Die Lebenszykluskosten
in den Griff bekommen

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Instandhaltung wird zu wenig in Entscheidungen eingebunden

Die von Alexander Stuber & Partner, MCP Deutschland und Dankl+Partner in Deutschland, Österreich und der Schweiz durchgeführte Studie zeigt, dass sich der Begriff «Asset Management» zu einem grossen Teil etabliert hat. Es gibt aber auch viele Unternehmen, die den Begriff nicht kennen oder der Meinung sind, dass Asset Management für ihren Betrieb nicht von Bedeutung ist.

Die Integration der Instandhaltung in das Asset Management ist sehr unterschiedlich gestaltet. Wenn man berücksichtigt, dass Asset Management bei weniger als 50% der Unternehmen ein ernsthaftes Thema ist, stellt man fest, dass die Instandhaltung durchschnittlich nur zu 20?30% in die relevanten Entscheidungen eingebunden wird.

Die Wichtigkeit der Einbindung der Instandhaltung in den Asset-Management-Prozess zeigt Abb. 3. Im Verlauf der Projektphasen werden laufend Entscheidungen getroffen, die die Lebenszykluskosten beeinflussen. Im Verlauf des Projektes nimmt der Einfluss der technischen Abteilung ab. Der Qualitätssicherung, ein entscheidender Faktor betreffend Frühausfälle und Kinderkrankheiten während der Herstellung und der Montage, kommt eine besondere Bedeutung zu. Während der Betriebs- und Optimierungsphase hat die Art und Weise, wie eine Anlage betrieben wird, einen enormen Einfluss auf die Lebenszykluskosten. Daraus wird ersichtlich, dass die Instandhaltung als Partner in allen Phasen des Lebenszyklus in die Projekte eingebunden sein muss. Sei es als Berater während der Projektierung, als Qualitätssicherer während Herstellung und Montage, als Entwickler der Instandhaltungsstrategie und Wartungspläne oder als kompetenter Schulungspartner während der Betriebsphase, denn bei Neuanschaffungen ist die Erfahrung der Instandhaltungsspezialisten die Grundlage für die Auslegung und Spezifikation von neuen Anlagen.

Investitionskosten sind geringer Anteil der Lebenszykluskosten

Die Investitionskosten für Industriegüter (Industrieanlagen, Maschinen, etc.) betragen nur gerade 20% der gesamten Lebenszykluskosten. In der Projektierungs-, Entwicklungs-, Herstell- und Montagephase werden 80% der gesamten Kosten massgebend beeinflusst.

Bei der Anschaffung einer Produktionsanlage kann meistens zwischen mehreren Optionen ausgewählt werden. Das Life Cycle Costing betrachtet bei der Auswahl nicht nur die Anschaffungskosten, sondern auch die Kosten der Nutzung (z.B. Betriebspersonalkosten), Instandhaltungskosten (Präventive Instandhaltung), Reparaturkosten (korrektive Instandhaltung), Energie- und Verbrauchskosten und der Entsorgung einer Anlage oder Komponente.

Entscheidungen, die während der Projektphase Kosten reduzieren, vor allem in Bezug auf die Investitionskosten, führen im Betrieb meisten zu überhöhten Energie-, Instandhaltungs-, oder Ausfallkosten. Eine Fokussierung auf einzelne Kostenelemente ist in den wenigsten Fällen zielführend. Es müssen alle Kostenelemente in den Entscheidungsprozess eingebunden werden.

Verfügbarkeit ist ein Qualitätskriterium

Die Verfügbarkeit eines technischen Systems ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein System bestimmte Anforderungen innerhalb eines vereinbarten Zeitrahmens erfüllt und somit in der Lage ist, die Investitionen zu amortisieren.

Verfügbarkeit ist auch ein Qualitätskriterium eines Systems und somit eine Kennzahl und ist wie folgt definiert:

Weitere Kennzahlen der Verfügbarkeit sind:

? Mean Time between Failure (MTBF, mittlere Betriebszeit zwischen zwei auftretenden Fehlern ohne Reparaturzeit)

? Mean Time to Repair (MTTR, mittlere Dauer der Wiederherstellung nach einem Ausfall)

Die Einflussfaktoren auf die Verfügbarkeit sind:

? Funktionsfähigkeit

? Instandhaltbarkeit

? Instandhaltungsunterstützung.

Eine weitere Kennzahl ist die Kapitalrendite oder der ROI. Diese ist vom Umsatz und somit direkt von der Verfügbarkeit sowie den Betriebskosten einer Produktionsanlage abhängig. Damit die Kapitalrendite optimiert werden kann, bedarf es unterschiedlicher Strategien und einer flexiblen Instandhaltung.

Während bei steigender Nachfrage eine Verfügbarkeitsstrategie gefahren wird, muss bei stagnierender Nachfrage eine Kostenstrategie verfolgt werden. Das bedeutet für die Instandhaltung eine dauernde Beobachtung und entsprechende Anpassungen. Das Du-Pont-Schema unterstreicht die Wichtigkeit der übergeordneten Strategien deutlich. Solche Strategiewechsel erfordern eine hohe Flexibilität in der Instandhaltung, indem bei Bedarf die variablen Kosten entsprechend reduziert werden, zum Beispiel durch Anpassung der einzukaufenden Dienstleistungen.

