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Auf dem Markt werden handelsübliche Fertigprodukte angeboten, wozu braucht es noch einen Sondergetriebehersteller?
Leuthard: Oft werden die Anforderungen unterschätzt und daraus falsche Entscheidungen abgeleitet. Es gibt allerdings auch einfache Anwendungen, welche keine besonderen Ansprüche an einen Antrieb stellen und die Wahl eines Fertigproduktes durchaus rechtfertigen.
Kritische Kunden jedoch begrüssen im Zweifelsfalle unsere Präsenz und Beratung vor Ort und beauftragen uns dann meistens auch mit der direkten Abwicklung des Auftrages. Insbesondere namhafte Motorenhersteller und -vertretungen aus dem In- und Ausland nehmen regelmässig unsere Beratung in Anspruch, nach dem Motto: Je mehr Erfahrung ein Architekt mitbringt, desto besser die Bausubstanz.
Können Sie mit ein paar Worten Ihre Vorzüge beschreiben?
Leuthard: Auch wenn der Begriff Erfahrung oft als altmodisch oder gar selbstherrlich eingestuft wird, zählt dieser ganz klar zu unseren grossen Stärken. Dieses Element als zeitbegrenzende Einheit zu betrachten wäre allerdings falsch, vielmehr ist es das Ergebnis von über viele Jahre Erfahrenem. Unsere Vorzüge liegen in der kompetenten, effizienten und dadurch kostengünstigen Lösung von Sonderantrieben. Auftragsabläufe über den Zwischenhandel sind, bedingt durch den Informationsfluss über mehrere Kanäle, meist zeitaufwendig und können speziell bei Sonderlösungen zu Fehlerquellen oder
Missverständnissen führen.
Mit den heute zur Verfügung stehenden EDV-gestützten Berechnungs- und 3D- Zeichnungsprogrammen sollte es doch möglich sein, ohne erfahrene Spezialisten Antriebslösungen erarbeiten zu können.
Leuthard: Wir verwenden zur Unterstützung in unserer Entwicklungsabteilung beide dieser Hilfsmittel. Das Getriebeberechnungsprogramm steht weltweit im Einsatz und wird auch von den führenden Getriebeherstellern der Automobilbranche eingesetzt. Die Verzahnungsnorm, die Werkstoffauswahl, die Art der Schmierung und ein paar Dutzend weitere Eckdaten mehr, müssen dabei vom Anwender vor dem Berechnungslauf festgelegt und erfasst werden.
Selbst damit vermittelt das Programm lediglich, ob die vorgesehene Getriebelösung den Anforderungen entspricht oder nicht. Wenn nicht, müssen auch hier Erfahrungswerte zugrunde gelegt werden, um ein brauchbares Resultat erzielen zu können. Beim Konstruieren dasselbe, es gibt kein 3D-Zeichnungsprogramm, welches selbständig ein Getriebe entwickelt und entsprechend darstellt.
Bezeichnen Sie sich im Kleingetriebebau für Sonderausführungen als die erste Adresse in der Schweiz?
Leuthard: Die Einstufungen und Bestätigungen unserer wichtigsten Kunden gehen in diese Richtung, dies macht uns natürlich stolz. Einerseits bauen und verkaufen auch wir komplette Normantriebe als Fertigprodukt, andererseits liegt unsere Kernkompetenz sowie der Hauptumsatzanteil ganz klar im Sondergetriebebau. Spezielle Anforderungen verlangen nach speziellen Lösungen. Dieser Aufgabe gerecht zu werden, erfordert beim Architekten wie beim Getriebebauer die Gegebenheiten zu erkennen, richtig einzustufen, entsprechend in die Lösung zu integrieren und erfolgreich im Endprodukt umzusetzen.
Was bedeutet für Sie Globalisierung?
Leuthard: Man muss kein Globalisierungsgegner sein um zu erkennen, dass dieses Schlagwort vielfach falsch verstanden wird. Mit Globalisierung ist nicht Unterwürfigkeit gemeint, wie dies tragischerweise Politiker, Finanzspezialisten und viele Unternehmer meinen und sich vor lauter Respekt und Angst an eine lebensbedrohliche Seilschaft hängen. Es ist nicht unmoralisch, gegen den Strom zu schwimmen und sich dadurch die Steuerbarkeit des eigenen Unternehmens zu sichern und zu wahren.
Wie ist das gemeint?
Leuthard: Ein kleines Beispiel: Trotz jahrzehntelanger, unproblematischer Zusammenarbeit, wird von einigen Unternehmungen nun vermehrt versucht, unakzeptable Einkaufs- und Lieferbedingungen durchzusetzen. Wir lassen uns auf solche selbstzerstörerischen Bedingungen nicht ein und setzen mit aller Konsequenz unsere Verkaufs- und Lieferbedingungen durch und bestehen vor allem auf unser Urheberrecht.
Haben Sie im letzten Jahr die weltweite Rezession auch zu spüren bekommen?
Leuthard: Mit einem sehr geringen Umsatzeinbruch und trotzdem einem erneuten Rekordergebnis können wir mehr als zufrieden sein. Auch die Aussichten für das Jahr 2010 bestätigen uns die Richtigkeit unserer Strategie. Eben haben wir von einem neuen Kunden aus der Medizinaltechnik-Branche einen grösseren Auftrag entgegennehmen dürfen. In dieser wichtigen und zukunftsträchtigen Branche haben wir uns in den letzten Jahren ausgezeichnet etablieren können. Unsere Antriebe haben beispielsweise auch an der Messe «Arab Health 2010» im Januar in Dubai für Bewegung gesorgt, wir erwarten uns davon einiges.
Woran messen Sie Ihren Erfolg?
Leuthard: Viele Unternehmen bauen Ihre Organisation rund um ihre Mitarbeiter auf und verhindern damit, dass eine konstant funktionierende und geordnete Struktur entstehen kann. Das Schicksal als Lieferant solcher Firmen hängt dann von der Beurteilung einzelner Personen ab, meistens vom Einkäufer, Konstrukteur oder Qualitätsbeauftragten. Tragischerweise müssen wir rückblickend feststellen, dass viele Firmenverantwortliche nicht oder zu spät erkannt haben, dass eine solche machtorientierte Einzelorganisation über kurz oder lang dazu führt, im punktuellen Ersatzfall die Firma kurzzeitig auf den Rastplatz oder den Pannenstreifen fahren zu müssen, statt auf der Überhohlspur zu bleiben.
Die meisten unserer Kunden sind jedoch zukunftsorientiert und ablauftechnisch hervorragend organisiert. Saubere Abläufe führen automatisch zu breit abgestützten, fairen und objektiven Lieferantenbewertungen mit mehreren, verschiedenen Kriterien und werden von ebenso vielen verschiedenen Personen durchgeführt. Daran orientieren wir uns und dadurch wird auch unser Erfolg messbar.
Autor
Hermann A. Jörg, Redaktor SMM
Information
Hilba Antriebstechnik AG
Durisolstrasse 10, 5612 Villmergen
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