Fachtagung Industrie 2025

«Zuerst Lean, dann Industrie 4.0»

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Spielerische Angehensweise

Dass die digitalisierte Fertigung im Kleinen beginnt, zeigt die Chocolats Frey. Zwar propagiert sie sich bereits jetzt als Betreiber einer intelligenten Fabrik, doch der endgültige letzte Schritt dahin liegt noch in der Ferne. Was die Migros-Tochter stufenweise umgesetzt hat ist eine papierlose, digitale Fabrik, mit reduziertem Supportaufwand, automatischen Qualitätskontrollen und Inventuren die (beinahe) in Echtzeit durchgeführt werden. «Es ist wichtig, dass das Nutzerpotential vorhanden ist und die Mitarbeiter involviert werden, wenn das Projekt Industrie 4.0 gelingen soll», sagt Philippe Ramseier von Autexis. Das IT-Unternehmen aus Villmergen war für die Umsetzung der «Smart Factory» bei Chocolats Frey zuständig. Ramseyer will den KMUs denn auch folgendes ans Herz legen: «Seien Sie spielerisch bei der Lösungsfindung. Erstellen Sie keine grosse Papiere, sondern nähern Sie sich Schritt für Schritt an die digitalisierte Fertigung von morgen.»

Auch Patrick Henseler von Intelliact propagiert die Salamitaktik hin zu Industrie 4.0. Am Anfang stehen für ihn zwei Fragen: «Was will ich erreichen? » und «Was sind die Anforderungen?» Waren die vorangehenden Beispiele eher Lösungen der digitalisierten Produktion, zeigte Henseler nun Beispiele von prädiktive Service-Leistungen – sogenannte «Smart Services». Dabei geht es um Monitoring durch Sensoren zur Kontrolle des Betriebszustandes eines Produktes. Dadurch könne z.B. Serviceplanung automatisiert werden. So identifiziert und kontrolliert die Rhätische Bahn den Betriebszustand einzelner Bauteile. Durch die dynamische Wartung können die Unterhaltungskosten gesenkt werden. Anlagen und Geräte werden nur dann gewartet wenn die Bauteile an ihr Lebensende angelangt sind. «Dafür müsse aber zuerst Wissen zum Produkt vorhanden sein. Und darum müssen Daten gesammelt und ausgewertet werden», sagt Henseler. Dafür sind «Smart Products» nötig. Die intelligenten Produkte haben eine eigene Identität und Intelligenz. Sensoren erfassen ihren Zustand, «so dass die Produkte letztlich selbst wissen wie sie aufgebaut sind und ihre Historie kennen», erklärt Henseler.

Ob am Ende des Tages alle 330 Tagungsbesucher den grossen digitalen Durchblick hatten ist schwer zu sagen. Auf die Frage von Tagungsleiter Guido Santner wie viele der Anwesenden denn nun bereits ein Industrie 4.0-Projekt am laufen hätten oder dies in naher Zukunft planten, hoben gerade 30 bis 40 Besucher ihre Hand. Ob das mit der Verdauungsmüdigkeit nach dem Mittagessen zusammen hing oder weil sich niemand aus dem Fenster lehnen wollte, sei hier offen gelassen. <<

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