Unter dem Motto «Sound of Studer» fand die diesjährige Pressekonferenz der Fritz Studer AG statt. «Das gerade abgeschlossene Geschäftsjahr 2023, immerhin das Jahr unseres 111-Jahre-Jubiläums, ist äusserst erfolgreich verlaufen», sagte Jens Bleher, CEO von Studer, vor rund 65 Journalistinnen und Journalisten aus über 20 Ländern in Steffisburg bei Thun.
Von links nach rechts: Jens Bleher (CEO), Stephan Stoll (COO), Daniel Huber (CTO) und Sandro Bottazzo (CSO), alle Fritz Studer AG.
(Bild: David Schweizer)
Trotz des global schwierigen Investitionsumfelds konnte der Hersteller von Präzisionsrundschleifmaschinen seinen Umsatz steigern und in vielen Regionen Marktanteile hinzugewinnen. Insbesondere in den wichtigen Märkten USA und China entwickelten sich die Umsätze positiv. Asien war, wie schon in den Vorjahren, die grösste Einzelregion, gefolgt von Zentraleuropa und Nordamerika.
Investitionen in die Produktentwicklung und Standortinfrastruktur
Die konsequenten Investitionen in die Produktentwicklung und die Standortinfrastruktur haben sich ausgezahlt. «Wir haben unsere Ankündigungen umgesetzt und die Zeit genutzt, um unsere Marktposition zu verbessern und uns langfristig für die Zukunft zu stärken», sagte er. In vielen Regionen der Welt konnte Studer Marktanteile hinzugewinnen. Sehr erfreulich war zudem der neue Umsatzrekord im Bereich Customer Care. J. Bleher wertete es als positives Zeichen für das kommende Geschäftsjahr, dass sich die Auftragslage zum Jahresende hin wieder überdurchschnittlich gut entwickelte.
Zwar war die Entwicklung der Auftragseingänge in einzelnen Märkten, wie in Deutschland, China und einzelnen anderen asiatischen Ländern, schwächer. In anderen Teilen der Welt stellten sich aber positive Resultate ein: «Wir erzielten in vielen Ländern gute Ergebnisse und konnten in einigen sogar Rekord-Auftragseingänge verzeichnen», so Sandro Bottazzo, CSO bei Studer.
Kleine und mittelständische Unternehmen vertrauen auf Studer
Gemessen an den Kundensegmenten generierte die Luft- und Raumfahrt erneut den grössten Zuwachs an Auftragseingängen. Diese Branche hat inzwischen die rückläufige Automobil- und Zulieferindustrie überholt. Der Bereich «Tool» blieb unter den Erwartungen. Das grösste Einzelsegment ist, wie im Vorjahr, das von Lohnfertigern geprägte «Precision Engineering».
«Es freut mich sehr, dass unsere Schleifmaschinen bei kleinen und mittelständischen Unternehmen so grosses Vertrauen geniessen und das Segment bleibt für uns strategisch wichtig», erklärte Bottazzo. Auch die Bereiche «Maschinenbau» und «Die & Mould» konnten ihre wichtige Stellung behaupten. Sehr erfreulich war zudem die steigende Nachfrage nach Präzisionsrundschleifmaschinen in der Halbleiterindustrie.
Rekordumsatz im Customer Care
Von besonderer Bedeutung für Studer als international aufgestellten Hersteller von Präzisionsrundschleifmaschinen blieb auch 2023 das breite Portfolio. Sehr solide verlief hier der Verkauf an CNC-Universalrundschleifmaschinen. Die stückzahlstärkste Maschine war die S33, gefolgt von der «FavoritCNC», der S31, der S41 und der «Favorit». «Bei den Innenrundschleifmaschinen war es für die S131 sogar das drittbeste Verkaufsjahr in der Unternehmensgeschichte», sagte Bottazzo. Auch die Verkäufe der neuen Innenrundschleifmaschine S100 verliefen sehr erfreulich und lagen über den Zielsetzungen.