Geldgeber werden zukünftig vermehrt auf eine adäquate Kapitalrendite achten, denn Geld, das nicht ausgegeben wurde, muss nicht verzinst werden, erhöht den Gewinn und trägt somit zur Verbesserung der Kapitalrendite bei.

Fast ¾ der Teilnehmer an der Marktumfrage haben bestätigt, dass das Instandhaltungsbudget zukünftig sinken wird, denn auch ein gleichbleibendes Budget reduziert sich kontinuierlich über die Teuerung.

Instandhaltung muss ­zustandsabhängig erfolgen

Flexibilisierung der Instandhaltungskosten ist eine Möglichkeit, auf die Reduktion der Budgets zu reagieren. Das heisst, dass der Fix-Kosten-Anteil möglichst tief gestaltet werden muss. Dies ist weder durch vorbeugende noch durch ausfallorientierte Instandhaltung zu erreichen. Die Instandhaltung muss auf die Auslastung der Anlagen abgestimmt und zustandsabhängig erfolgen. Eine Flexibilisierung der Instandhaltungskosten erreicht man durch ein aktives Fremdleistungsmanagement. Das bedeutet auch, dass Routinearbeiten nicht mehr von teuren Instandhaltungsspezialisten durchgeführt werden. Fremdfirmen eignen sich in diesem Bereich ausserordentlich gut. Sie sind optimal aufgestellt, solche Arbeiten kostengünstig und in sehr guter Qualität auszuführen. Dadurch können Fremdfirmen Kapazitätsengpässe abdecken und das IH-Personal unterstützen. Bei rückläufiger Auslastung können diese Arbeiten auf einfache Art und Weise wieder zurückgenommen werden, sodass das eigene Personal immer optimal ausgelastet ist.

Da es sich nicht in jedem Fall lohnt, jeden Spezialisten im Unternehmen zu haben, kann über die Dienstleister Knowhow zum Beispiel im Bereich der Zustandsüberwachung eingekauft werden. Diese Kosten passen sich der Anlagenauslastung an und reduzieren sich automatisch, wenn die Produktion rückläufig ist, indem periodische Inspektionen, Messungen und Analysen der Anlagenauslastung angepasst und nicht einfach zeitabhängig, nach einem vorbestimmten Kalender, durchgeführt werden.

Ein modernes Konzept für die Optimierung der Kapitalrendite ist das «Asset Performance Management». Dieses Konzept reagiert flexibel und dynamisch auf veränderte Bedingungen, indem über das Leistungsmanagement die entsprechenden Leistungsfaktoren laufend überwacht und die Instandhaltungsstrategie angepasst werden. Grundlage des Leistungsmanagements sind die gesammelten Daten aus der Anlagen-Historie, der Zustandsüberwachung, den Inspektionen und den Arbeitsaufträgen. In speziellen Modulen werden die Informationen aus den unterschiedlichsten Systemen weiter verarbeitet, um den Entscheidungsträgern optimale Grundlagen für Entscheidungen zur Verfügung zu stellen.

Bei Neuanschaffungen Lebenszyklus umfassend betracht

Die Instandhaltung wird sich zukünftig verändern. Sie wird nicht zum Asset Management umfunktioniert, da sie eine wichtige Funktion innerhalb des Lebenszyklus hat. Es wird jedoch immer wichtiger, dass Unternehmen bei Neuanschaffungen den Lebenszyklus umfassend betrachten. Die Produktion als Besitzer der Produktionsanlagen wird zukünftig die Verantwortung für das Asset Management intensiver betreiben und die Instandhaltung besser in die Entscheidungen einbinden.

Die Vergabe von Dienstleistungen wird eine neue Bedeutung erhalten. Einerseits wird fehlendes Spezialwissen, zum Beispiel im Bereich von Zustandsanalysen und -bewertungen, durch Serviceverträge abgedeckt und andererseits werden Kapazitätsschwankungen über die Vergabe von Routineaufgaben und Reparaturen an IH-Dienstleister aufgefangen. Daneben wird das klassische Outsourcing weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Service-Levels werden vermehrt und umfassender definiert um so die Leistungen der Dienstleister kontrollieren zu können und klare Schnittstellen zwischen Eigen- und Fremdleistung zu schaffen.

Die Instandhaltung wird weniger Reparaturen durchführen. Dafür fokussiert sie sich auf die Verfügbarkeit der Produktionsanlagen. «Smart Maintenance» ? Intelligenz in der Instandhaltung ist dazu die Lösung. Zukünftig werden vermehrt neue Konzepte eingeführt, die Kosten reduzieren und gleichzeitig die Verfügbarkeit steigern ? mit anderen Worten die Kapitalrendite steigern.

Information

Alexander Stuber & Partner GmbH

Badenerstrasse 9, 5200 Brugg

Tel. 056 511 23 31

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www.aspartner.ch

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