Jean-Daniel Isoz, Geschäftsführer der Starrag Vuadens SA und Mitglied der Geschäftsleitung der Starrag-Gruppe, spricht im SMM-Exklusivinterview über die Vorteile des Werkplatzes Schweiz. Kurz vor seiner Pensionierung gibt er spannende Einblicke in seine langjährige Karriere und verrät, warum er an die Zukunft der Schweizer Fertigungsindustrie glaubt.
Jean-Daniel Isoz, Geschäftsführer der Starrag Vuadens SA und Mitglied der Geschäftsleitung der Starrag-Gruppe: «‹Swiss made› hat nach wie vor einen hohen Stellenwert.»
(Bild: Thomas Entzeroth)
Wie relevant ist das Swiss-made-Label heute noch für die Fertigungsindustrie?
Jean-Daniel Isoz: «Swiss made» hat nach wie vor einen hohen Stellenwert – vor allem, wenn es um spezielle Anforderungen geht, die mit vergleichsweise günstigen Standardmaschinen nicht erfüllt werden können. «Swiss made» steht für technische Perfektion und Präzision auch bei relativ hohen Stückzahlen.
Wo sehen Sie die entscheidenden Vorteile des Werkplatzes Schweiz?
J.-D. Isoz: Neben dem starken Ausbildungssystem spielt auch das politische und wirtschaftliche Umfeld eine entscheidende Rolle. Die Rahmenbedingungen in der Schweiz bieten eine hohe Flexibilität und ermöglichen schnelle Reaktionen – sei es in Wachstums- oder in Krisenzeiten. Auf wechselnde Auftragslagen können wir beispielsweise mit Kurzarbeit flexibel reagieren, ohne die Belegschaft langfristig zu belasten.
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Sie erwähnten die Bedeutung der Ausbildung. Können Sie das genauer erläutern?
J.-D. Isoz: Das Ausbildungssystem in der Schweiz ist ausgezeichnet und ein wesentlicher Faktor, der es uns ermöglicht, innovative und präzise Produkte zu entwickeln. Die enge Zusammenarbeit zwischen Industrie und Bildungsinstitutionen wie Berufsschulen, Fachhochschulen und ETH ermöglicht es, hoch qualifizierte Fachkräfte hervorzubringen, die die spezifischen Anforderungen der Schweizer Fertigungsbranche erfüllen.
Hat Ihnen die Zugehörigkeit zur Starrag Group geholfen, Ihre Visionen für Bumotec und SIP umzusetzen?
J.-D. Isoz: Die Gruppenzugehörigkeit bringt definitiv Vorteile mit sich, wie den Zugang zu Bankfinanzierungen, Beziehungen zu Lieferanten und das Netzwerk, das die Gruppe international besitzt. Man darf aber auch nicht alle Divisionen über einen Kamm scheren. Es war wichtig für uns, auf die Eigenheiten des Luxusgüter- und Medizintechniksegments einzugehen, die sich stark von anderen Geschäftsfeldern der Gruppe wie Aerospace oder Transport unterscheiden. Wir haben diesen Spielraum, wenn es um die Erfüllung der Bedürfnisse unserer Kunden geht.
Was bedeutet der geplante Zuzug eines grossen Luxusuhrenherstellers in die unmittelbare Nachbarschaft von Vuadens für die Starrag Group?
J.-D. Isoz: Die Investition des Uhrenherstellers in einen neuen Standort bestätigt das Wachstumspotenzial im Luxusuhrenbereich. Das Interesse und die Nachfrage im High-End-Segment sind deutlich vorhanden. Dieses Wachstum passt perfekt zu unseren Zielen, da wir hochwertige Maschinen anbieten, die sich durch Präzision, Steifigkeit und exzellente Oberflächengüte auszeichnen – alles entscheidende Anforderungen in der Luxusindustrie.
Die Nähe eines solchen Kunden eröffnet uns neue Chancen, durch eine Technologiepartnerschaft auch langfristig am Wachstum dieses Segments teilzuhaben. Durch die enge Zusammenarbeit können wir massgeschneiderte Lösungen entwickeln, die auch anderen Kunden der Branche zugutekommen werden.