Sehr positiv entwickelte sich der Bereich Customer Care. «Hier konnten wir das zweite Jahr in Folge einen Umsatzrekord verzeichnen», sagte Bottazzo. Das betrifft alle Geschäftsfelder: von Wartung, Service bis hin zu Ersatzteilen und Überholungen. Besonders erfreulich war hierbei die Entwicklung in Osteuropa, wo Studer in der Tschechischen Republik, der Slowakei, Polen und Ungarn den Service mit eigenem Fachpersonal nun selbst durchführt.
Drei Automatisierungslösungen auf einer Messe
Weltweit nahm Studer an rund 30 Messen und Open Houses teil. Neben der CIMT in Beijing und der EMO in Hannover verlief das Open House bei United Grinding North America besonders erfolgreich. Studer konnte auf der EMO 2023 mit dem neuen Lader «insertLoad» sowie dem «roboLoad» und «uniLoad» erstmals in der Geschichte drei Automatisierungslösungen auf einer Messe präsentieren.
Wichtige Entwicklungen bei Spindeln und Automation
Insgesamt stand für Studer die Entwicklung und Weiterentwicklung modernster Schleiftechnologien zum Vorteil der Kunden auch 2023 im Fokus. Die Produktionsaussenrundschleifmaschine S36 eignet sich besonders gut für Bauteile rund um die E-Mobilität. «Nun können unsere Kunden auf der S36 alle Spindelvarianten und Automationslösungen uneingeschränkt nutzen», sagte CTO Daniel Huber. So ist, dank der neuen leistungsstarken Schleifspindel mit 25 kW, der Einsatz von besonders breiten Schleifscheiben bis 160 mm möglich. Neu ist die Option Hochgeschwindigkeitsschleifen mit CBN- oder Diamant-Schleifscheiben verfügbar. Mit den voll kompatiblen Beladesystemen «easyLoad» und «uniLoad» können Kunden mit der S36 ihre Produktion in hohem Masse automatisieren.
Stand vom 30.10.2020
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Erfreut zeigte sich D. Huber über den Erfolg der neuen Innenrundschleifmaschine S100. Sie hat sich im Einstiegsbereich für das Innenschleifen als Pendant zur «FavoritCNC» im Aussenschleifen etabliert. Für die S100 steht dank der Entwicklung im vergangenen Jahr nun eine neue, leistungsstarke Abrichtspindel (Ø 58) zur Verfügung, die es in Zukunft auch für weitere Modelle geben soll.
Bei der Nachfolgemaschine für die beliebte «FavoritCNC» können sich Kunden auf neue Features freuen: zum Beispiel eine Winkelanzeige des Schleifkopfes, die beliebte «QuickSet»-Einrichtfunktion und einen Konventionalmodus als Handschleifzyklus, der effizient das manuelle Schleifen von Werkstücken ganz ohne Programmierung ermöglicht.
Neue Features für C.O.R.E. angekündigt
Ein besonderer Schwerpunkt bei der Entwicklung lag auch 2023 auf C.O.R.E., der revolutionären Hard- und Softwarearchitektur von United Grinding. «Schon jetzt erlaubt das C.O.R.E.-Touch-Bedienpanel eine noch nie dagewesene intuitive Nutzung und schon bald wird eine personalisierbare Oberfläche, bei der die Bedienenden ihren Arbeitsplatz definieren und abspeichern können, möglich sein», erklärte D. Huber. Ebenso standen die Datenerfassung und -auswertung sowie neue Sensorik und Instrumente im Fokus.
