Regierungsrätin Monika Knill, Vorsteherin des Departements für Erziehung und Kultur

Redakteur: Redaktion SMM

Als Mitglied der SVP wurde Frau Regierungsrätin Monika Knill im Jahre 2008 in die Regierung des Kantons Thurgau gewählt. Sie übernahm das Amt ihres Vorgängers Dr. Jakob Stark, der seinerseits das Departement Bau und Umwelt vom zurückgetretenen Regierungsrat Hans Peter Ruprecht übernahm. Monika Knill ist mit Jahrgang 1972 das weitaus jüngste Regierungsmitglied des Kantons. Sie ist verheiratet und Mutter von 2 Töchtern.

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Swissmechanic: Frau Knill, was fasziniert Sie in Ihrem Departement insbesondere im Bereich Bildung, und wo haben Sie in der relativ kurzen Zeit seit der Amtsübernahme auch Schwachstellen geortet?

Regierungsrätin Monika Knill: Die Bildung gehört zum fundamentalen Element unseres Wirkens. Alles, was in unserem Leben mit verantwortungsvollem Denken und Handeln zusammenhängt, basiert letztlich direkt oder indirekt auf unserer Bildung. Man kann auch beobachten, welche positiven Perspektiven Leute mit einer guten Ausbildung aufweisen. Schon daher fasziniert mich alles, was mit Bildung zu tun hat. Was in früheren Jahren gesät wird, kann zu einem späteren Zeitpunkt geerntet werden. Daher wird diesbezüglich auch dem Staat eine nicht unwesentliche Mitverantwortung im Bereich der Bildung übertragen.

Eine Schwachstelle oder eine Problematik, die mir Sorge bereitet, sind Kinder und Jugendliche, die sich in einem komplexen Umfeld behaupten müssen, dies aber unter anderem wegen der mangelnden Unterstützung durch das Elternhaus nicht können und dabei in eine zunehmende Orientierungs- und Lustlosigkeit fallen. Für solche Kinder und Jugendliche verläuft eine Integration in die Gesellschaft nicht immer unproblematisch. Hier sind die Schulen, die Wirtschaft, aber auch der Staat herausgefordert, das Elternhaus zu unterstützen. Patentrezepte für eine befriedigende Lösung gibt es oft auf dem Papier, aber diese 1:1 umsetzen gestaltet sich schwierig.

Man stellt fest, dass dazu in den letzten Jahren eine grosse, interdisziplinäre «Reparaturwerkstatt» aufgebaut werden musste, um den verschiedenen Situationen begegnen zu können. Im Kanton Thurgau sind wir zunehmend proaktiver, um vermehrt mit präventiven Massnahmen einwirken zu können. Die Entwicklung stimmt mich dennoch nachdenklich und hat natürlich einen Bezug zur Erziehung generell. Je heterogener unsere Gesellschaft sich entwickelt, desto klarer müssen gemeinsame Regeln definiert werden.

In diesem Zusammenhang darf auch die Problematik des Übergangs, das heisst die Nahtstelle zwischen Sekundarstufe I (Grundschule) und Sekundarstufe II (Lehre oder weiterführende Schulen) angesprochen werden. Seitens gewerblicher und wirtschaftlicher Kreise werden mangelnde Qualität und fehlender Leistungswille der Schulabgänger kritisiert. Seitens Bund und Kantone wurde in den vergangenen Jahren eine wahre Flut von Versuchen einer Qualitätsverbesserung gestartet. Zählen wir dazu einige dieser Qualitätsverbesserer stichwortartig auf: Harmos, Stellwerk, QualiCard (QualiCarte), QualüK, eduQua oder die gesamte Berufsreform etc. etc. - Haben all diese Massnahmen tatsächlich die angestrebte Verbesserung gebracht, oder wurde damit nicht einfach nur der Administrativaufwand nochmals ausgebaut?

