Fertigungstechnik

Brütsch Rüegger Tools: Mit Vollgas in die Zukunft

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Dort aktiv werden, wo der Markt ist

Walter Hinterberger betont in diesem Zusammenhang, «dass Brütsch/Rüegger Tools in den Regionen aktiv wird, wo sich der Markt abspielt, das könnte mittel- bis langfristig auch in Asien sein.» Solche Aussagen zeigen auf, dass hier eine unternehmerische Flexibilität und Weitsichtigkeit vorhanden ist, die von überlebenswichtiger Bedeutung ist, wenn sich die Märkte ändern.

Apropos Flexibilität, bisher wurde in diesem Beitrag Brütsch/Rüegger Tools als Handelsunternehmen bezeichnet, doch seit einigen Jahren setzt das Unternehmen verstärkt auf Technologiepartnerschaft, insbesondere im Bereich Zerspanung, aber auch darüber hinaus.

Trends und Innovationen in der Zerspanung

Die technologische Kompetenz war dementsprechend Fokus des Seminars, das im Windkanal des Schweizer Sauber-Formel-1-Rennstalls veranstaltet wurde. Einer der vier Vortragenden, Prof. Dr. Konrad Wegener (ETH Zürich), betonte gleich zu Beginn, dass er dem Thema Trends und Innovationen fast gar nicht gerecht werden könne, da die Innovationen und Trends in der Fertigungstechnik derartig vielseitig sind, dass dies in 30 Minuten nicht seriös bewältigbar sei.

Gleichwohl, sein Vortrag war beeindruckend und zeigte auf, dass es eine unglaubliche Vielzahl an Trends und Innovationen gibt. Das fängt bei Minimalmengenschmierung und Trockenbearbeitung an, geht über Optimierungsstrategien im HSC-Bereich (Hochgeschwindigkeitsfräsen) und High-Performance Cutting bis hin zu integrierten Fertigungsprozessen. Letzteres – wie beispielsweise laserunterstütztes Drehen oder Fräsen – findet aber nur dann Anwendung, wenn technologisch kein klassisches Verfahren mehr möglich ist, oder die Kosten keine Rolle spielen. Was in den seltensten Anwendungen der Fall ist.

Ein zunehmend wichtiges Thema ist HPC (Hochleistungsfräsen): Gerade in den letzten Jahren wurde vermehrt Augenmerk auf das HPC-Fräsen gelegt. Hier berichtet Georg Wellein (Emuge Franken), dass HPC-Fräser typische makrogeometrische Eigenschaften aufweisen. Bei klassischen Fräsern ist der Kerndurchmesser des Fräsers gleichmässig dick, bei den HPC-Fräsern dagegen verjüngt sich der Kerndurchmesser vom Schaft bis zur Spitze, so dass er dort höhere Dreh- und Biegemomente aufnehmen kann, wo hohe Momente entstehen. Zudem müssen die Nuten optimal konzipiert sein, um das enorme Zeitspanvolumen sicher aus dem Spanraum zu entsorgen. Schliesslich müssen auch die Maschinenkonzepte auf HPC-Zerspanung ausgelegt sein: hohe Steifigkeit, hohe Drehmomente bei mittelhohen Drehzahlen.

Zeitspanvolumen Titan: Verdoppelung erwartet

Ein ganz wichtiges Themengebiet – gerade in der Schweiz – ist die Titanzerspanung. Hier laufen an der ETH einige Projekte. Ein Thema, das viele umtreibt, ist die Gewindefertigung kleinerer Gewinde in Titan. Hier ist man zugegebenermassen zerspanungstechnisch noch nicht im Formel-1-Bereich angelangt: Es geht eher im Schneckentempo voran. Das liegt konkret an den äusserst schwierigen Zerspanungsbedingungen, die beim Gewinden in Titan vorherrschen. Umso mehr Entwicklungspotential ist hier vorhanden. Beim Fräsen sieht man dagegen Fortschritte, dass sich beim Zerspanen von Titan mehr Zeitspanvolumen generieren lässt, ohne dass die Werkzeugstandzeiten drastisch runtergehen. Die Entwicklungsschübe, die Prof. Dr. Wegener hier sieht, sind beträchtlich: Auf die Frage, ob bei 0,7 l/min Zeitspanvolumen die Grenze erreicht sei, sagte er, das könne sicher in den nächsten Jahren um den Faktor zwei gesteigert werden. Das klingt zuversichtlich und zeigt auf, dass der Fertigungsstandort Schweiz hier absolut auf der Überholspur ist. <<

* Chefredaktor SMM

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