Digitale Raumvergrösserung dank ausgeklügelter Software

3D-Sound für das Opernhaus Zürich

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Digitale Raumvergrösserung

Ursprünglich wurde das Opernhaus Zürich als Schauspielhaus, als Sprechtheater konzipiert. Es hat daher eine hervorragende Sprachverständlichkeit, aber zu wenig Nachhallzeit für Opernaufführungen. Diese kann mit SpatialSound Wave verlängert werden. Anstatt Audiosignale schicken die Forscher Reflexionen an bestimmte Stellen des Raums. «Wir rechnen der originalen Klangquelle ein weiteres Signal hinzu und können Einfluss auf Zeitpunkt sowie Länge der Reflexionen nehmen», sagt Rodigast. Dadurch wird der Raum grösser. So als ob man die Wände nach hinten verschiebt.

«Mit der Software können wir Effekte und Raumklang im Live-Betrieb spontan anpassen. Bisher mussten wir alle Effekte vorprogrammieren. Die Audioobjekte lassen sich auch so positionieren, dass sie für den Hörer verschiedene Entfernungen haben können. Das heisst, ich kann die Effekte so platzieren, als ob sie ausserhalb des Raums erklingen», sagt Surgutschow.

Feintunen mit den Ohren

Im Opernhaus Zürich sind die Ränge klassisch angeordnet: Parkett, Parkett-Galerie, 1. Rang, 2. Rang inklusive Logen, Medaillon, Decke. «Die unterschiedlichen Etagen in unterschiedlicher Höhe machen es sehr herausfordernd, die Akustik optimal einzustellen: zum Beispiel an jedem Platz das gleiche Sounderlebnis zu schaffen oder bei Klangwelten, die sich durch den Raum bewegen», sagt Surgutschow. «Da reichen Mikrofone zum Messen der Lautstärke nicht aus. Das ist nur für die technische Annäherung. Viel wichtiger ist das Vorhören mit dem eigenen Ohr.» Wissenschaftler und Tontechniker wanderten Platz für Platz und Loge für Loge ab, spielten verschiedene Soundinhalte ab, bewegten Klangquellen an verschiedene Stellen. «Man probiert unterschiedliche Einstellungen aus. Das kann keine Technik abnehmen», sagt Rodigast. Es gab zwei Termine: An einem Tag wurde das System ausgemessen und in Betrieb genommen. «Akustisch optimiert haben wir das dann in zwei Nächten, nachdem die Toningenieure zuvor schon ein paar Wochen mit der Technologie gearbeitet hatten», erzählt Rodigast.

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