SMM-InnovationsForum Automation Automation pur in Luzern

Redakteur: Silvano Böni

Die geballte Ladung «Automation» erwartete die rund 150 Besucher des ersten SMM-InnovationsForum Automation in Luzern. Ob fahrerlose Transportsysteme, eine Revolution in der Pneumatik oder die Digitalisierung der Vakuumtechnik. Der Grundtenor war überall der Gleiche: Wo immer möglich, sollen Geräte, Maschinen und Anlagen mit Intelligenz versehen werden.

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Die Referenten vereint: Reto Amstad (Siemens), Peter Burger (Lütze), Jonas Jeisy (Festo), Jean-Marc Collet (Stäubli), Sven Haindl (SMC), Piotr Myszkorowski (Sigmatek), Kay-Horst Dempewolf (Wittenstein), Roger Meier (Lenze), Hans Krattenmacher (SEW), Christian Landis (Schmalz) und Moderator Matthias Böhm.
Die Referenten vereint: Reto Amstad (Siemens), Peter Burger (Lütze), Jonas Jeisy (Festo), Jean-Marc Collet (Stäubli), Sven Haindl (SMC), Piotr Myszkorowski (Sigmatek), Kay-Horst Dempewolf (Wittenstein), Roger Meier (Lenze), Hans Krattenmacher (SEW), Christian Landis (Schmalz) und Moderator Matthias Böhm.
(Bild: Thomas Entzeroth)

Intelligenz war das allgegenwärtige Thema in den 14 Fachvorträgen am ersten SMM-InnovationsForum Automation in Luzern. In Zeiten von Industrie 4.0 ist dies auch kaum verwunderlich. Maschinen und Systeme produzieren mittlerweile eine riesige Datenmenge. Wer diese zu nutzen weiss, verschafft sich Vorteile – immer intelligentere Automationslösungen sind das logische Ergebnis.

Intelligenz allein reicht nicht

Intelligent sind sie, die fahrerlosen Transportfahrzeuge (FTF), welche Dr. Piotr Myszkorowski von Sigmatek den Zuhörern nähergebracht hatte. Mit den bis zu acht angetriebenen Rädern können sich die FTF auf engstem Raum in jede Richtung bewegen – neben der optischen Spurführung sind auch magnetische Leitlinien oder das freie Navigieren mit Laserscanner möglich. Das S-Dias-Steuerungssystem von Sigmatek sorgt für einen reibungslosen Betrieb der Fahrzeuge. Doch die Eigenintelligenz der Fahrzeuge allein reicht nicht für einen reibungslosen Betrieb, wie der Redner erklärte: «Die Fahrzeuge für sich sind zwar in gewisser Weise intelligent, aber ohne ein geeignetes Flottenmanagement würde das Ganze nicht funktionieren.» Eine Kopfstation bestehend aus Standard-Steuerungskomponenten wie CPU, I/Os und Sicherheitssteuerung des österreichischen Automationsspezialisten übernimmt diese Aufgabe und dient als übergreifender Flottenmanager. Sie überwacht die einzelnen Fahrzeuge (Akku-Stand, Position, Geschwindigkeit) und übersetzt die Fahraufträge aus dem Logistik-System in kollisionsfreie Bewegungsbefehle. Das Ergebnis ist ein hochflexibler, intelligenter und automatischer Materialtransport.

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Pneumatik im Industrie-4.0-Zeitalter

Mit einer «Revolution in der Pneumatik» kündigte Jonas Jeisy von Festo sein Referat an. Noch einfacher einsetzbar, noch vielseitiger, noch flexibler. Das klang erst mal erstaunlich, da die Pneumatik jetzt schon als eher leicht beherrschbare Technologie galt. Doch was der Application Engineer danach präsentierte, hatte es in sich. Das Festo-Motion-Terminal VTEM «katapultiert die Pneumatik ins Zeitalter von Industrie 4.0», so Jeisy. Passend dazu geschieht dies im Zeitalter der Smartphones mit Apps. Neue Funktionen können so einfach und schnell in die Ventilhardware integriert werden – und macht diese so intelligenter.

