medizinisches Personal und Pflegekräfte bei deren Tätigkeiten zu schützen. Sie werden von den beteiligten Unternehmen gesponsert. Dazu sagt Gerhard Böhm, Geschäftsführer für Vertrieb bei Aarburg: «Wir engagieren uns in verschiedenen Hilfs­initiativen und schieben auch unternehmensinterne Projekte wie diese Mund-und-Nasen-Maske an. Der Bedarf ist enorm. Wir erhalten konkrete Anfragen etwa von Krankenhäusern und Altenheimen aus der ganzen Region», und fügt hinzu: «Die hochwertigen und nachhaltigen Masken aus flexiblem LSR und formstabilem PP haben wir selbst entwickelt und erste Prototypen mit unseren Freeformern additiv gefertigt. Bauteil und Werkzeuge für die Komponente aus LSR wurden mit Hilfe der Software Sigma­soft von Sigma Engineering simuliert. In Rekordzeit von nur rund fünf Wochen haben unsere Partner Polar-Form und Foboha die benötigten Spritzgiesswerkzeuge für die LSR- und die PP-Komponente gebaut, sodass wir in Lossburg mit der Serienproduktion beginnen konnten.» An der Realisierung der Werkzeugtechnik waren zudem die Hersteller Ewikon (Kaltkanal) und Männer (Heißkanal) beteiligt. Weitere Partner waren Barth Mechanik (Greifer) und Packmat (Verpackungstechnik). Die Kunststoffe als Rohmaterial für mehrere zehntausend Masken haben die Chemiekonzerne Wacker und Borealis gesponsert.

Multifunktional

Die flexiblen Masken leisten weit mehr als ein einfacher Stoff-Mundschutz. Das multifunktionale Produkt besteht aus einer weichen Maske aus LSR, die über Nase und Mund gestülpt wird, und einem festen Schild aus PP mit Ösen zur Befestigung elastischer Bänder. In der Mitte befindet sich ein ge­normter Anschluss mit Loch (DIN EN ISO 5356-1:2004). Zum Vermeiden von Infektionen im Alltag, also zum Beispiel für berufliche Besprechungen oder den persönlichen Einkauf im Supermarkt, wird die Öffnung mit einem sogenannten Flow Gate (Ausströmer) verschlossen. Dieser leitet die Atemluft nach unten ab und verringert auf diese Weise deutlich das Ansteckungsrisiko. In der nächsten Ausbaustufe kann auf die Öffnung ein Filtergehäuse aufgesteckt werden. Schon sehr bald will der Hersteller der Spritzgiessmaschinen auch dieses Bauteil zusammen mit Partnern fertigen. Beteiligt sind bei diesem Projekt der Werkzeugbauer Wilhelm Weber (Werkzeug) sowie die Hersteller Günther (Heisskanaltechnik), Küfner (Filter), Herrmann (Ultra­schall-Schweisstechnik) und Packmat (Verpackungstechnik). Durch Einsatz entsprechender FFP2- oder FFP3-Filter können sich beispielsweise Ärzte und Pflegekräfte in direktem Kontakt mit Erkrank­ten vor Viren und Bakterien zuverlässig schützen. Die Masken sind für eine mehrfache Verwendung konzipiert. Sie lassen sich problemlos sterilisieren. «Für uns war es auch wichtig, die Leistungsfähigkeit von Kunststoffen zu nutzen und ein Produkt zu schaffen, das langfristig verwendet werden kann. So lassen sich Ressourcen schonen», berichtet Dr. Thomas Walther, Abteilungsleiter Anwendungstechnik bei Arburg. Der temperfreie LSR-Kunststoff (Elastosil LR 5040) ist nach FDA CFR 21 §177.2600 und BfR XV «Silicone» für Anwendungen mit Lebensmittelkontakt geeignet und wurde auf Biokompatibilität getestet. Zudem dichtet das LSR gut ab, ist beständig gegen Weiterreissen und gut zu sterilisieren.

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Wöchentlich 15 000 Masken

«Wir gehen davon aus, dass wir im Zweischicht­betrieb mindestens 15 000 dieser Masken pro Woche produzieren. Würden wir rund um die Uhr arbeiten, wären es sogar doppelt so viele», erklärt Manuel Frick, der als Experte für LSR bei Arburg das Produkt konzeptioniert hat. Produziert wird auf zwei elektrischen Spritzgiesssmaschinen. Eine universell einsetzbare Maschine Allrounder 570 A, die über 2000 kN Schliesskraft verfügt, fertigt in einem Vierfach-­Werkzeug (Werkzeugbau Polar-Form) im Schulungscenter des Spritzgiessmaschinenherstellers die Masken aus LSR. Parallel produziert im Kundencenter gleichzeitig eine Maschine Allrounder 470 E Golden Electric (1000 kN Schliesskraft) in einem Zweifach-Werkzeug (Werkzeugbau Foboha) die passenden Schilde aus PP. Die grössere Spritzgiessmaschine arbeitet mit einer Dosieranlage
für LSR (Hersteller Elmet). Sie ist mit einem Sechs-Achs-Roboter (Kuka) automatisiert. Dieser entnimmt die flexiblen Masken aus dem Werkzeug und legt sie auf ein Förderband. Die einfacher zu greifenden und zu transportierenden Schilde, die in der zweiten, kleineren Maschine hergestellt werden, entnimmt ein lineares Robot-System Multilift Select. Manuell wird anschliessend der formstabile Schild formschlüssig auf die Silikonmaske gesteckt. Wegen des LSR-Kunststoffs entfällt zeit- und energieaufwendiges Tempern. Die Masken können unverzüglich mit zugehörigen elastischen Bändern komplettiert, verpackt und zu Anwendern gebracht werden.

Erste Kontingente der Mund-und-Nasen-Masken werden an die eigenen Mitarbeiter weltweit und die massgeblich beteiligten Partner verteilt. Die weitere Koordination und Verteilung an Krankenhäuser, Pflege-Einrichtungen und Zivilschutzorganisationen übernimmt im nächsten Schritt der Landkreis Freudenstadt im Schwarzwald. - kmu - SMM

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