Schwimmende Förderanlagen Die grösste schwimmende Offshore-Anlage der Welt

Redakteur: Sergio Caré

2017 soll an der australischen Westküste das grösste Schiff der Welt in Produktion gehen. Die Prelude, wie das Schiff heisst, ist aber eigentlich eine schwimmende FLNG-Förderanlage. Mit an Bord ist die ABB, die einen Fünfjahresvertrag zur Bereitstellung von Ausrüstung und Services erhalten hat.

Anbieter zum Thema

Grafik Shell Prelude.
Grafik Shell Prelude.
(Bild: ABB / Shell)

Es ist ein Projekt der Superlative, das da ab 2017 in der Timorsee schwimmen wird: die Prelude (zu Deutsch: Auftakt), das grösste Schiff der Welt. 488 Meter misst der Koloss in der Länge und 74 Meter in der Breite. Im Vergleich hätte der grösste Flugzeugträger der Welt, die USS Enterprise mit 342 Meter, ohne Probleme im Bauch der schwimmenden Plattform Platz. Denn das ist die Prelude, eine schwimmende FLNG-Anlage (Floating Liquefied Natural Gas), die nie die Weltmeere befahren wird. Ihre längste Reise hat sie bereits hinter sich. In Südkorea lief sie 2013 vom Stapel. Seit da wird die Plattform auf ihren Einsatz vorbereitet. Ihr letzter Standort befindet sich vor der australischen Westküste, wo sie an der Unterwasserinfrastruktur im Browse-Becken befestigt wird. Dort soll sie 25 Jahre lang vertäut bleiben, Erdgas fördern, verflüssigen, lagern und als Umschlagplatz dienen. Für Wartungsarbeiten oder zum Schutz vor Zyklonen soll sie nie von der Verankerung gelöst werden. Damit dieses neue Monster der Meere an Ort und Stelle in Position bleibt, stehen der Plattform 6700 PS zur Verfügung. Namensgeber für das Schiff war das 2007 gefundene Prelude-Gasfeld, 200 km nördlich vor der australischen Halbinsel Dampier.

260 000 Tonnen Stahl

In Auftrag gegeben hat die Prelude ein Konsortium rund um Shell (67,5 Prozent), INPEX (17,5 Prozent), die Korea Gas Corporation (10 Prozent) und die CPC Corporation (5 Prozent). Analysten schätzen, dass die FLNG-Anlage etwa 12 Milliarden US-Dollar kosten wird. Der Bau begann im Oktober 2012, wobei ein Baukonsortium, bestehend aus Samsung Heavy Industries und dem französischen Anlagenbau-Unternehmen Technip, federführend ist. Für die Konstruktion werden 260 000 Tonnen Stahl verbaut. Bei voller Lagerkapazität mit verflüssigtem Erdgas (LNG) wird die Anlage rund 600 000 Tonnen verdrängen. Die jährliche Förderkapazität beträgt etwa 3,6 Millionen Tonnen LNG sowie 1,7 Tonnen Kondensat und LPG (Liquefied Petroleum Gas). Erdgas nimmt im flüssigen Zustand nur noch 1/600 des Gas-Volumens ein. Während des Verflüssigungsprozesses werden pro Stunde etwa 50 Millionen Liter Wasser zur Kühlung des gasförmigen Erdgases benötigt. Dieser Prozess findet bei –162 Grad Celsius statt.

Flüssiggas wird in allen Verbrauchssektoren für unterschiedlichste Anwendungen, als Energieträger, aber auch als Ausgangsstoff für weitere Produkte, verwendet. Dabei nehmen laut Shell sowohl die Verfügbarkeit als auch der Einsatz von Flüssiggas zu. So wird Flüssiggas als Kühlmittel für Kühlschränke eingesetzt. Es dient als Treibmittel in Spraydosen für Kosmetika und Farben. Die Fertigung vieler Kunststoffe und anderer chemischer Produkte basiert auf dem Ausgangsstoff Flüssiggas. Und natürlich wird Flüssiggas auch als Brennstoff zum Heizen, zur Warmwassererzeugung oder für Prozesswärme genutzt.

ABB erhält Fünfjahresvertrag

Mit an Bord des Mammutprojektes ist die ABB, die einen Fünfjahresvertrag zur Bereitstellung von Ausrüstung und Services erhalten hat. Der Auftrag umfasst die Lieferung von Motoren, Generatoren, drehzahlgeregelten Antrieben sowie Niederspannungsschaltanlagen und sieht das Service- und Life-Cycle-Management für die elektrischen Anlagen sowie Service und Support für Motoren externer Anbieter vor. Dafür wird das Schweizer Unternehmen mit Sitz in Zürich einen Ersatzteilbestand, Reparaturservice und Schulungsbetrieb aufbauen und sowohl telefonisch als auch vor Ort rund um die Uhr technischen Support bereitstellen. Die Ersatzteile und -systeme werden in diesem Jahr beschafft, und die Schulungen sollen kurz danach beginnen. «Ein zuverlässiges Servicenetz ist für die Produktivität der Anlage von entscheidender Bedeutung», sagt Pekka Tiitinen, Leiter der ABB-Division Industrieautomation und Antriebe. «Die Prelude wird für maximale Zuverlässigkeit, Flexibilität und Energieeffizienz mit den integrierten Marinelösungen von ABB ausgerüstet, was für höhere Produktivität sorgt», sagt Tiitinen weiter. Die elektrischen Anlagen werden 14 Gasanlagenmodule antreiben. «Im Einklang mit unserer Next-Level-Strategie der bereichsübergreifenden Kooperation werden verschiedene ABB-Geschäfte zusammenarbeiten, um die geballte Kompetenz und Erfahrung unserer gesamten globalen Serviceorganisation zu nutzen.» <<

(ID:43970628)