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Industrie 4.0, ein gutes Stichwort. In der Schweiz tut man sich mit diesem Thema nach wie vor ein wenig schwer. Wie sehen Sie das?
C. Sager: Grundsätzlich ist es einfach so: Jeder hat Angst um seine Daten. Sobald mehr Geräte untereinander vernetzt sind, umso effizienter werden sie. Das ist eine grosse Chance. Aber natürlich werden intelligente Geräte auch eine Eigendynamik entwickeln. Es bestehen also auch Risiken. Nicht nur durch die Eigendynamik, auch auf Angriffe von aussen. Dagegen muss man sich schützen, und dann ist der Industrie-4.0-Gedanke eine super Sache, um die Produktivität nachhaltig zu steigern.
Carlo Bach: Die Hochschulen wurden mit diesem Thema auch überrannt. Aus Ingenieursicht muss ich natürlich dazu sagen, dass die ganze Vernetzung und Digitalisierung für uns nichts Neues ist. Wir machen das seit Jahren so. Das Thema hat jetzt aber dank der Industrie wahnsinnig schnell Fahrt aufgenommen. Eine grosse Chance sehe ich persönlich zum Beispiel für Schweizer Cloudanbieter. Wie erwähnt, macht sich jeder Sorgen um seine Daten. Aber vielleicht fühlen sich die Unternehmen wie auch die Privaten ein wenig sicherer, wenn die Daten in der Schweiz lagern statt in irgendeiner Serverfarm in den USA.
Industrie 4.0 ist eines der Trendthemen. Welche Trends gibt es noch in der Bildverarbeitung?
C. Bach: Ein wichtiger Forschungstrend ist die Multisensorik. Man arbeitet also nicht mehr nur mit einem Kamerasystem, sondern mit mehreren nebeneinander. Beispielsweise für 3D-Ansichten. Hier stellen sich aber gegenüber 2D-Anwendungen zahlreiche neue Herausforderungen dar, insbesondere in der Segmentierung. Was gehört zum Bild, was ist vernachlässigbar? Zudem verhält sich jedes Material anders, die Beleuchtung wird so zum Knackpunkt. Das wird ein spannendes Unterfangen, hier die richtigen Lösungen zu finden. Eine weitere wichtige Fragestellung wird es zudem sein, was man schlussendlich mit all den gesammelten Daten macht? Daraus könnten beispielsweise autonom lernende Systeme entstehen, welche durch einfaches Einlernen eines Menschen sich selbständig weiterentwickeln werden.
C. Sager: Ein weiteres Thema wird die Echtzeitaufnahme und deren Verarbeitung werden, insbesondere im Automotive-Bereich. Angefangen bei bereits erhältlichen adaptiven Tempomaten in Fahrzeugen bis hin zu Kameras, welche Fussgänger und Verkehrssignale beobachten. Im Hinblick auf zukünftige, autonom fahrende Fahrzeuge wird das ein Massenmarkt werden.
Herr Bach, wie sieht die Zusammenarbeit der Schule mit der hiesigen Industrie aus? Insbesondere in diesem Fall jetzt mit der Stemmer Imaging AG?
C. Bach: Wir haben mit der Firma Stemmer Imaging früher viel im Bereich automatisierte Sichtprüfung zusammengearbeitet. Heutzutage beziehen wir auch immer noch Material von Puchheim. Aber viel mehr als das Equipment schätzen wir an Stemmer Imaging das wahnsinnig grosse Know-how. Wenn etwas nicht funktioniert wie gewollt, haben sie immer ein offenes Ohr für uns. Über neue Entwicklungen und Funktionen werden wir genauso gut informiert. Zu guter Letzt erhalten wir für den Lehrbereich sehr gute Unterlagen, beispielsweise kompakte und anwendungsnahe Lehrbücher. Wir sind sehr dankbar für diesen Wissenstransfer. <<
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