«Smartjet» senkt den Bedarf an Kühlschmiermittel
Anschliessend gab der CTO einen Ausblick für die Zukunft. «Das Thema Nachhaltigkeit bleibt für uns weiterhin wichtig», sagte er. Das von Studer entwickelte Kühlsystem «Smartjet» senkt den Bedarf an Kühlschmiermittel und Energie im Schleifprozess bereits erheblich und setzt neue Massstäbe in der Branche. Auch in der Halbleiterindustrie sieht D. Huber weiter grosses Potenzial. Die Nachfrage nach Hochleistungshalbleitern steige aufgrund von E-Mobilität und Photovoltaik. Die Studer-CNC-Universal-Rundschleifmaschine S41 mit InSitu-Röntgenmesskopf setzt den Massstab in der Wafer-Herstellung und ist im Markt äusserst erfolgreich.
«Langfristig können nur die Maschinenhersteller erfolgreich sein, die intelligente und effiziente Maschinen auf dem aktuellsten Stand der Technik anbieten», fasste der CTO die umfassenden Entwicklungstätigkeiten im vergangenen Jahr zusammen.
Studer stellt wettbewerbsfähige Lieferzeiten sicher
Für den Bereich Operations gab Stephan Stoll, COO von Studer, einen Überblick. «Das Verhältnis der produzierten Maschinen hat sich 2023 zu komplexeren Anlagen verschoben», sagte er. Aufgrund des aktiven Beschaffungsmanagements und der Normalisierung der weltweiten Lieferketten konnten die Aufträge termingerecht ausgeführt werden. Positiv bewertete Stoll die Umsetzung der gemeinsamen Fertigungsstrategie innerhalb der United Grinding Group, die Studer gute Auslastung bescherte.
Zu den wichtigsten operativen Projekten gehörten die Investitionen in automatisierte Fertigungsmittel und modernste Prüfstände. Als einer der wenigen Schleifmaschinen-Herstellern produziert Studer eigene hochwertige Spindeln. Die Kompetenz für diese strategisch wichtigen Maschinenbauteile konnte gezielt ausgebaut werden. In die Voraussetzungen dafür – und auch für weiteres Wachstum – wurde in Steffisburg und im Kompetenzzentrum Innenschleifen am Standort Biel mit umfassenden baulichen und logistischen Massnahmen weiter investiert.
Studer ans Fernwärmenetz angeschlossen
Das Thema Nachhaltigkeit spielte ebenfalls eine grosse Rolle. «Seit Februar 2023 ist der Standort Steffisburg am lokalen Fernwärmenetz angeschlossen und somit werden alle Gebäude umweltfreundlich beheizt», erklärte Stoll. Darüber hinaus ist die Umstellung sämtlicher Gebäude auf LED-Beleuchtung weitgehend abgeschlossen. In Summe sinken Energieverbrauch und CO2-Ausstoss erheblich.
Der COO gab zudem einen Ausblick auf das kommende Geschäftsjahr. «Nach den erheblichen Investitionen der vergangenen Jahre steht nun die Neugestaltung unserer Logistikabläufe und Lagerinfrastruktur bevor», sagte Stoll. Das Herzstück dieses Projekts ist ein zentraler Logistikhub mit direkt angebundenem Behälterlager. Die höhere Effizienz des vollautomatisierten Lagersystems kommt der gesamten Maschinenproduktion und der Abwicklung von Ersatzteilen zugute.
Zum Abschluss betont J. Bleher die grosse Bedeutung bestens ausgebildeter Mitarbeitender für das Technologieunternehmen. Er zeigt sich sehr erfreut über die jüngsten Erfolge an den renommierten Berufsmeisterschaften «SwissSkills». Dort hatten im vergangenen Jahr die Studer-Lernenden Luis Salzmann (1. Platz Konstrukteur/-in EFZ) und Noah Rossel (2. Platz Automatiker/-in EFZ) mit ihren hervorragenden Leistungen die Gold- und Silbermedaillen gewonnen. «Studer ist damit zum dritten Mal in Folge bei den ‹WorldSkills› vertreten. Darauf sind wir sehr stolz und es bestätigt unser umfangreiches Engagement in der Berufsausbildung», sagte CEO J. Bleher. (böh)