Wie stellen Sie sicher, dass Starrag Vuadens SA für zukünftiges Wachstum gerüstet ist?
J.-D. Isoz: Der Schlüssel liegt in der Innovationsfähigkeit unserer Firma und in unserer vorausschauenden Produktionsstrategie. Unser Ziel ist es, Maschinen innerhalb weniger Monate für den Kunden einsatzbereit zu haben – das verschafft uns einen entscheidenden Vorteil am Markt. Dafür entwickeln wir ein modulares Konzept, das es uns ermöglicht, auf Kundenanforderungen flexibel reagieren zu können.
Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit für den Unternehmenserfolg?
J.-D. Isoz: Das Thema spielt eine entscheidende Rolle. Ein Beispiel: Bereits seit 2014 setzen wir auf Wärmepumpen und Solarpaneele, um unsere Produktion unabhängig von fossilen Brennstoffen zu machen. Diese Strategie zahlt sich nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch aus – ohne unsere ausreichend energieeffiziente Fabrik hätten wir die letzten Jahre nicht so erfolgreich meistern können. Zudem haben wir uns zu einem der grössten Solarstromproduzenten im Kanton Freiburg entwickelt.
Sie gehen zum Ende des Jahres in den Ruhestand. Gibt es etwas, das Sie anderen Akteuren des Werkplatzes Schweiz mit auf den Weg geben möchten?
J.-D. Isoz: Es war ein grossartiges Abenteuer. Ich habe 2006 bei SIP in Genf begonnen und seither verschiedene Entwicklungen und Projekte innerhalb der Starrag Group begleitet. Wir haben Fabriken gebaut, Unternehmen integriert und trotz Krisen im Jahr 2009 und 2016 sowie während der Covid-Pandemie weiterhin wachsen können. All das wäre ohne mein Team nicht möglich gewesen. Ich bin dankbar, dass ich solch engagierte und kompetente Mitarbeitende hatte.
Ich bin dankbar, dass ich solch engagierte und kompetente Mitarbeitende hatte.
Jean-Daniel Isoz, Geschäftsführer der Starrag Vuadens SA und Mitglied der Geschäftsleitung der Starrag-Gruppe
Was die Zukunft des Werkplatzes Schweiz betrifft, bin ich zuversichtlich. Die Arbeitskultur ist geprägt von einem starken Verantwortungsbewusstsein. Die Menschen hier sind stolz auf das, was sie tun, und bringen Leidenschaft für ihre Arbeit mit – das ist sehr wertvoll und die Basis für zukünftigen Erfolg.
Vielen Dank für die interessanten Einblicke, Herr Isoz. Wir vom SMM bedanken uns für die langjährige Zusammenarbeit und wünschen Ihnen für Ihre persönliche Zukunft alles Gute.
Jean-Daniel Isoz
Jean-Daniel Isoz (1959, Schweizer) ist seit dem 1. Juli 2019 Leiter der Business Unit Ultra Precision Machining Systems, welche die Produktbereiche Bumotec und SIP umfasst.
Zuvor führte er seit 2015 im Rahmen der früheren Geschäftseinheit Precision Engineering und trug die Gesamtverantwortung für die Marktsegmente Luxury Goods, Micromechanics und Med Tech. Davor war er seit 2013 verantwortlich für die damalige Business Unit 4 und damit mit den Marken Bumotec in Sâles (Schweiz) sowie SIP in Genf (Schweiz). Davor war er seit 2006 Geschäftsführer der SIP Société d’Instruments de Précision SA. Nach einer ersten Tätigkeit als Vertriebsleiter der SIP von 2000 bis 2002 war er bis Ende 2005 Geschäftsführer der Firma Bula Machines SA. Zuvor hatte er seit 1985 verschiedene Führungsfunktionen in der Produktion und im Kundendienst bei der Bobst SA in Lausanne, in den USA und in Asien inne.
Jean-Daniel Isoz ist Dipl. Ing. HTL Elektrotechnik und hat Zusatzausbildungen in Finanzen und Marketing bei der INSEAD in Fontainebleau absolviert.
Stand vom 30.10.2020
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