Monika Knill: Angesprochen auf die Nahtstelle Sek I/Sek II darf ich behaupten, dass wir uns im Kanton Thurgau diesbezüglich auf gutem Weg befinden. Ebenso wurde in unserem Kanton die Querschnittstestreihe «Stellwerk 8» für die 8. Klasse als obligatorisch erklärt. Seit letztem Sommer haben wir einheitliche Zeugnisse für den gesamten Kanton. Diese Massnahmen helfen mit, die Aussagefähigkeit über Leistung und Fähigkeit der Schulabgänger gegenüber künftigen Lehrbetrieben oder auch gegenüber den Schulen qualitativ zu verbessern. In diesem Zusammenhang wurden Schulungen und Informationsveranstaltungen durchgeführt, die auch von den Arbeitgebern besucht werden konnten.

Ich bin der festen Überzeugung, dass es eine gemeinsame Aufgabe der Wirtschaft und der Kantone sein muss, einen vernünftigen Ausgleich zwischen Kompetenzanforderungen der Wirtschaft und realistischem Qualitäts-Output der Schulen zu erreichen. Das Motto «Lebenslanges Lernen» kann wohl nicht schon nach Beendigung der Sek I oder der Sek II abgeschlossen sein.

Ueli Berger, Amtschef für Berufsbildung: Ich darf festhalten, dass der Kanton Thurgau alles daran setzt, einerseits die Administrativaufwendungen so gering wie möglich zu halten. Es ist absolut nicht in unserem Interesse die Ausbildungen zu verschulen. Andererseits stelle ich jedoch fest, dass nach Einführung von rund 20 Berufsreglementsrevisionen die Anzahl der Unterrichtslektionen von 256000 auf 276000 zugenommen hat. Dieser Mehraufwand beruht auf den Vorgaben der Verbände und der Wirtschaft. Es sei mir erlaubt, diesbezüglich den Vorwurf der Verschulung der Berufsbildung an die Berufsverbände und an die Wirtschaft zurückzuspielen.

Vor einigen Jahren wurde beschlossen, in der Finanzierung der überbetrieblichen Kurse einen Paradigmenwechsel vorzunehmen. Das System einer skalierten Aufwandssubventionierung wurde zu Gunsten einer Pauschalfinanzierung auf der Basis einer durchschnittlichen Vollkostenrechnung geändert. ? Nun stellt man nach der Einführung fest, dass mit den festgelegten Pauschalsätzen die meisten Verbände in arge finanzielle Schwierigkeiten geraten. Etwas ist bei der Umsetzung dieses Systems schiefgelaufen. Darum gelangen die Verbände als Bittsteller an die Kantone, um Zahlungen von Zusatzbeiträgen aus dem Kantonsbeitrag II zu erhalten.

Monika Knill: Auch für den Kanton Thurgau ist das System der Pauschalfinanzierung Neuland. Es gehört zu unseren Grundsätzen, das duale Bildungssystem nicht nur verbal, sondern auch finanziell zu fördern und die entsprechende Verantwortung wahrzunehmen. Unser Kanton gehört mit rund zwei Drittel aller Schulabgänger, die eine Lehre absolvieren, zu den absoluten Spitzenreitern in der Schweiz. Gemäss den kantonalen gesetzlichen Vorgaben sind wir verpflichtet, mindestens 35 Prozent der ÜK-Kosten zu übernehmen. Der Ansatz zur Pauschalfinanzierung gemäss Bund beträgt jedoch nur etwa 20 Prozent. Dadurch sind wir gezwungen, die Differenz aus dem Kantonsbeitrag II zu finanzieren. Damit die Verbände in etwa die bisherigen Subventionsbeiträge erhalten, werden entsprechende Leistungsvereinbarungen abgeschlossen.

