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Für einen Mittelständler wie die Siebtechnik GmbH ein Experiment, sind solche Rentner-Gangs, oft gemischt im Team mit jüngeren Kräften arbeitend, in der Grossindustrie keine Seltenheit mehr. Zu den Vorreitern in dieser Hinsicht gehört sicherlich Bosch, wo man sich schon lange auf den demografischen Wandel und den absehbaren Fachkräftemangel vorbereitet, wie Christoph Kübel, Arbeitsdirektor der Robert Bosch GmbH, erläutert.
Know-how im Unternehmen halten und an jüngere Mitarbeiter weitergeben
Heute sind bei Bosch immer mehr pensionierte Mitarbeiter gefragt – und das weltweit: So leisteten die Bosch-Senior-Experten 2013 freiwillig rund 50 000 Einsatztage, doppelt so viele wie noch vor fünf Jahren. Hoch im Kurs stehen vor allem Spezialisten wie Techniker und Ingenieure, aber auch Controller und Logistiker. Im Jahr 1999 gründete der Bosch-Konzern für diese Mitarbeiter eigens eine Tochtergesellschaft , die Bosch Management Support GmbH (BMS), die ehemalige Mitarbeiter zeitlich befristet für Projekt- und Beratungsaufgaben ins Unternehmen vermittelt – und das weltweit.
Ziel war es, so Bosch-Arbeitsdirektor Kübel, jahrzehntelang erworbenes Bosch-Wissen zu erhalten und an jüngere Mitarbeiter weitergeben zu können. Mehr als 40 000 Jahre Know-how bringen alle 1600 Pensionäre zusammen, die aktuell zum Expertenpool des Technologie- und Dienstleistungsunternehmens gehören. „Was 1999 gerade mal mit 30 ehemaligen Mitarbeitern begann, hat sich heute für Bosch zu einem weltweiten Erfolgsmodell entwickelt“, stellt er fest. „Unsere Senior-Experten sind wichtige Leistungsträger. Ihr langjähriges Know-how hilft bei Problemlösungen, liefert neue Ideen und stärkt unsere Innovationsfähigkeit.“ Altersgemischte Teams erleichterten darüber hinaus das generationsübergreifende Lernen, so Kübel weiter.
Best Ager in die Zukunft mitnehmen
Die alternden Experten kommen bei Bosch dort zum Einsatz, wo kurzfristig professionelle Beratung gefragt ist. Das kann beim Anlauf von Fertigungslinien im Ausland sein oder bei der Qualitätssicherung in einem Werk. Dabei ist der Nutzen beiderseitig „Die Wertschätzung meiner Lebens- und Berufserfahrung ist für mich die grösste Motivation“, freut sich einer der Bosch-Seniorexperten. „Es reizt mich, technische Aufgaben zu lösen und fachlich weiter auf dem aktuellen Stand zu bleiben.“ „Altersgemischte Teams können unterschiedlichen Kundenbedürfnissen oftmals besser gerecht werden“, ergänzt Dr. Georg Hanen, Geschäftsführer der Bosch Management Support GmbH. „Viele Senior-Experten bringen dafür bis zu 40 Jahre Bosch-Erfahrung ein.“
Auch Autobauer Daimler setzt für Spezialeinsätze verstärkt auf Rentner. Fast 100 Ruheständler habe der Konzern im vergangenen Jahr zeitweise ins Unternehmen zurückgeholt, erklärt Personalvorstand Wilfried Porth. Seit rund einem Jahr gibt es bei den Schwaben einen „Expertenpool“, in dem sich Rentner registrieren lassen können - mitsamt ihren speziellen Fähigkeiten und Erfahrungen. Inzwischen sind dort rund 390 Senioren angemeldet. Auch bei Serienanläufen neuer Modelle sind die erfahrenen Rentner gefragt. „Wir haben nicht an jeder Stelle im Unternehmen Menschen, die schon so viele Anläufe durchgemacht haben“, erklärt Porth. „Da gehört schon sehr viel spezielles Mercedes-Wissen dazu.“
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