Zum Start des Festo-Motion-Terminals stehen zehn Funktionen über Motion-Apps zur Verfügung: von der einfachen Änderung der Wegeventilfunktionen bis zu energieeffizienten Bewegungen, vom proportionalen Verhalten bis hin zur Leckage-Diagnose. Das Besondere dabei: Alles funktioniert mit einer identischen Hardware. Maschinenentwickler können mit einer Hardware Basismaschinentypen erstellen und durch schnelles Zuschalten neuer Funktionen über Apps die Maschine mit unterschiedlichsten Funktionen und Ausprägungen je nach Kundenwunsch ausstatten.

Digitalisierung der Vakuumtechnik

Die Digitalisierung der Industrie ist allgegenwärtig und macht natürlich auch vor der Vakuum-Automationstechnik von Schmalz nicht halt. Wobei das Unternehmen bereits vor fast zehn Jahren Vakuumerzeuger mit IO-Link als Kommunikationsschnittstelle auf den Markt brachte. Diese halfen mit ihren Daten bei der Prozessüberwachung und -steuerung, und das lange bevor «Big Data» in der Industrie als Schlagwort Fuss fasste. Ein Hauch von Intelligenz war also bereits dazumal in den Geräten. Der Vakuumspezialist hat dann auch sein Programm an sogenannten Smart-Field-Devices, also intelligenten Vakuumkomponenten, sukzessive ausgebaut – vom einzelnen Vakuumerzeuger über Vakuumterminals mit mehreren verblockten Ejektoren bis hin zum intelligenten Nadelgreifer. «Die Folge sind einfacher zu beherrschende Prozesse. Ein Greifer stellt sich automatisch auf das Werkstück ein, welches er anheben muss. Ob porös oder luftdicht spielt keine Rolle», so Christian Landis, Geschäftsführer der Schweizer Schmalz-Niederlassung. Das Unternehmen geht aber noch weiter. Komponenten und Systeme stattet Schmalz neuerdings mit Near Field Communication (NFC) aus. Daten können so direkt aus dem Prozessor der Feldgeräte ausgelesen und beispielsweise auch am Smartphone zur Verfügung gestellt werden. Mit einer eigenen Service-App lassen sich diese dann sogar via Mobilgerät einfach und schnell parametrieren.

… und vieles, vieles mehr

Neben fahrerlosen Fahrzeugen, digitaler Vakuumtechnik und Industrie-4.0-Pneumatik gab es zahlreiche weitere spannende Vorträge in Luzern zu hören. Die Zukunft der Robotik war ein weiteres Highlight, die Zusammenarbeit zwischen Mensch und den mechanischen Helfern ein anderes. Aber auch digitale Service-Modelle, vorausschauende Wartungen oder die Energie-Effizienz im Schaltschrank wurden thematisiert. Insgesamt 14 führende Unternehmen gaben einen Einblick in ihre intelligenten Lösungen der Gegenwart und Zukunft.

Das InnovationsForum Automation fand am 8. September zum ersten Mal statt und war vonseiten Aussteller, Referenten und Besucher ein voller Erfolg. Sämtliche Referate und Berichte sind auf www.smm-innovationsforum-automation.ch abrufbar. Das nächste InnovationsForum Automation findet 2019 statt. Eine weitere Möglichkeit für ein Branchentreffen der besonderen Art bietet aber der am 30. November stattfindende SMM-Kongress. Mit dem spannenden Thema «Unternehmen Zukunft – Industrie 2025» kann sich sicherlich jedes hiesige Unternehmen identifizieren. Ein Besuch lohnt sich also bestimmt. Weitere Informationen finden Interessierte unter www.smm-kongress.ch. SMM

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