Voxeljet 3D-Drucker schont James Bond Auto
Um keinen sündhaft teuren Edel-Oldtimer in die Luft jagen zu müssen, entstanden drei Modelle des legendären Aston Martin im 3D-Druckverfahren für den neuen Bond-Streifen Skyfall. Erfahren Sie in diesem Geheimbericht, frisch von der Euromold 2012, was sich zugetragen hat.
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Wenn im neuen Agententhriller Skyfall ein silberfarbener Dienstwagen von James Bond in Flammen aufgeht, steckt dahinter die 3D-Drucktechnologie des Augsburger Unternehmens Voxeljet. Im Dienstleistungszentrum der Schwaben entstanden im 3D-Druckverfahren die drei Aston Martin DB 5 Modelle, die bei harten Action-Szenen das heute unbezahlbare Originalfahrzeug aus den sechziger Jahren doubeln, das schon Jean Connery vor den Schergen Goldfingers bewahrt hat und seit einigen Abenteuern auch Daniel Craig als fahrbarer Untersatz bei der Verbrecherjagd dient. Außerdem darf der Bolide in Skyfall wieder zeigen, was außer Pferdestärken, für Gadgets unter seiner Karosserie schlummern, die den Supergaunern das Leben schwer machen. Der Film Thunderball war der letzte Bond, in dem die schlagkräftigen Argumente aus der Schmiede von Q zu erleben waren.
Gestatten, jet!...Voxeljet
Actionszenen in aufwändigen Filmproduktionen a la James Bond müssen heute realistischer dargestellt werden denn je. Für die Modellbauer hinter den Kulissen bedeuten die hohen Ansprüche der Filmemacher ein Mehr an Aufwand und Detailarbeit. Firmen wie das auf die Herstellung von Filmrequisiten spezialisierte Unternehmen Propshop Modelmakers Ltd. sind daher ständig auf der Suche nach wegweisenden Herstellmethoden.
Weder geschüttelt, noch gerührt sondern gedruckt
Dass sich die Briten dabei gerade für die 3D-Drucktechnologie eines deutschen Anbieters entschieden, ist für das Augsburger Unternehmen eine Auszeichnung der besonderen Art. „Für den neuen James Bond Film Skyfall kommt natürlich nur state-of-the-art-Technologie zum Einsatz,“ so Voxeljet-CEO Dr. Ingo Ederer. Dass die Modellbauer aus den Pinewood Studios Voxeljet als Benchmark sehen, belege die Performance und Stellung der 3D-Drucksysteme im weltweiten Ranking.
Mit dem Drucker des Typs VX4000, der Formen und Modelle bis maximal 8 m³ Größe aufbauen kann, hätten man den legendären Sportwagen im Maßstab 1:3 problemlos auch in einem Stück ausdrucken können, unterstreicht Ederer. Die britischen Modellbauer verfolgten aber einen anderen Ansatz: Um den Aston Martin so detailgetreu wie nur möglich aufzubauen und zahlreiche Funktionen in die Filmmodelle integrieren zu können, entschlossen man sich zur Montage des Fahrzeugs aus insgesamt 18 Einzelteilen. „Die komplette Karosserie baut fast wie im realen Fahrzeugbau in früheren Zeiten auf einem Stahlrahmen auf“, wie Ederer beschreibt.
Schichtweise zum realitätsnahen Oldtimer-Double
Nachdem die CAD-Daten für alle Teile vorlagen, machte man sich bei Voxeljet an das Ausdrucken. Die Modelle entstehen durch den schichtweisen Auftrag eines Partikelmaterials, das mit einem Binder selektiv verklebt wird. Als Werkstoff kommt das Kunststoffmaterial PMMA (Acrylglas) zum Einsatz, das sich gerade für diese Aufgabenstellung hervorragend eignet. Die Einzelteile bieten eine brillante Detailgenauigkeit, sind aber gleichzeitig sehr stabil und belastbar, so dass bei Bedarf später auch problemlos die mechanische Nacharbeit durchführbar ist.
Nach dem Entpacken, einem Vorgang bei dem die fertigen Teile von nicht gebundenem Material befreit werden, sah es im Dienstleistungszentrum bei voxeljet sehr nach Karosseriewerkstatt aus, lacht Ederer. Insgesamt 54 Kfz-typische Einzelteile für die drei Fahrzeugmodelle, darunter Kotflügel, Türen, Motorhauben, Dächer und dergleichen mehr, tummelten sich hier und mussten jetzt nur noch sicher verpackt und auf den Weg zu den Pinewood Studios nahe London bugsiert werden.
Modelle so geschätzt wie ein Oberklassefahrzeug
Dort angekommen übernahmen die Modellbauer von Propshop das Zusammensetzen, Nachbearbeiten, Lackieren in Originalfarbe sowie das Anbringen von Chromapplikationen und realistisch aussehender Einschusslöcher in mühevoller Detailarbeit. Wie perfekt diese Arbeiten ausgeführt sind, belegen die spezial Effects in Skyfall. Die Aston Martin Modelle aus dem Voxeljet-Drucker sind nach dem Finishing durch Propshop selbst in Großaufnahme nicht vom Original zu unterscheiden. Und: Der unbezahlbare Aston Martin DB 5, der bereits im ersten James Bond Film vor genau 50 Jahren zum Einsatz kam, bleibt unversehrt, während eines der drei in mühevoller Kleinarbeit komplettierten Modelle im Film in Flammen aufgeht. Ein kostspieliger Filmcrash übrigens, denn immerhin brachte Christie´s eines der drei Modelle bei einer Auktion für knapp 100.000 US-Dollar an den Mann.
Möglicher Impuls für die Filmbranche
Für Voxeljet war das Mitwirken an einer James Bond Produktion natürlich alles andere als ein alltäglicher Auftrag und einmal mehr der Einstieg in eine völlig neue Branche: „Neben der Automobilindustrie, Gießereien, Designer und Künstlern erschließt sich mit der Filmindustrie ein völlig neuer Kundenkreis für voxeljet. Der 3D-Druck steht in der Filmbranche vor einer großen Zukunft. Die Technologie bietet phantastische Möglichkeiten, ist sie doch in den meisten Fällen um ein Vielfaches schneller, präziser und wirtschaftlicher als der klassische Modellbau“, ist Ederer überzeugt.
Voxeljet gilt als ein Pionier auf dem Gebiet des 3D-Drucks. Im europaweit größten Dienstleistungszentrum haben sich die Augsburger auf die on demand-Fertigung von Sandformen für den Metallguss sowie auf Kunststoffformen und 3D-Funktionsmodelle spezialisiert. Hersteller von Kleinserien und Prototypen aus den unterschiedlichsten Industriezweigen Europas schätzen die schnelle und kostengünstige Herstellung ihrer Gussformen und 3D-Modelle auf Basis von CAD-Daten. Gleichzeitig hat sich das international tätige Unternehmen auch einen Namen als Hersteller von hochauflösenden 3D-Drucksystemen gemacht. Die so entstandenen Formen zeichnen sich durch Präzision und Detailreichtum aus – Eigenschaften, die auch die britischen Modellbauer überzeugten.
MM
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