Ueli Berger: Mit unserer grosszügigen Beitragsfinanzierung haben wir nur ein Ziel. Wir möchten grundsätzlich die Ausbildungskosten tief halten. Mit tiefen Kosten für den Ausbildungsbetrieb beabsichtigen wir, diesen dazu zu ermuntern, auch in Zukunft Lernende in genügender Qualität und Quantität auszubilden. Ich möchte jedoch betonen, dass es ureigenste Sache der Kantone ist, die Höhe der Subventionsbeiträge festzulegen. Deshalb bezweifle ich ? zumindest was die Grundbildung betrifft ? das Vorhaben, die Finanzhoheit der Kantone durch verordnete einheitliche Bundespauschalen in Frage zu stellen.

Swissmechanic/VMTW ist Träger eines nationalen technischen Bildungsganges der Höheren Fachschulen. Zurzeit bilden wir bis zur Stufe Fertigungsfachmann (Berufsprüfung) an je drei Standorten in der welschen Schweiz und in der Deutschschweiz aus (Bern, Bülach, Weinfelden). Bis zur Stufe Techniker laufen in der Entwicklungsphase nur in Bern Studiengänge. Es ist jedoch unser Ziel, die gesamten Bildungsgänge bis zur Stufe HF und NDS an einem Standort in der Welschschweiz und einem zusätzlichen Standort in der Deutschschweiz (Weinfelden) anzubieten. ? Zeigt der Kanton Thurgau Interesse an einer solchen sogenannten «Technischen Berufsakademie HF) in Weinfelden?

Monika Knill: Im Grundsatz würden wir ein solches Gesuch mit Wohlwollen prüfen. Selbstverständlich erwarten wir vom Gesuchsteller den Nachweis, dass für diese Ausbildungsgänge ein Bedarf besteht, wie dieser Bildungsgang umgesetzt wird und ob eine solche Schule erfolgreich geführt werden kann. Als gesamtschweizerischer Verband bieten sie ja einen gesamtschweizerischen Bildungsgang an. Hier stellt sich dann die Frage, inwiefern der Kanton Thurgau in einen solchen Bildungsgang involviert werden kann. Als Berufsbildungskanton werden wir uns in jedem Fall gegenüber Projekten nicht verschliessen, die zu einer Erweiterung des beruflichen Fachwissens führen.

Auch im Bereich der Weiterbildung, insbesondere bei den Bildungsgängen der Höheren Fachschulen, sind Studiengebühren respektive Bildungssubventionierung ein Dauerthema. Swissmechanic/VMTW ist der Meinung, dass für Diplomlehrgänge der Tertiär-B-Stufe eine einheitliche Subventionierungsregelung via Bund gefunden werden sollte und dabei die Kantone von einer Mitfinanzierung entlastet werden sollten. Wie sehen Sie diesen Lösungsvorschlag?

Ueli Berger: Hier kann ich mich der Meinung von SWISSMECHANIC nur anschliessen. Eidg. Höhere Bildungsgänge müssen Sache des Bundes und nicht der Kantone sein.

Die Swissmechanic-Sektion Thurgau betreibt in Weinfelden ein modernes Ausbildungszentrum für unsere MEM-Berufe. Welchen Stellenwert messen Sie dieser Ausbildungsstätte bei?

Monika Knill: Einen sehr hohen Stellenwert! Jeder 10. Ausbildungsplatz in unserem Kanton ist im Bereich der MEM-Berufe zu finden. Dies bedeutet rund 700 Lehrverhältnisse, die in 160 MEM-Betrieben ausgebildet werden. Entsprechend werden auch die Kontakte zwischen unseren Bildungsverantwortlichen und denjenigen von Swissmechanic regelmässig gepflegt. Ich selbst hatte das Vergnügen, kürzlich das moderne Ausbildungszentrum der Swissmechanic-Sektion Thurgau in Weinfelden zu besuchen. Es hat mich beeindruckt, wie sich diese Ausbildungsstätte präsentierte, und ich kann bei dieser Gelegenheit dem Berufsverband für die geleistete Arbeit nur gratulieren.

Frau Regierungsrätin M. Knill, Herr Ueli Berger, Swissmechanic dankt Ihnen für das interessante und freimütige Gespräch.